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Berliner Zeitung | Schwimmbad in Berlin - Prenzlauer Berg: Stadtbad Oderberger Straße öffnet wieder
25. January 2016
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Schwimmbad in Berlin - Prenzlauer Berg: Stadtbad Oderberger Straße öffnet wieder

Stadtbad Oderberger 30 Jahre lang verfiel die frühere Badeanstalt. Jetzt hat dort ein Hotel eröffnet, im Oktober folgt das sanierte Schwimmbad.

Stadtbad Oderberger 30 Jahre lang verfiel die frühere Badeanstalt. Jetzt hat dort ein Hotel eröffnet, im Oktober folgt das sanierte Schwimmbad.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Als Sarah Olney-Fraser und Freya Lauersen vor einigen Tagen zum ersten Mal das Stadtbad Oderberger Straße betraten, seien sie sehr beeindruckt gewesen, erzählen die beiden 18-Jährigen. „It’s so cool! And so old!“, sagen sie. Die Freundinnen aus Australien besuchen einen Deutsch-Crashkurs am der GLS-Sprachenzentrum in Prenzlauer Berg. Jedes Jahr lernen dort etwa 6600 Kursteilnehmer aus über 100 Nationen Deutsch, die meisten wohnen auf dem Campus.

Neustart ohne Feier

Die zwei Australierinnen gehören jetzt zu den ersten Sprachschülern, die im soeben fertig sanierten Stadtbad Oderberger Straße wohnen. Der 114 Jahre alte Bau, von Ludwig Hoffmann einst als Volksbadeanstalt errichtet, ist jetzt ein Hotel. Neugierige Anwohner, die das Bad in den vergangenen drei Jahrzehnten nur als verfallenes Gebäude wahrgenommen haben, reagieren ganz erstaunt, seit Bauplanen nicht mehr die geputzte Sandsteinfassade verdecken: Hat das Stadtbad wieder geöffnet?, fragen sie und bekommen an jedem Dienstag um 17 Uhr eine historische Führung durch das Haus.

Ja und Nein. Tatsächlich hat die Geschäftsführerin des benachbarten GLS-Sprachenzentrums Barbara Jaeschke – ihr gehört seit 2011 auch das Stadtbad – das denkmalgeschützte Gebäude in den vergangenen vier Jahren aufwendig sanieren lassen: mit großer Liebe zu Details und Respekt vor den baulichen Leistungen Hoffmanns. Nun ist die Sanierung beendet. Doch während die Chefin im Vorjahr noch Gäste und Politiker zur feierlichen Inbetriebnahme des Öko-Blockheizkraftwerkes einlud, geschah die Eröffnung des Hotels nun stillschweigend und ohne Spektakel. „Wir haben ohne Feier eröffnet“, sagt Barbara Jaeschke. Dabei hätte sie wahrlich allen Grund dazu gehabt.

Denn mit der stillen Öffnung des Hauses endet die 30-jährige Geschichte des Niedergangs des einst so prunkvollen Bades im Renaissance-Stil. Drei Jahrzehnte lang war es der Berliner Stadtpolitik nicht gelungen, das Gebäude vor dem Verfall zu schützen und zu sanieren – weder im Magistrat noch im Senat. Erst scheiterte eine Genossenschaft, später die Stiftung Denkmalschutz. Erst Barbara Jaeschke, die zuvor die frühere Grundschule in der Kastanienallee zum Sprachenzentrum samt Restaurant, Konferenz- und Seminarräumen umgebaut hatte, beendete 2011 die andauernde Debatte über die Zukunft des Stadtbades. Sie kaufte das Stadtbad und legte konkrete Pläne vor. 18 Millionen Euro kostete die Sanierung.

Im Gebäude wurden 70 Hotelzimmer auf Vier-Sterne-Niveau eingerichtet. Ein Drittel der Zimmer wird an Kursteilnehmer vergeben, die anderen buchen Geschäftsleute und Touristen. 20 Tagungs- und Konferenzräume sind hinzugekommen, im Mai eröffnet ein Restaurant für gehobene deutsche Küche. Im gesamten Gebäude haben Bauarbeiter und Restauratoren so viel wie möglich Inventar aus der alten Zeit der Badeanstalt erhalten. Das frühere Kassenhaus gehört jetzt zur Bibliothek, die massiven Holztische darin standen schon zu Hoffmanns Zeiten im Bad.

Die grünen Holztüren mit verrosteten Beschlägen aus den Dusch- und Baderäume sind in die neu gezogenen Wände eingelassen und mit Glasscheiben geschützt. Keine Kachel, keine Fliese kam abhanden, sie blieben an Wänden (inklusive Seifenhalter!) oder wurden etwa zum Bau der Rezeption verwendet. „Die alten Sachen haben ihren Wert“, sagt Barbara Jaeschke.

In der Schwimmhalle sind die Bauarbeiter jetzt mit den letzten Erledigungen beschäftigt. Am 15. Oktober soll das Schwimmbad mit Sauna- und Wellnessbereich wiedereröffnen, an fünf Tagen in der Woche wird es dann, abwechselnd am Vor- oder Nachmittag, vier bis sechs Stunden lang für Gäste und Anwohner geöffnet sein. Die Preise orientieren sich an denen der Berliner Bäderbetriebe. Für Veranstaltungen im Bad wird der Boden des Schwimmbeckens gehoben. „Das Stadtbad wird ein Juwel“, sagt Barbara Jaeschke und spricht von „besinnlichem Schwimmen“. Auf den langen Fluren des Bades wird eine Ausstellung an die Geschichte des Bades erinnern, auch an den 2003 verstorbenen Aktivisten der Stadtbad-Genossenschaft, Bernd Holtfreter.