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Schwul-lesbische Erotik-Geschichte: Neue Ausstellung „Porn That Way“ im Schwulen Museum

Männer: In zeitgenössischen Filmen wie „All American Jocks“ geht es zu Beginn wenigstens noch sauber-romantisch zu.

Männer: In zeitgenössischen Filmen wie „All American Jocks“ geht es zu Beginn wenigstens noch sauber-romantisch zu.

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Schwules Museum

Mit einer gehörigen Verwirrung der Sinne fängt alles an: Gleich am Eingang zur Ausstellung hängt das große Aktposter von einem, der beinahe aussieht wie ein ganzer Kerl, mit kahlem Schädel, muskulösem Oberkörper, Schnäuzer, Tattoos – und einer Vagina. Buck Angel ist ein Star der Pornoszene, weltweit bekannt mit einer eigenen Filmserie als „man with a pussy“.

Dann aber geht es ruhiger weiter in der Ausstellung, die „Porn That Way“ heißt und einen Gang durch die Historie der erotischen Bilder und pornografischen Filme für Lesben und Schwule versucht. Die frühe Zeit wird kurz gestreift, von den griechischen Vasen über die Zeichnungen und Postkarten im viktorianischen Zeitalter bis hin zu den „stag films“ aus den Anfängen des Kinos: Kleine Filme mit nackten Frauen, die in Bordellen gezeigt wurden als Muntermacher für die männlichen Gäste.

Berechtigte Befürchtungen

Anschließend fällt die Geschichte auseinander. Während man bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren in den USA von einer relativ weiten Verbreitung erotischer Bilder für schwule Männer – zumeist geölte Ringerkörper und Bodybuilder beim Training – sprechen kann, ist von Vergleichbarem für lesbische Frauen noch lange nicht die Rede. Die Ausstellung mogelt sich an diesem Dilemma vorbei. „Wir haben uns um Ausgeglichenheit bemüht“, erklären die Kuratoren Patsy Henze, Laura Meritt, Kevin Clark und Sarah Schaschek, entsprechend quotiert sind Themen und Exponate. Wohl wissend, dass die Pornografie im Alltag schwuler Männer eine ungleich größere Rolle spielt als für Frauen, dass Konsumverhalten und Produktionszahlen auf schwuler Seite keinerlei Entsprechung finden auf weiblicher Seite.

Mögliche Gründe für diese Diskrepanz bleiben nicht unerwähnt: „Lesbische Frauen haben immer auch darüber gestritten, ob sexuelle Darstellungen des weiblichen Körpers Missbrauch seien.“ Und: „Ihre Angst, durch das pornografische Bild zum Objekt gemacht zu werden, zeigt den konfliktreichen gesellschaftlichen Umgang mit weiblicher Lust.“

Dass die Frauen richtig lagen mit ihren Befürchtungen zeigt sich gegen Ende der 1960er-Jahre, zu Beginn der Pornoindustrie. In den westlichen Ländern tauchen massenhaft pornografische Filme auf, für homo-, wie für heterosexuelle Menschen, wobei Sexualität unter Frauen ausschließlich voyeuristisch inszeniert wird für heterosexuelle Männer.

Parallel dazu startet für schwule Männer der Siegeszug des Hardcorepornos. Mit den ersten Erfolgen einer westlichen schwulen Emanzipationsbewegung gibt es kein Halten mehr in der homo-sexuellen Vermarktung. Alles ist möglich, unterschiedliche Filmfiguren treten auf den Plan, Boys und Sportler, Studenten und ganze Kerle. Zelebriert wird das goldene Zeitalter der Promiskuität, zementiert werden bis heute gültige Standards im filmischen Ablauf mannmännlicher Sexualität: Küssen, blasen, Analverkehr, Samenerguss.

Die Zeit der ersten selbstbestimmten Darstellungen lesbischer Sexualität lässt nicht lange auf sich warten, eingebettet in einen politischen Zusammenhang. Lesben versuchen sich an eigenen Produktionen, wie mit dem Film „Airport“, gedreht in den Toiletten des Flughafens Tegel, nachdem die Macherinnen sich eine Drehgenehmigung erschlichen hatten auf Briefpapier der TU, mit dem gefakten Verweis auf ein Seminar zur Videotechnologie.

Was also auf lesbischer Seite noch deutlich aussieht wie eine subversive Aktion, entwickelt sich bei den schwulen Konsumenten inzwischen zum knallharten Kommerz. Der aber nach dem ersten Aids-Schock noch einmal seine Oberfläche verändert. Darsteller erscheinen jetzt unbehaart, gesund und ansteckungsfrei, jeglicher Austausch von Körperflüssigkeiten fehlt, die Räume der Inszenierungen sind klinisch sauber, Safer Sex heißt das Programm. Das aber konnte so nicht bleiben.

Das Internet hat neue Freiheiten gebracht und neue Verfügbarkeiten, jede Spielart findet hier ihre Plattform, Pornodarsteller werden zu Szene-Stars, und ihre Filme werden nicht mehr moralisch beurteilt, sondern als ästhetisches Produkt diskutiert.

Nachdem verwackelte Amateurfilmchen die Bedürfnisse der Zuschauer nach Authentizität befriedigten, soll jetzt der romantische Porno dran sein, professionell inszeniert mit viel Gefühl. „Porn That Way“ ist ein voller Erfolg, mehr als 6000 Besucher kamen, seit die Ausstellung im Dezember in diese weltweit einmaligen Institution „Schwules Museum“, die 1985 – damals am Kreuzberger Mehringdamm – eröffnet wurde. Allein an jedem der meist besuchten Samstage drängen sich die Besucher vor den über 600 Exponaten zum Thema Pornografie.

„Porn That Way“, bis 17. Mai, Schwules Museum, Lützowstraße 73, täglich von 14–18 Uhr, Sonnabend 14–19 Uhr, Dienstag geschlossen. Eintritt 7,50 Euro