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Schöneberger Eltern zahlten nicht: 40 Kinder bekommen kein Schulessen mehr

Selbst den ermäßigten Preis zahlten die Eltern nicht.

Selbst den ermäßigten Preis zahlten die Eltern nicht.

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imago/GlobalImagens

An der Spreewald-Grundschule in Schöneberg dürfen über 40 Kinder nicht mehr an der Schulspeisung teilnehmen. Denn die Eltern haben trotz mehrfacher Aufforderung noch nicht einmal den reduzierten Essensbeitrag bezahlt. „Erzieherinnen berichten von weinenden Kindern“, sagte Elternvertreterin Hadia Mir.

Solche Fälle gebe es nicht nur an dieser Schule, bestätigte Jutta Kaddatz (CDU), Schulstadträtin vom Tempelhof-Schöneberg. Sie betont, dass die Eltern der Spreewald-Schule mehrfach zu Informationsveranstaltungen eingeladen und auch per Einschreiben gemahnt worden seien. Wer trotzdem nicht zahle, der könne nun auch kein Essen mehr erhalten.

Die Spreewald-Schule liegt im sozial problematischen Schöneberger Norden. Über 90 Prozent der Eltern beziehen Sozialtransfers. Die allermeisten Eltern haben also Anspruch auf Zuschüsse aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Sie müssten nur einen Euro pro Mahlzeit zuzahlen. Zwar verfügen die Bezirke über einen Härtefallfonds für Eltern, die das Essen nicht bezahlen können. Doch der beschränkt sich auf vorübergehende Notlagen. „Im vergangenen Jahr war der Fonds schon im Sommer ausgeschöpft“, sagte Kaddatz. Deshalb müsse man nun verstärkt auf die Kosten achten.

Forderungen nach kostenlosem Essen

Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass die Spreewald-Schule eine gebundene Ganztagsschule ist, an der sich Unterricht und Freizeitangebote abwechseln. Dort dauert die Schulpflicht von acht bis 16 Uhr. Ohne ein warmes Essen dürfte es Schülern schwer fallen, den schulischen Angeboten zu folgen. „An solchen Ganztagsgrundschulen sollte das Mittagessen kostenlos sein“, fordert deshalb Doris Dreißig, die Vorsitzende des Bezirkselternausschusses.

Viele Kinder dort erhalten zu Hause allerdings nicht einmal ein Frühstück, weshalb vor Ort in der Spreewald-Schule inzwischen die Brotzeit-Stiftung der Schauspielerin Uschi Glas kostenlose Frühstücksangebote macht.

An der Schule sieht man bei einzelnen Eltern eine gewisse Gleichgültigkeit und eine Gratis-Mentalität, hieß es. Es gebe aber auch technische Probleme beim Lastschrifteinzug oder Kontosperrungen, hieß es. Kaddatz sagte, das Jugendamt werde prüfen, ob in Einzelfällen eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Flüchtlingskinder seien von dem Problem derzeit nicht mehr betroffen.