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Sicherheitsmängel am Forschungsreaktor Wannsee: Radioaktivität für ganz Berlin

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Nützlich für die Wissenschaft, potenziell gefährlich für die Umgebung: der Forschungsreaktor BER II in Wannsee.
Nützlich für die Wissenschaft, potenziell gefährlich für die Umgebung: der Forschungsreaktor BER II in Wannsee.
Foto: Christian Schroth
Berlin –  

Die Reaktorsicherheitskommission hat ihren Bericht über den Forschungsreaktor in Wannsee vorgelegt. Daraus geht Alarmierendes hervor: Der Reaktor ist nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert und könnte in einem solchen Falle für alle Berliner zur Gefahr werden.

Wenn ein vollgetanktes Flugzeug in Schönefeld startet, auf seiner Route unweit des Forschungsreaktors BER II in Wannsee in Turbulenzen gerät, auf den Reaktor stürzt und eine Kernschmelze auslöst, dann dürften nicht nur die Anwohner, sondern vermutlich alle Berliner etwas von der freiwerdenden Radioaktivität abbekommen.

Das ergibt sich aus dem jetzt veröffentlichten Bericht der Reaktorsicherheitskommission (RSK). Darin heißt es, dass Treibstoffbrände während der Freisetzung von radioaktiven Stoffen „wegen des thermischen Auftriebs zu größeren Freisetzungshöhen “ führen. Dies habe eine niedrigere Strahlenbelastung im Umkreis des Reaktors zur Folge. Im Umkehrschluss bedeutet diese Aussage der RSK aber auch, dass die Radioaktivität mit dem vorherrschenden Westwind weit über das Stadtgebiet verteilt würde. Die RSK empfiehlt, die für den Reaktor vorgesehenen Brandbekämpfungsmaßnahmen mit Blick auf Treibstoffbrände nach Absturz eines großen Flugzeuges zu überprüfen.

Brandschutzkonzept sollte erneuert werden

Das Expertengremium bekam nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima vom Bundesumweltministerium den Auftrag, neben den Atomkraftwerken auch die drei deutschen Forschungsreaktoren in Berlin, Mainz und München auf ihre „Robustheit“ zu überprüfen. Es kam zu dem Schluss, dass nur der Forschungsreaktor FRM II in München durch eine Betonkuppel gegen Abstürze gesichert ist, nicht aber die in Mainz und Berlin. Dies sei nicht neu, teilte die zuständige Senatsumweltverwaltung mit. Sie hat nach Fukushima bereits einen eigenen „Stresstest“ des Wannsee-Reaktors durchgeführt, den die Helmholtz-Gesellschaft für die Materialforschung nutzt. Ein Absturz wurde dem sogenannten Restrisikobereich zugeordnet, weil die Wahrscheinlichkeit in der Größenordnung von einmal pro zehn Millionen Jahren liege, teilte die Verwaltung mit.

Generell empfiehlt die RSK, das Brandschutzkonzept zu aktualisieren. Es habe sich seit Inbetriebnahme nicht grundlegend verändert. Moniert wird auch, dass ein Notfallhandbuch für den BER II „derzeit nicht, oder nicht in dem zu erwartenden Umfang vorliegt“. In dem Handbuch sollte den Experten zufolge auch die Einspeisung von Kühlwasser in das Reaktorbecken nach einem Unfall präzisiert werden, um eine Kernschmelze durch Verlust des Kühlwassers zu vermeiden.

Die Berliner Umweltverwaltung teilte mit, zu dieser Thematik gebe es bereits Überlegungen zur Umsetzung. Der Brandschutz in Wannsee sei umfangreich, unter anderem gebe es eine Betriebsfeuerwehr. Die der RSK vorliegenden Unterlagen und Nachweise hätten aber offensichtlich nicht genügt, um diesbezüglich alle Zweifel auszuräumen.

Insgesamt würden die Stellungnahme der RSK und die darin formulierten Empfehlungen durch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde in den kommenden Wochen geprüft.

Die RSK hat ihre Erkenntnisse nicht durch eigene Beobachtungen vor Ort, sondern durch Studium der Akten der Berliner Behörde und des von ihr beauftragten TÜV gewonnen.

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