06.01.2012

Sonderausschuss: Bloß keine Geheminisse

Von Thomas Rogalla
        

Beim Berliner Wasser ist längst nicht alles klar. Ein Sonderausschuss des Abgeordnetenhauses soll für mehr Transparenz sorgen.
Beim Berliner Wasser ist längst nicht alles klar. Ein Sonderausschuss des Abgeordnetenhauses soll für mehr Transparenz sorgen.
Foto: Berliner Wasserbetriebe
Bei den Ausschusssitzungen ist sie außen vor: Die Bürgerinitiative Aufruf zum Volkentscheid hatte die Offenlegung der Berliner Wasserverträge auf den Weg gebracht.
Bei den Ausschusssitzungen ist sie außen vor: Die Bürgerinitiative "Aufruf zum Volkentscheid" hatte die Offenlegung der Berliner Wasserverträge auf den Weg gebracht.
Foto: dpa
Berlin –  

Der Sonderausschuss des Abgeordnetenhauses will die Berliner Wasserverträge grundsätzlich öffentlich prüfen. Das entschied das Gremium bei seiner Auftaktsitzung am Freitag. Ein Rederecht für interessierte Bürger lehnte der Ausschuss jedoch ab.

Schon optisch sah man der Sitzung zur Konstituierung des „Sonderausschusses Wasserverträge“ an, dass hier ein neues Kapitel parlamentarischer Arbeit aufgeschlagen wurde: Vorn saßen luftig verteilt die neun Ausschussmitglieder der Fraktionen, hinten im Raum drängten sich gut 60 Bürger, oft Aktivisten des Berliner Wassertischs und anderer Initiativen. Sie hatten den erfolgreichen Volksentscheid zur Offenlegung der Verträge zwischen Senat und privaten Anteilseignern an den Wasserbetrieben wesentlich organisiert, rund 650 000 Berliner hatten über das erste „Volksgesetz“ abgestimmt. Ziel des Gesetzes ist vor allem die vollständige Offenlegung etwaiger Geheimverträge zum Berliner Wasser.

Die Wasserbetriebe und ihr Teilverkauf

Die Berliner Wasserbetriebe sind der größte Wasserversorger Deutschlands. 1999 verkaufte das Land je 24,95 Prozent der Anteile an die Investoren RWE und Veolia und strich dafür 3,3 Milliarden D-Mark (rund 1,69 Mrd Euro) ein.

Das Land gab die Führung des Unternehmens ab, obwohl es weiterhin 50,1 Prozent der Anteile hält. Zudem garantiert der Vertrag den beiden privaten Anteilseignern hohe Renditen.

Seit 1999 kassierten sie über 1,3 Milliarden Euro Gewinn - mehr als es ihrem 49,9-Prozent-Anteil entspräche. Inzwischen will das Land RWE seine Anteile wieder abkaufen und verhandelt über Änderungen an den Verträgen.

Jetzt müssen es die Parlamentarier umsetzen. Das erwies sich bereits bei den Formalien als nicht so einfach. Heidi Kosche (Grüne) verlangte unter Hinweis auf das Volksgesetz, dass nun die Bürger auch Rederecht im Sonderausschuss bekommen sollen. Die Piratenfraktion forderte unter dem Applaus der Besucher, alle Dokumente müssten öffentlich sein, nichtöffentliche Sitzungen dürfe es nicht geben.

Bei den Ausschusssitzungen ist sie außen vor: Die Bürgerinitiative Aufruf zum Volkentscheid hatte die Offenlegung der Berliner Wasserverträge auf den Weg gebracht.
Bei den Ausschusssitzungen ist sie außen vor: Die Bürgerinitiative "Aufruf zum Volkentscheid" hatte die Offenlegung der Berliner Wasserverträge auf den Weg gebracht.
Foto: dpa

Das hielten aber nicht nur CDU und SPD, sondern auch Klaus Lederer (Linkspartei) für problematisch: Zwar sei auch er für größtmögliche Offenheit, aber eine bedingungslose Offenlegung im Ausschuss könne den Senat davon abhalten, Dokumente zur Verfügung zu stellen. Der Ausschuss, den der CDU-Abgeordnete Claudio Jupe leitet, beschloss, dass das Gremium „grundsätzlich“ öffentlich tagt. Möglichst bald sollen Vertreter der Initiativen angehört werden, ihre Expertise sei wichtig.

Aufstand der ohnmächtigen Bürger

Berliner Bürger wehren sich zunehmend gegen Entscheidungen von „oben“, die sie nicht mittragen wollen. Dafür gab es in der letzten Zeit eine Reihe von Beispielen:

Auch die SPD stimmte dafür, den Parlamentspräsidenten um Geld für die Ausschussarbeit zu bitten, was CDU und SPD bislang ablehnten. Eine gute Ausstattung sei unabdingbar, wenn der Ausschuss bei der Materialfülle tragfähige, eigene Positionen erarbeiten wolle, sagte Lederer.

Abgeordneter Gerwald Claus-Brunner von der Piratenpartei verlangte, der Senat müsse offenlegen, was er derzeit mit den privaten Firmen über die Änderung der Wasserverträge verhandele. Zur Sitzordnung schlug der Pirat vor, man solle zwischen den Abgeordneten „die Luft rauslassen“, um mehr Raum für die Bürger zu gewinnen.

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