blz_logo12,9

Seen-Kauf: Teures Wasser

Viele Brandenburger Seen gehören, wie hier der Hammersee im Schlaubetal, zu den beliebten Ausflugszielen.

Viele Brandenburger Seen gehören, wie hier der Hammersee im Schlaubetal, zu den beliebten Ausflugszielen.

Foto:

dpa

Potsdam -

Das Geschäft ist so gut wie gelaufen, nur das Wichtigste - der Preis - steht noch nicht fest. Das Land Brandenburg wird wohl noch in diesem Jahr außerplanmäßig eine gehörige Summe Geld auftreiben müssen, um all jene Seen kaufen zu können, deren Eigentumsverhältnisse bislang noch nicht klar geregelt sind. Es ist ein Paket von etwa 140 Seen, die einst DDR-Volkseigentum waren und die dann von der Treuhandanstalt an den Bund gingen. „Die Phase der Sondierungsgespräche ist abgeschlossen“, sagte der Sprecher des Potsdamer Infrastrukturministeriums, Jens-Uwe Schade, am Freitag. „Nächste Woche kommt es bei der Grünen Woche zum ersten Verkaufsgespräch. Doch es ist zu früh, von einem Durchbruch zu sprechen.“

Bis zu 6,5 Millionen Euro

Das Land will unbedingt kaufen, um zu verhindern, dass Privatinvestoren die Gewässer übernehmen und dann die Erholungssuchenden möglicherweise nicht mehr an die begehrten Seen lassen. Der Bund ließ die Seen jahrelang von seiner Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) zum Verkauf anbieten.

Doch dann passierte das, womit niemand gerechnet hatte: Da eigentlich nur die reine Wasserfläche verkauft wird, dachten alle, dass mit Seebesitz kaum große Geschäfte zu machen sind. Es gibt nur etwas Pacht vom Fischer oder vom Schwimmbad. Dann aber kaufte ein Investor den auch bei Ausflüglern sehr beliebten Wandlitzsee und verlangte von der Gemeinde 60.000 Euro für die weitere Nutzung der kommunalen Badestelle und mehrere tausend Euro von hunderten Stegbesitzern. Der Trick: Der See war über die Jahrzehnte kleiner geworden als in den Grundbüchern vermerkt - nun standen die Stege auf dem Land des neuen Besitzers.

Unklar ist, wie viel Geld der Bund für die 140 Seen verlangt. „Zur Zeit laufen Verhandlungen, die abzuwarten sind“, sagte die BVVG-Sprecherin Constanze Fiedler. Die BVVG verweist aber ausdrücklich auf die bereits erzielte Einigung mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern. So dürfte es um maximal 6,5 Millionen Euro gehen. Das ergibt sich aus dem Hektarpreis für die bereits verkauften Seen im Norden.

Eigentlich wollten Brandenburg und sein Nachbarland gemeinsam mit dem Bund verhandeln, weil sie über mehr als 90 Prozent der zum Verkauf stehenden einst volkseigenen Seen verfügen. Doch Schwerin scherte im vergangenen Sommer aus, weil das brisante Thema noch vor der dortigen Landtagswahl vom Tisch sollte. Insgesamt 38 Gewässer mit 1 580 Hektar gingen für 1,83 Millionen Euro an das Bundesland. Umgerechnet auf die maximal 5 686 Hektar in Brandenburg ergibt sich ein Preis von 6,5 Millionen Euro.

Widerstand vom BUND

Brandenburg hat nun sogenannte Steckbriefe mit der exakten Größe der Seen anfertigen lassen. Um den Preis zu drücken, wird hart verhandelt, welche Seen tatsächlich gekauft werden müssen. Denn die meisten sind eher Angelgewässer und touristisch nicht attraktiv. Bis zum Sommer könnten die Verhandlungen wohl abgeschlossen sein.

„Wir wollen nicht, dass die Seen dann vom Land an die Kommunen gehen“, sagte Carsten Preuß vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der vor zwei Jahren eine Petition gegen die Seenprivatisierung initiierte und dem Bundestag 110.000 Protestunterschriften übergab. „Das Land will die Seen wieder los werden, um die Folgekosten los zu werden.“ Doch kleine Orte könnten mit der Erhaltung und Pflege eines großen Sees überfordert sein, wenn etwa Sanierungsmaßnahmen bei schlechter Wasserqualität nötig sind oder Umweltsünder ihren Müll im See entsorgen.

So wie alle anderen Gewässer im Landesbesitz sollten auch die Neuerwerbungen unter die Aufsicht des Landesumweltamtes gestellt werden. „Wenn das Land die Seen unbedingt an die Kommunen übertragen will, dann nur kostenlos, weil das Land dann viele Folgekosten spart.“ Außerdem müsse vom Land festgeschrieben werden, dass die Kommunen die Seen nicht weiter verkaufen dürfen, um ihre Haushalte zu sanieren.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?