03.02.2012

Snooker-Turnier: Stille. Klick. Plopp.

Von Patrick Härtel und Elmar Schütze
„Ronnie, come on.“ Als Ronnie O’Sullivans Kugeln zu Beginn nicht so wollten wie er, munterten ihn die Fans auf. Mit Erfolg: Er kam eine Runde weiter.
„Ronnie, come on.“ Als Ronnie O’Sullivans Kugeln zu Beginn nicht so wollten wie er, munterten ihn die Fans auf. Mit Erfolg: Er kam eine Runde weiter.
Foto: dapd
Berlin –  

Bei den German Masters im Tempodrom tritt die Snooker-Weltspitze an. Auch der britische Superstar Ronnie O’Sullivan ist dabei. 20.000 Menschen wollen dabei zugucken. Das Spiel ist für die Könner durchaus lukrativ: Es winken 280.000 Euro Preisgeld.

Ja, er ist da.“ Kaum hat der Hallensprecher am Donnerstagnachmittag die vier Worte gesagt, tobt das Publikum. Er, das ist Ronnie O’Sullivan, 36 Jahre alt, Brite, 6 Millionen Pfund Karrierepreisgeld, und wenn nicht mehr der allerbeste, so doch der charismatischste Snooker-Spieler der Welt. Nun tritt er an bei den German Masters im Tempodrom, einem Turnier inklusive der 16 weltbesten Spieler. O’Sullivans Teilnahme ist eine kleine Sensation, voriges Jahr hatte er ohne Begründung geschwänzt. Wenn seine Kugel in die Tasche fällt, jubeln die mehrere Hundert Zuschauer, wenn nicht, stöhnen sie laut auf.

German Masters:

Tempodrom, Möckernstr. 10, Kreuzberg.

Bis So tägl. zwei Sessions (ab 14 Uhr bzw. 20.30 Uhr),

ab 17,85  Euro.

Karten auch im Ticketshop des Berliner Verlags, Karl-Liebknecht-Str. 29, in Mitte,

Tel. 01805/23 27 00.

Seit Mittwoch geht es so in dem Betonzelt am Anhalter Bahnhof: Stille. Leises Klick, die Kugel rollt. Leises Plopp, sie fällt in eine der sechs Taschen. Klatschen. Dann wieder Stille. Ein leises Klick ... Bis Sonntag noch spielen elegant gekleidete Herren in Dinnerhemd, Weste und Fliege an fünf Tischen gleichzeitig. Das ist anfangs etwas verwirrend, doch bald kann man sich prima entspannen.

So geht das Klick und Plopp dahin, unterbrochen, wenn ein Schiedsrichter mit seinen weißen Handschuhen eine Kugel nimmt, sie poliert und wieder an die richtige Stelle auf den Tisch legt. Es muss immer erst eine rote und dann eine andersfarbige Kugel eingelocht werden, die andersfarbige kommt zurück an ihren Platz. Alles wirkt sehr stilvoll, sehr ernsthaft, sehr britisch. Mehr Kontemplation geht nicht.

Doch dann ist da Jacqueline. „Das ist einfach unglaublich“, sagt sie enthusiastisch. Die 20-Jährige ist mit einer Freundin morgens um fünf in Hannover losgefahren, um dabei zu sein. Vor lauter Aufregung hätten sie die ganze Nacht nicht geschlafen. Noch am Abend soll es wieder zurück gehen. Sowas machen Mädchen ihres Alters für Popkonzerte. Aber für Snooker?

280.000 Euro Preisgeld

Ja, tatsächlich. Unglaublich findet die Abiturientin, dass „wir hier unseren Idolen so nahe sein können. Den Spielern, die wir bewundern.“ Dass man sich mit ihnen fotografieren lassen kann. Sie schwärmt von der Eleganz einiger und schimpft auf „die jungen, die einfach nur so draufknallen“. Dass man sich so konzentrieren könne, etwas so vorausschauend planen könne, so genau in den Bewegungen sein könne, das sei faszinierend.

Seit einigen Jahren boomt die Billard-Variante hierzulande. Der Spartensender Eurosport hat das Spiel mit den 21 farbigen kleinen Kugeln auf dem grünbespannten riesigen Tisch aus Großbritannien importiert. Nicht nur die Freundinnen aus Hannover sind durchs Fernsehen auf Snooker gekommen.

        

Was fürs Auge: Lauter elegante Herren wuseln im Tempodrom um fünf große grüne Tische herum.
Was fürs Auge: Lauter elegante Herren wuseln im Tempodrom um fünf große grüne Tische herum.
Foto: dapd

Zum Beispiel Helga und Reinhard Kuske, 62 und 61, aus Potsdam: Sie sei hier der Fan, sagt Reinhard. Und tatsächlich rattert Helga die Anlässe runter, zu denen sie Snooker schaut. Es sind viele. Ihr gefällt das Auftreten der Spieler, dieses Gentlemanhafte.

Doch nicht nur die Fernsehleidenschaft eint die Besucher, auch die Tatsache, dass sie selber das Spiel gar nicht spielen. „Das könnte ich nicht“, ist ein Standardsatz.

Dabei ist das Spiel für Könner durchaus lukrativ. Im Tempodrom spielen seit Mittwoch 38 Spieler um 280.000 Euro Preisgeld. Das German Masters findet im zweiten Jahr in Berlin statt und gilt als bestbesuchter Termin der Tour. Voriges Jahr kamen fast 14 000 Besucher. Auch jetzt sind die Plätze für die Finaltage bereits rar. Mit 20.000 Zuschauern rechnet der Veranstalter diesmal.

Paul Davison, Platz 85 der Weltrangliste, ein Engländer, steht am Donnerstagnachmittag im Foyer. „Ich bin das erste Mal in Berlin dabei. Die Atmosphäre ist fantastisch. Obwohl Snooker bei euch nicht so bekannt ist wie bei uns, ist die Halle voll. Das ist großartig.“ Sagt’s und trinkt weiter sein Bier. Soll er, Davison ist am Mittag ausgeschieden.

Ronnie O’Sullivan hat im ersten Spiel 0:4 zurückgelegen, plötzlich steht es 4:4, am Ende siegt er 5:4. Das Publikum rast. Das Turnier ist gerettet, der Besucherrekord auch.

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