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Berliner Zeitung | Schulbauten in Leichtbauweise: Klassenräume nach Norm und ohne Wasser
30. September 2015
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Schulbauten in Leichtbauweise: Klassenräume nach Norm und ohne Wasser

Wahlweise in Rot: modularer Ergänzungsbau an der Pankower Mendel-Grundschule.

Wahlweise in Rot: modularer Ergänzungsbau an der Pankower Mendel-Grundschule.

Foto:

Berliner Zeitung/Matthias Günther

Plötzlich war da die Angst, nicht mehr jedem Kind einen Schulplatz anbieten zu können in der wachsenden Stadt Berlin. Das aber konnten Senat und Bezirke nicht zulassen. Deshalb werden nun an immer mehr Schulstandorten vorgefertigte Ergänzungsbauten errichtet. Diese meist dreigeschossigen Bauten aus zusammengeschraubten Betonfertigteilplatten und mit vorgehangener Hochdrucklaminat-Fassade haben vor allem zwei Vorteile: Sie können relativ schnell binnen eines knappen Jahres geplant und fertiggestellt werden. Und sie sind günstig zu haben.

An sieben Grundschulstandorten in Pankow, Lichtenberg und Reinickendorf sind diese sogenannten modularen Ergänzungsbauten, kurz MEB genannt, seit dem vergangenen Schuljahr bereits in Betrieb. Hört man sich vor Ort um, sind viele Lehrer und Schüler prinzipiell durchaus zufrieden mit diesen kellerlosen, barrierefreien Gebäuden aus Fertigbauteilen der Firma Goldbeck. Eine echte Entlastung sei dies.

Probleme mit der Lüftung behoben

Allerdings fremdeln nicht wenige Pädagogen mit den genau genormten Räumen, die nicht unbedingt zu einer kreativen Lernatmosphäre beitragen. Fachräume für die Naturwissenschaften wurden zunächst nicht eingerichtet, weil dafür teure Wasserleitungen nötig gewesen wären. An der Brodowin-Grundschule in Alt-Hohenschönhausen gab es zudem Probleme, die langen Schulflure ausreichend zu belüften. „Wenn die Reinigungskräfte dort auch noch gewischt haben, herrschte ein feuchtes Tropenklima“, sagt ein Lehrer. Das soll nun durch eine Querlüftung behoben werden, an den Wänden hin zu den Klassenzimmern würden Oberlichter angebracht, die geöffnet werden können. Im Kunstunterricht, wenn mit Wasserfarbe gemalt werde, falle es besonders auf, dass es kaum Waschbecken oder Wasseranschlüsse gebe, heißt es an der Grundschule Wilhelmsruh.

Insgesamt entsprechen die Bauten, die entweder zwölf oder 24 Unterrichtsräume haben, aber aktuellen energetischen Standards und verfügen über einen guten Schallschutz. Fälschlicherweise werden sie oft als Container bezeichnet, dabei sind es Plattenbauten. Stahlstützen in der Gebäudemitte sorgen für die nötige Statik.

Angeblich so lange haltbar wie herkömmliche Gebäude

„Da nun jedes Jahr neu ausgeschrieben wird, ist es sozusagen ein ‚lernendes System‘, man profitiert von den gesammelten Erfahrungen“, sagt Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), Schulstadträtin von Pankow. Die Sammelausschreibung erfolgt standardisiert über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Da kann man nicht plötzlich einen Chemieraum einbauen lassen“, sagt sie. Sonderwünsche seien teuer. In Pankow werden die Schülerzahlen besonders rasant steigen. Deshalb will die Stadträtin nicht nur Ergänzungsbauten, sondern ganze Schulen in dieser Bauweise errichten. „Sonst kommen wir nicht hinterher.“

Dafür bräuchte man aber eine andere Variabilität. „Mitwachsende Schule“ nennt Zürn-Kasztantowicz ihren Plan: In einem Schuljahr soll zunächst ein Standardbau mit kleinem Schulhof entstehen, im Jahr darauf würden dann alle nötigen Leitungen gelegt, im dritten Schuljahr kämen eine Standardsporthalle, Mensa und weitere Bauten hinzu, später dann noch Sportplatz, Schulhoferweiterung und zusätzliche Ergänzungsbauten. Das wäre ein Schulbau völlig neuen Typs. Angeblich sollen sie so lange halten wie herkömmliche Gebäude.


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