07.02.2012

Schul-Lotterie: Schulleiter warnen Eltern vor taktischen Spielen

Von Martin Klesmann
        

Klassenlotterie: Auch dieses Jahr entscheidet für viele Schüler wieder das Los.
Klassenlotterie: Auch dieses Jahr entscheidet für viele Schüler wieder das Los.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter
Berlin –  

Am Mittwoch beginnen die Anmeldungen für die 7. Klassen der Gymnasien und Sekundarschulen. Bis zum 22. Februar können Eltern ihre Kinder an der Lieblingseinrichtung anmelden - müssen aber auch Zweit- und Drittwünsche angeben

Für 24 500 Sechstklässler entscheidet sich ab diesem Mittwoch, welche Sekundarschule oder welches Gymnasium sie im kommenden Schuljahr besuchen werden. Bis zum 22. Februar können Eltern ihre Kinder an der Erstwunsch-Schule anmelden, zugleich müssen sie bei der Anmeldung auch noch die Zweit- und Drittwunsch-Schulen angeben. „Ich gehe von einer etwas entspannteren Anmeldungsphase als im vergangenen Jahr aus“, sagt Jochen Pfeifer, Schulleiter des John-Lennon-Gymnasiums in Mitte. Tatsächlich brauchen in diesem Jahr 16 Prozent weniger Schüler einen Oberschulplatz als 2011.

Deshalb sind an begehrten Gymnasien und Sekundarschulen wohl nicht mehr ganz so vortreffliche Spitzennoten nötig, um ohne Losquote einen Platz an der Oberschule zu erlangen (Details im Kasten). Am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Pankow, eine der nachgefragtesten Schulen, war sogar ein Notenschnitt von 1,5 und besser nötig. Nun kann es sein, dass der Notenschnitt wieder ein oder gar mehrere Zehntel schlechter sein kann.

Carl-Zeiss-Sekundarschule in Lichtenrade sehr begehrt

„Davon gehe ich aus“, sagt auch Stephan Zapfe, Leiter der Carl-Zeiss-Sekundarschule in Lichtenrade. Seine Schule war im vergangenen Jahr die begehrteste Oberschulen in ganz Berlin, bei 182 Plätzen musste er 244 Absagen verschicken. Nur wer einen Notenschnitt von 2,4 und besser hatte, wurde ausgewählt. „Heute Morgen erst hatte ich einen Schüler mit einem Notenschnitt von 1,1 hier“, sagt Zapfe. Das Mädchen wolle lieber an einer Sekundarschule das Abitur machen, weil man das Abi dort anders als am Gymnasium auch erst nach 13 statt nach 12 Jahren ablegen könne.

Der Weg an die Wunsch-Schule
Aufnahme

An begehrten Oberschulen sind 10 Prozent der Plätze für Härtefälle, etwa für Schüler mit Gesundheitsproblemen, reserviert. 60 Prozent der Plätze vergibt die Schule nach selbst gewählten Kriterien, meist ist es der Notendurchschnitt der Grundschule. Zuletzt werden 30 Prozent der Plätze unter den restlichen Bewerbern verlost.

Insgesamt 146 Gymnasien und Sekundarschulen ziehen als Auswahlkriterium den Notendurchschnitt der Grundschule heran. 46 Schulen lassen andere Kriterien gelten, etwa das Spielen eines Musikinstrumentes oder Kompetenztests. Auch werden Noten, die zum Profil der Schule passen, doppelt gezählt. Das Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz wertet mit drei von 12 möglichen Punkten auch das sozial-gesellschaftliche Engagement eines Schülers, etwa wenn er in der Grundschule Klassensprecher war.

Spannung bei Schulleitern

Mit Spannung beobachten Schulleiter, ob Eltern wieder taktisch entscheiden. So hatten gerade angesehene Gymnasien, wie die Luxemburg-Oberschule in Pankow, im vergangenen Jahr plötzlich noch freie Plätze. Eltern hatten offenkundig darauf spekuliert, dass dort ganz viele Anmeldungen auflaufen, und ihr Kind deshalb lieber an einer vermeintlich weniger nachgefragten Schule angemeldet

„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“, kommentiert es Schulleiter Pfeifer. Er geht davon aus, dass sich das nun ändern wird. Gymnasial-Schulleiter empfehlen Eltern auch, nicht darauf zu spekulieren, dass das Kind im Losverfahren zugelost wird. An mehreren Gymnasien laufen gerade diese Kinder Gefahr, das Probejahr nicht zu bestehen.

Im vergangenen Jahr waren 44 von 121 Sekundarschulen sowie 39 von 94 Gymnasien übernachgefragt, nur an diesen Schulen kam es zu dem komplizierten Aufnahmeverfahren samt 30-Prozent-Losquote. Die anderen Schüler bekamen Schüler zugewiesen. Günter Peiritsch vom Landeselternausschuss warnte davor, dass gerade letztere Sekundarschulen zu „Restschulen“ verkommen könnten.

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