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Semesterstart in Berlin: Studentin bekommt auf 80 Wohnungsanfragen nur eine Antwort

Paula Maschke ist zum Studium nach Berlin gekommen. Sie übernachtet zurzeit beim Bruder.

Paula Maschke ist zum Studium nach Berlin gekommen. Sie übernachtet zurzeit beim Bruder.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Eigentlich müsste sich Paula Maschke auf ihr Studium vorbereiten. Am ersten Oktober hat das Wintersemester und damit ihr Studium in Berlin begonnen. Für sie heißt es nun: Kurse wählen, Einführungsveranstaltungen besuchen und sich an der für sie noch unbekannten Universität zurechtfinden.

Stattdessen aber ist die 18-Jährige vor allem in Onlineportalen zur WG-Suche unterwegs, verschickt Anfragen an Wohngemeinschaften, aktualisiert ihr Gesuch und hofft, am Ende doch noch schnell ein Zimmer in Berlin zu finden. „Mit der Uni muss es nebenher irgendwie klappen“, sagt die aus der Nähe von Gießen stammende Erstsemestrige. „Die Wohnungssuche hat gerade einfach Priorität.“

Die verlief bisher wenig erfolgreich. Über 80 Anfragen hat sie mittlerweile verschickt. Gerade einmal eine Antwort bekam sie darauf. Auch auf ihr Gesuch hin erhielt sie nur vereinzelt Rückmeldungen – und die meist von deutlich älteren Männern, die schnell durchblicken ließen, dass es ihnen um mehr als eine neue Mitbewohnerin ging. „Das ist einfach enttäuschend“, sagt die angehende Philosophiestudentin. „Ich suche jetzt schon sehr lange, doch es ist extrem schwer etwas zu finden.“

Wie Paula Maschke ergeht es zurzeit vielen jungen Erstsemestern in Berlin. Das Abitur geschafft, einer der begehrten Studienplätze ist ergattert, doch plötzlich wird die Wohnungssuche zum schier unüberwindbaren Hindernis.

Überfüllte Wohnheime

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft geht zum Wintersemester erneut von leicht steigenden Erstsemesterzahlen an den Berliner Hochschulen aus. Erwartet werden um die 26.000 Studienanfänger. Darunter sind voraussichtlich mehr als 16.000 Erstsemester, die wie Paula Maschke für das Studium neu nach Berlin ziehen – und auf dem angespannten Wohnungsmarkt händeringend nach einem Zimmer suchen.

Viele der neuen Studierenden versuchen daher, zunächst in einem Studentenwohnheim unterzukommen. Diese sind jedoch komplett belegt, wie auch Paula Maschke erfahren musste, die erst einen Platz in einem Studentenwohnheim suchte: „Für drei Heime habe ich mich beworben. Doch eines hatte sechs Monate Wartezeit, das zweite zwölf und das dritte 36 Monate. In der Zeit bin ich mit dem Studium auch schon wieder fertig.“

Auf die Warteliste hat sie sich trotzdem setzen lassen. Chancen, so noch einen der Wohnheimplätze des Studentenwerks zu bekommen, hat sie kaum. „Zum Wintersemester warten über 2000 Studenten auf einen Platz in einem unserer Wohnheime“, sagt Jürgen Morgenstern vom Berliner Studentenwerk. Er spricht von einem „ganz deutlichen Anstieg“. Bis vor fünf Jahren hätte es überhaupt keine Warteliste gegeben. „Mittlerweile wächst die Liste um bis zu 600 Wartenden pro Jahr.“

Kaum besser sieht die Situation bei privaten Wohnheim- und Apartmentanbietern für Studenten aus. Fast überall lautet die Antwort: „komplett ausgebucht“.

Mittlerweile hat das Problem auch der Senat erkannt. Bisher bietet von öffentlicher Seite lediglich das Berliner Studentenwerk knapp 9400 Wohnheimplätze an. Ende Juli beschloss der Senat, bis 2020 mindestens 5000 zusätzliche Wohnplätze für Studierende zu schaffen. Diese sollen vor allem durch die städtischen Wohnungsbaugesellschaften und die stadteigene Immobilienagentur Berlinovo errichtet werden. In einem ersten Projekt plant die der Senatsverwaltung für Finanzen unterstellte Berlinovo 140 Appartements in der Storkower Straße. Im Frühjahr 2016 soll Baubeginn sein. Die Eröffnung ist zum Sommersemester 2017 geplant.

So lange kann Paula Maschke nicht warten. Zurzeit lebt sie nur aus dem Koffer. „Ich schlafe jetzt erst einmal zwei Wochen auf der Couch von meinem Bruder.“ Der wohnt schon in Berlin. Sein kleines Zimmer kann er aber nur begrenzte Zeit mit seiner Schwester teilen. Wie es danach für sie weitergeht? Sie weiß es noch nicht. „Ich hoffe, dass ich bis dahin etwas gefunden habe. Das alles macht mir wirklich Angst.“



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