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Berliner Zeitung | Sicherheit auf U-Bahnhöfen: "Zug hätte auch bei Schrittgeschwindigkeit nicht bremsen können"
21. January 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23472584
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Sicherheit auf U-Bahnhöfen: "Zug hätte auch bei Schrittgeschwindigkeit nicht bremsen können"

Eine U-Bahn fährt in den U-Bahnhof Lichtenberg ein.

Eine U-Bahn fährt in den U-Bahnhof Lichtenberg ein.

Foto:

imago

Es passiert sehr selten, dass Fahrgäste vor einfahrende U-Bahnen geschubst werden. Aber es gibt immer wieder Fälle, dass etwa ein Betrunkener ins Gleisbett stürzt, oder jemand bei einer Prügelei auf die Schienen gerät. Nicht zu vergessen, Lebensmüde, die einen Suizid begehen. Verhindern ließen sich solche Fälle kaum, heißt es bei der BVG.

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In Paris und in Kyoto gibt es Bahnsteige, die durch Wände von den Gleisen getrennt sind. Auch in St.Petersburg, Turin oder Seoul ist das so. Erst wenn die Türen des Zuges aufgehen, öffnen sich die Türen in den Wänden. Dies betrifft aber nur U-Bahn-Linien mit fahrerlosen Zügen. „In Berlin wäre das eine Milliardeninvestition“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Wir müssten die über 100 Jahre alte U-Bahn neu bauen.“ Zudem gebe es derzeit verschiedene Zugbreiten.

Andere Städte sind kein Vorbild

Und wenn die U-Bahnen langsamer in die Bahnhöfe einfahren würden? „Die Züge fahren schon langsam“, sagt Reetz. „Die Kollegin hätte den Zug wegen seines hohen Eigengewichtes auch nicht bremsen können, wenn er Schrittgeschwindigkeit gefahren wäre“, sagte Reetz zu dem aktuellen Fall.

Beim Fahrgastverband IGEB sieht man das ähnlich. Der Vorfall am Dienstag sei schrecklich, sagt Sprecher Jens Wieseke. Aber Sicherungssysteme mit Bahnsteigtüren seien baulich auf vielen alten Berliner Bahnhöfen nicht machbar. Auch künftige U-Bahnhöfe könnte man nicht damit ausstatten, da verschiedene Bahnen mit verschiedenen Türabständen fahren. Denkbar wäre, das Gleisbett mit Sensoren zu überwachen, wie es in Nürnberg der Fall sei. Dort halten die fahrerlosen Bahnen automatisch, wenn die Laser registrieren, dass etwas aufs Gleisbett fällt. „Wenn aber jemand in letzter Sekunde aufs Gleis stürzt, hilft das auch nicht mehr.“

Mehr Personal auf den Bahnhöfen würde die Sicherheit generell erhöhen, sagt Wieseke. Aber es sei keine Garantie, dass nichts passiert. Der beste Rat sei immer noch, einen Mindestabstand von ein bis eineinhalb Meter zur Bahnsteigkante einzuhalten. „Doch ein Restrisiko bleibt.“