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Schulplatz einklagen: Dieser Anwalt klagt Schüler in die Klasse

Zieht gern vor Gericht: OIaf Werner.

Zieht gern vor Gericht: OIaf Werner.

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Privat

Olaf Werner ist Rechtsanwalt. Sein Geschäftsmodell ist es, für Kinder und Jugendliche einen Schulplatz einzuklagen. „Das macht inzwischen 70 Prozent meiner Tätigkeit aus“, sagt der Mann, der eine Kanzlei unweit das Luxus-Kaufhauses KaDeWe betreibt. Zufällig sei er dazu gekommen und habe das dann immer weiter ausgebaut. „Von Februar bis September geht es bei mir um Schulplätze.“ Oft wollen Eltern ihr Kind partout auf ein bestimmtes Gymnasium mit gutem Ruf bringen. Oder sie wollen ihr Kind an einer Sekundarschule mit eigener Oberstufe unterbringen. Erst wird Widerspruch eingelegt. Lenkt das Schulamt dann nicht ein, folgt die Klage.

Oft setzt der 46-jährige Anwalt bei der Kapazitätsberechnung der Schulen an. Eigentlich sollen Sekundarschulen maximal 26 Schüler in einer Klasse haben, Gymnasien 32. „Häufig wird nun darüber gestritten, ob diese Obergrenze wirklich ausgeschöpft worden ist.“ Mitunter würden an Sekundarschulen Fehler gemacht, weil dort die ersten vier Plätze einer Klasse für Kinder mit Förderbedarf reserviert sei. „Läuft das nicht korrekt, ist auch die Aufnahme der restlichen Schüler nicht sauber gelaufen“, erläutert Olaf Werner. Dann käme oft noch ein weiterer Schüler in die Klasse.

Einige Schulen beziehen neben den Noten auch noch das Sozialverhalten der Schüler als Aufnahmekriterium ein. Zum Beispiel bringt es Pluspunkte, wenn der Schüler Klassensprecher war oder in Vereinen aktiv ist. Ein Steglitzer Gymnasium hatte auch das Engagement als Messdiener in der katholischen Kirche als Pluspunkt gewertet. Dagegen ging der Anwalt vor und gewann. Am Luxemburg-Gymnasium in Pankow gibt es eigene Aufnahmeprüfungen für die Spanisch- oder die Latein-Klasse. Da die Schüler dort aber nicht mehr Fremdsprachenunterricht als üblich erhielten, ging Werner vor Jahren auch dagegen erfolgreich vor.

Manchmal sind es Kleinigkeiten: Da wurde zum Beispiel der Anteil der Härtefälle, die aufgenommen wurden, falsch gerundet. Die Folge war, dass bestimmte Klassen noch einen Schüler zusätzlich aufnehmen mussten. Oder das Gymnasium in Mitte, das ein spezielles Klassenprofil „Allgemeine Bildung“ einrichten wollte. Auch das gab das Schulrecht nicht her. „Mitunter haben Schulen die Aufnahmekriterien einfach zu spät veröffentlicht“, erinnert sich Werner.

Scheinummeldung angezeigt

Schulleiter sind auf jeden Fall stets sehr bemüht, wegen ihrer Aufnahmekriterien nicht vor Gericht gezerrt zu werden. Als besonders rechtssicher gelten da Noten. Deshalb sind sie an so vielen Schulen das allerwichtigste Aufnahmekriterium. Viele Schulleiter halten auch die Härtefallregelung bewusst restriktiv, weil sie Angst vor Klagen haben.

Selbst gegen Eltern, die sich scheinumgemeldet haben, um den Wunsch-Grundschulplatz für ihr Kind zu bekommen, ist Werner im Auftrag anderer Eltern schon vorgegangen. „Manchen Eltern ist ein Schulplatz viel wert.“


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