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Schwimmbad im Poststadion: Ausgetrocknet: Kein Schwimmbad in Moabit

Standort des Poststadions in Moabit.

Standort des Poststadions in Moabit.

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BLZ

Die Pläne waren gut: Als Ersatz für das vor gut zehn Jahren geschlossene Sommerbad im Poststadion sollte neben dem Stadtbad Moabit ein neues, 25 Meter langes und 12,5 Meter breites Außenbecken gebaut werden. Anwohner haben gejubelt. Und namhafte Sponsoren ihre Unterstützung zugesagt, sollte es für die Berliner Bäderbetriebe mit dem neuen Becken finanziell einmal knapp werden. Doch das Becken wird nicht gebaut. „Das Vorhaben ist als endgültig gescheitert anzusehen“, sagt Mittes Sportstadtrat Ulrich Davids (SPD).

Ausgesessen und beerdigt

Gescheitert deshalb, weil der Neubau des Außenbeckens für die Aufsichtsratssitzung der Bäderbetriebe am 29. April nicht einmal mehr auf der Tagesordnung steht. Und damit auch nicht vor dem Ablaufen der Förderfrist beschlossen werden kann. „Wir haben mit den Bäderbetrieben ein Konzept entwickelt, alles ist fertig“, sagt Davids. Er habe allerdings das Gefühl, dass das Thema auf Landesebene ausgesessen wurde, obwohl auch viele Politiker etwa Sportsenator Frank Henkel (CDU) für das neue Becken gewesen seien. Zumindest offiziell.

Denn die Regierungskoalition aus SPD und CDU hat das Projekt im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses abgelehnt – und damit beerdigt. Ihnen war offenbar das finanzielle Risiko eines neuen Bades zu groß. Denn nach einem Beschluss des Parlaments dürfen die Bäderbetriebe keinen Quadratmeter Wasserfläche im Außenbereich mehr bauen, weil schon jetzt alle Sommerbäder ein Minus-Geschäft sind.

Für das Moabiter Becken liegt den Bäderbetrieben aber ein Gutachten vor, wonach das Bad wirtschaftlich ist. Und der Bezirk hat sich bereit erklärt, für „schlechte Sommer“ und damit geringere Einnahmen der Bäderbetriebe eine Risikoabschirmung von 20.000 Euro zu übernehmen. Am Montag teilte außerdem der Verein Moabit mit, dass man ein Finanzierungskonzept über zehn Jahre erarbeitet habe. 15.000 Euro Sponsorengeld seien eingeworben worden, sagt Philip Schreiterer vom Verein.

Zu den Sponsoren zählen die Stiftung Zukunft Berlin, die Total Deutschland GmbH, das Unternehmensnetzwerk Moabit sowie der Projektentwickler Klaus Groth. Auch die Finanzierung des Beckens ist gesichert. 1,6 Millionen Euro sollten aus dem Programm Stadtumbau West fließen. „Wir haben an allen Fronten versucht, die Beteiligten zu überzeugen, dass das Außenbecken eine gute Idee ist“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe.

Viel schwerer als das finanzielle Risiko wiegt für die Regierungsparteien aber etwas anderes. Wie es heißt, wolle man mit dem Bad keinen Präzedenzfall schaffen. Denn bei anderen Bezirken könnten Begehrlichkeiten geweckt werden: Die könnten dann ebenfalls ein neues Bad fordern, davor habe man Angst.

Stadtrat Davids hat für dieses Tauziehen kein Verständnis. Mit der Stadtentwicklungsverwaltung hat er jetzt vereinbart, dass die 1,6 Millionen Euro nicht komplett verfallen, sondern der Bezirk die Hälfte davon erhält. Davids will die 800 000 Euro rund um das Poststadion verbauen.

Das Gelände wird schon seit Jahren mit Millionensummen zu einem Sportpark ausgebaut. Privat finanziert wurde bereits eine Kletterhalle. Zudem errichten Investoren auf dem Gelände des früheren Sommerbades eine Wellnessanlage mit Sauna-Landschaft, Massage-Räumen und Restaurant. 20 Millionen Euro kostet die Anlage, im Frühjahr 2014 ist Eröffnung.