18.01.2012

Senat kontert Ramsauers Vorschlag: Berlin bekennt sich zu Marx und Engels

Von Uwe Aulich
Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) will das Marx-Engels-Denkmal aus der Berliner Stadtmitte verbannen. Der Bau des Humboldt-Forums in Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses solle genutzt werden, um das gesamte Umfeld neu zu gestalten.
Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) will das Marx-Engels-Denkmal aus der Berliner Stadtmitte verbannen. Der Bau des Humboldt-Forums in Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses solle genutzt werden, um das gesamte Umfeld neu zu gestalten.
Foto: dapd
Berlin –  

Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) will das Marx-Engels-Denkmal aus der Stadtmitte verbannen und scheitert grandios.

Das Denkmal für die beiden Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels wird auch künftig im Forum zwischen der Spandauer Straße und der Spree in Stadtzentrum stehen. Das bekräftigte am Mittwoch Michael Müller (SPD), Senator für Stadtentwicklung. „Das Denkmal ist ein historisches Zeitdokument und gehört zur Geschichte Berlins. Das will keiner wegstellen, auch nicht auf den Friedhof nach Friedrichsfelde“, sagte Müllers Sprecherin Petra Rohland.

Damit konterte der Berliner Senat einen Vorstoß von Bundesbauminister Peter Ramsauer. Der CSU-Politiker aus Bayern, der für das Areal nicht zuständig ist, hatte vorgeschlagen, das Marx-Engels-Denkmal aus dem Berliner Stadtzentrum zu verbannen und in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Friedhof Friedrichsfelde aufzustellen. Nach Ansicht von Ramsauer gehört das Denkmal dort eher hin, zumal der Friedhof „so eine Art sozialistisches Reste-Zentrum“ sei. Zugleich plädierte er im Zusammenhang mit dem Neubau des Humboldt-Forums in Gestalt des alten Stadtschlosses dafür, auch das gesamte Umfeld neu zu gestalten.

"Erstaunliche Geschichtsversessenheit"

Mit seiner spontanen Äußerung hat Ramsauer eine Debatte um das 1986 errichtete Marx-Engels-Denkmal entfacht. Stadtentwicklungssenator Müller zeigte sich davon überrascht. „Ein Vorschlag, das Marx-Engels-Denkmal nach Friedrichsfelde umzusetzen, ist ebenso erstaunlich wie er geschichtsvergessen ist“, sagte er. Berlin sei eine aufgeschlossene Metropole, hier würden auch Schloss und Denkmal nebeneinander passen. Zur Gestaltung des Umfelds am Schloss wird es laut Müller noch im Sommer einen Wettbewerb geben. Das Humboldt-Forum wird im Mai 2019 eröffnet.

Marx und Engels

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Für das Marx-Engels-Forum selbst, das bis 2019 von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) als Baustelleneinrichtung für die Verlängerung der U-Bahnlinie 5 genutzt wird, gibt es noch keine Planungen. Der Senat besteht anders als bisher nicht mehr darauf, dass das Bronze-Denkmal zusammen mit acht Stelen und weiteren Kunstwerken im Original wieder aufgebaut wird. Dazu hatte sich die BVG verpflichtet, als sie 2010 das Denkmal für die Zeit des U-Bahnbaus in die nordwestliche Ecke der Grünanlage versetzt hatte. Zur Gestaltung des Rathausforums am Fernsehturm samt Marx-Engels-Forum werde es einen öffentlichen Diskussionsprozess geben, so Rohland. „Wie das Marx-Engels-Denkmal in das Rathausforum integriert und ob es eins zu eins wieder aufgestellt wird, ist noch nicht entschieden.“

Auch von der Opposition im Abgeordnetenhaus wurde Ramsauers Vorstoß zurückgewiesen. Linke-Fraktionschef Udo Wolf etwa sprach von „geschichtslosen Fantasien“ Ramsauers, das Marx-Engels-Denkmal gehöre zur Stadtmitte wie Rotes Rathaus und Fernsehturm. Stadtentwicklungsexpertin Antje Kapek (Grüne) empfahl dem Bundesminister, Bayern sollte sich nicht in die Berliner Politik einmischen.

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