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Schwäbische FDP geht auf Stimmenfang in Prenzlauer Berg

Auf Stimmenfang in Prenzlauer Berg: Mit solchen Plakaten werben die Liberalen um Stimmen.

Auf Stimmenfang in Prenzlauer Berg: Mit solchen Plakaten werben die Liberalen um Stimmen.

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Agentur heimat

Die FDP in Baden-Württemberg ist über das Behördenchaos in der deutschen Hauptstadt bestens informiert. Zwei bis drei Monate müsse man in Berlin warten, ehe man bei einem Bürgeramt einen Termin bekommt, um sich umzumelden, sagt der Sprecher der FDP Baden-Württemberg, Marius Livschütz, der Berliner Zeitung. Dieses Ärgernis machen sich die Freien Demokraten nun zunutze.

Für die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 13. März sucht die FDP derzeit gezielt nach Fortgezogenen, die sich wegen fehlender Termine im Amt noch nicht in Berlin anmelden konnten. Solange die neue Berliner Adresse nicht im Ausweis steht, kann auch ein Fortgezogener sich per Briefwahl an der Abstimmung in diesem Bundesland beteiligen, am einfachsten per Briefwahl.

Politisches Comeback der FDP

Vor allem in Prenzlauer Berg – dort sollen ja besonders viele Schwaben leben – sucht die FDP nun nach Wählern. „Dort lebt eine Klientel, die der FDP nahe steht“, sagt Marius Livschütz. Genaue Zahlen gibt es nicht, und die Liberalen spielen auch auf lokaler Ebene keine Rolle mehr, doch offenbar reicht das Klischee der Schwaben in Prenzlauer Berg.

Denn die anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, einem traditionellen Stammland der FDP, sollen nach dem Desaster der Bundestagswahl im Jahr 2013 das politische Comeback starten. Jüngste Prognosen sagen fünf Prozent voraus. Da zählt jede Stimme, auch die von ausgewanderten Schwaben.

„Wahlurne für Schwaben“

So hat die FDP vor ein paar Tagen mal kurz einige große Plakate an öffentlichen Briefkästen in Prenzlauer Berg aufstellen lassen, als „Wahlurne für Schwaben“. Die Fotos dieser Aktion werden nun im Internet verbreitet und sind Teil der Kampagne, in der die FDP-Werbung auch über Google und Facebook an ausgewählte Internetnutzer verschickt wird.

Zum Konzept gehört auch ein Kurzfilm, in dem Schwaben, die aus Ludwigsburg, Stuttgart, Tuttlingen und Reutlingen kommen, nach ihren Eindrücken in Berlin befragt werden. Die meist jungen Leute schwärmen, in Berlin sei immer was los, allerdings sei Baden-Württemberg auch deutlich sauberer. Dort stehe man aber immer im Stau, und der Handyempfang sei miserabel. Ein Bus fahre auch nur zweimal am Tag. In Berlin hingegen …

Die Schwaben und Prenzlauer Berg

Doch auf dem Bürgeramt, auch das wird gefilmt, stehen Neuberliner dann ratlos auf vollen Gängen und warten auf einen Termin. FDP-Sprecher Livschütz betont, in Baden-Württemberg sei man innerhalb eines Tages umgemeldet.

Die Schwaben und der Prenzlauer Berg – keine andere Gruppe von Hinzugezogenen ist in den zurückliegenden Jahren so diffamiert und verspottet worden, sei es durch gesprühte Hass-Sprüche an Häuserwänden wie „Schwaben raus!“ oder einer Umbenennung des Kollwitzkiezes in Schwabylon.

Man sah überklebte Straßenschilder, auf denen „Kollwitzsträßle“ und „Wörther Gässle“ stand, und dann regte sich auch noch der frühere Bundestagsvizepräsident und Kollwitzplatz-Anwohner Wolfgang Thierse über schwäbische Weckle statt Schrippen beim Bäcker auf.

Als ob das nicht reicht. Nun werden die Schwaben in Prenzlauer Berg auch noch an ihre staatsbürgerlichen Pflichten fern der schwäbischen Heimat erinnert.