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Schulessen: Milchreis oder Letscho?

Karsten Streeck ist einer der beiden Chefs von Z-Catering.

Karsten Streeck ist einer der beiden Chefs von Z-Catering.

Nie mehr sollte es vorkommen, dass sich Kinder an verkeimten Erdbeeren aus China den Magen verderben, wie vor eineinhalb Jahren. Deshalb und wegen anderer Kritik wurde das Schulessen in Berlin neu ausgeschrieben. Seit einer Wochen erhalten Grundschulkinder ein Mittagessen, das nach eigens festgelegten Qualitätskriterien zubereitet ist.

Das hat seinen Preis: Eltern zahlen monatlich 14 Euro mehr, statt 23 Euro sind es jetzt 37 Euro. Aber ist das Essen auch wirklich besser geworden? An vielen Schulen wird diese Frage mit einem Ja beantwortet. So auch an der Jeanne-Barez-Grundschule in Französisch Buchholz.

Endlich nicht mehr zerkocht

Die Kinder drängeln sich vor der Essenausgabe. Es gibt wahlweise Milchreis oder Paprika-Letscho mit Kartoffeln. Offensichtlich mögen die Kinder das Essen. „Es ist nicht so zerkocht“, sagt die neunjährige Charlotta. „Und es ist nicht so matschig wie beim vorherigen Anbieter“, sagt Cheyenne, ebenfalls neun Jahre alt. „Und auch die Kartoffeln schmecken gut“, ergänzt Timo. Die Kartoffeln sind tatsächlich frisch gekocht, das Letscho schmeckt nach Paprika und ist bissfest. An der Jeanne-Barez-Grundschule hat die Firma Z-Catering die Ausschreibung für das Schulessen gewonnen, so wie an 20 anderen Schulen auch.

Das Unternehmen der Gebrüder Streeck, das bisher vor allem Betriebs- und Eventcatering machte, ist der einzige Newcomer nach der Neuausschreibung. Es ist nicht gelungen, mehr kleinere Anbieter, die regionale Zutaten verwenden, an die Schulen zu bringen. Den Markt beherrschen weiterhin die Großcaterer: Luna mit 75 Schulen, Sodexo mit 61 und Sunshine mit 47 Schulen. Diese drei Firmen verköstigen fast die Hälfte der 351 öffentlichen Grundschulen der Stadt, wie die Bildungsverwaltung jetzt bestätigte.

Karsten Streeck von Z-Catering bewirtet an der Jeanne-Barez-Grundschule auch seinen eigenen Sohn, der dort lernt. „Da muss ich natürlich gutes Essen liefern, sonst gibt es Ärger“, meint der 47-Jährige. Weil die Firma der Brüder, die aus Stendal stammen, jetzt so viel zu tun hat, werden weitere Köche und Küchenpersonal für die beiden Großküchen am Borsigturm und am Nordbahnhof gesucht. Ohne Preiserhöhung hätte sich Z-Catering nicht beworben, sagt Streeck.

Qualität habe ihren Preis. Bei Z-Catering legt man Wert darauf, dass das Gemüse oft nur blanchiert wird – damit es im Essen nicht weiter gärt und alles matschig wird. Das Rindergulasch kommt aus der Oberschale, wo es nicht knorpelig sei. Und der Reis wird erst beim Servieren in die Suppe getan, damit er nicht verkocht. Eines würde Karsten Streeck indes nie anbieten: Jägerschnitzel. Diese nach seinem Empfinden viel zu würzigen panierten Jagdwurstscheiben hätten ihm schon als Kind zu DDR-Zeiten nicht geschmeckt.

Schulleiter Thomas Emrich hat bisher täglich ein Schälchen vom Schulessen probiert. „Mir schmeckt es sehr gut“, sagt er. „Aber ich will vorbereitet sein, wenn mal Kritik kommt“. Die blieb bisher aus. Der Schulleiter steht auch in regelmäßigen Kontakt mit den anderen Mitgliedern des Essensausschusses, die die Speisequalität überprüfen sollen. Denn die Qualität soll nach den ersten Wochen, in denen alle besonders aufmerksam sind, nicht nachlassen. Bei den Eltern kommt zudem sehr gut an, dass die Kinder jetzt täglich spontan entscheiden können, was sie essen möchten. Bisher mussten die Eltern Wochen vorher den Speiseplan ausfüllen und einreichen. Nur die ausgewählten Speisen durften dann genommen werden.

Jede vierte Schule hat neuen Caterer

Mehr als jede vierte Schule hat in Berlin einen neuen Caterer gefunden. Nicht immer im Konsens: An der Schweizerhof-Schule in Zehlendorf zum Beispiel wollten Eltern, Schüler und Lehrer die bisherige Firma Drei Köche behalten. Doch beim Testessen überstimmte die Ersatzjury des Bezirksamtes den Essensausschuss der Schule. Nun ist der Groß-Caterer Sodexo dort tätig. An der John-F.-Kennedy-Schule, ebenfalls in Zehendorf, gab Sodexo hingegen wegen eines Formfehlers auf. Hier war die Ausschreibung nur für die Grundschule erfolgt, jedoch nutzen auch die älteren Schüler das Essensangebot.

Was aber, wenn sich Eltern das teurere Schulessen nicht leisten können? Dann müssen sie über das „Bildungs- und Teilhabepaket“ des Bundes einen Antrag auf finanziellen Zuschuss stellen. Wer die Kriterien nicht erfüllt, kann Geld aus dem Härtefallfonds des Landes beantragen. Der ist eingerichtet für Eltern, die „zeitweise in eine besondere Notlage geraten“ würden. Das Geld wird bei der Schulleitung beantragt, wobei deren Ermessensspielraum eng gefasst ist.

Neu ist jetzt auch, dass die Essensverträge, die eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren haben, vorzeitig gekündigt werden können. Jeweils zum 31. Januar und zum 31. Juli, bei einer Kündigungsfrist von sechs Monaten.

Das Essen jedenfalls, so sagen es die Kinder an der Barez-Schule, schmecke jetzt besser als vorher. Einige Kinder müssten sich allerdings erst mal an den Geschmack bestimmter Gemüsesorten gewöhnen, sagt Carola Kahlenberg vom Essensausschuss der Schule. Denn beim billigeren Schulessen hatten viele Zutaten bereits ihren Eigengeschmack verloren.


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