blz_logo12,9

Sexuelle Vielfalt in Berlin: In Mitte gibt es jetzt Unisextoiletten

Getrennte Toiletten oder Unisextoiletten - das ist hier die Frage.

Getrennte Toiletten oder Unisextoiletten - das ist hier die Frage.

Foto:

picture alliance / dpa

Wer jetzt sagt: "Sowas gibt's auch nur in Berlin", der hat recht. In den Clubs dieser Stadt gehören Unisextoiletten schon seit geraumer Zeit zur Standardeinrichtung. Im Berghain gibt es ja nicht einmal Spiegel, als würden einem die Clubbetreiber sagen wollen: Vergiss mal schön, was dein Äußeres da draußen zu sagen hat. Hier drinnen interessiert sich keiner dafür.

Und in einer Kreuzberger Bar hat ein findiger Innenarchitekt gerade die Light-Variante der Unisextoilette eingebaut: Herren- und Damenklo, Wand an Wand, verbunden durch eine Art Durchreiche am Waschbecken samt durchscheinendem Spiegel darüber, sodass man sich beim Händewaschen angucken und anfassen kann. Nur: Das erleichtert zwar die Kontaktaufnahme, löst aber nicht das entscheidende Problem. Für eine Tür muss man sich immer noch entscheiden.

Für die meisten mag das eine Banalität sein, für Menschen, die Inter- oder Transsexuell sind, kann das oft zu einer großen Herausforderung werden.

Der WC-Besuch ein Spießrutenlauf

Dagegen gehen nun schon seit einiger Zeit die Berliner Piraten vor. Und dabei geht es ihnen nicht um die Toilettengepflogenheiten der Berliner Nachtmenschen, sondern um die Inter- und Transsexuellen, für die etwas schnödes wie der WC-Besuch im Alltag zum Spießrutenlauf werden kann.

In den Bezirksverordnetenversammlungen von Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte waren sie schon erfolgreich: Ihre Anträge, prüfen zu lassen, in welchen öffentlichen Gebäuden Unisex-Toiletten eingerichtet werden können, wurden mit den Stimmen von Grüne, SPD und Linke angenommen. In drei Rathäusern in Mitte gibt es die Unisextoiletten nun, der Bezirk habe den Beschluss der Bezirksverordneten "sehr gerne" umgesetzt, heißt es. Kommenden Dienstag wird Bezirksbürgermeister Christian Hankem (SPD) die Unisextoilette persönlich eröffnen.

Zu erkennen ist sie an einem Piktogramm mit Mann und Frau an der Tür, die Einrichtung unterscheidet sich nicht von anderen Toiletten. Um die Mitarbeiter der Behörde nicht zu verwirren, erklärt aber ein Schild, was es mit Unisex auf sich hat: für alle Geschlechter geeignet.

"Gute Schritte beim Thema sexuelle Vielfalt"

Am Mittwoch wurde ein Antrag der Piraten dafür im Frauenausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert. Das Jugendnetzwerk Lambda, das sich für junge Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle einsetzt, wurde angehört, die Abgeordneten sahen sich einen Kurzfilm an, den Lambda über genau die alltäglichen Problemen gedreht hat, die die Unisextoiletten jetzt beheben sollen.

Der Pirat Fabio Reinhardt, der an der Sitzung teilnahm, berichtete hinterher, dass ihr Antrag fraktionsübergreifend als sinnvoll erachtet wird.

Selbst der CDU-Abgeordnete Niels Korte habe von seinen positiven Erfahrungen mit Unisextoiletten berichtet. Korte unterrichtet als Lehrbeauftragter an der Alice-Salomon-Fachhochschule, wo es bereits Unisextoiletten gibt.

In Kreuzberg hatte die CDU noch gegen die geschlechtsneutralen WCs gestimmt.

"Wir sehen gute Schritte beim Thema sexuelle Vielfalt", sagte Fabio Reinhardt der Berliner Zeitung. "Gesellschaftliche Toleranz aber kann man am Ende nicht per Parlamentsmehrheit herstellen." Im November wird über den Antrag der Piraten abgestimmt.