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Sozialsenator Czaja zu Flüchtlingen in Berlin: Die Menschen brauchen unsere Nächstenliebe

Die Gerhart-Hauptmann-Schule im August 2014. Berlins Probleme im Umgang mit den Flüchtlingen ist seitdem nicht kleiner geworden.

Die Gerhart-Hauptmann-Schule im August 2014. Berlins Probleme im Umgang mit den Flüchtlingen ist seitdem nicht kleiner geworden.

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dpa

Berlin -

Um alle Menschen unterzubringen, sind Containerdörfer unverzichtbar, sagt Sozialsenator Mario Czaja. Der CDU-Politiker räumt ein, dass nicht jeder Standort optimal ist. Er appelliert an die Bevölkerung, den Flüchtlingen mit Nächstenliebe zu begegnen.

Herr Czaja, Bezirksbürgermeister protestieren gegen die geplanten Standorte für die Containerdörfer, weil bestehende Unterkünfte für Flüchtlinge in der Nähe sind. Gab es keine geeigneteren Gegenden?

Wir haben vom Liegenschaftsfonds 20 Grundstücke angeboten bekommen und geprüft, ob sie für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sind. Das betraf bauliche Fragen wie Mindestgröße oder Erschließung. Wir wollten aber auch Standorte in Bezirken auswählen, die bislang weniger Flüchtlinge aufgenommen haben als andere Bezirke. Schule, Kita, Straßenbahn oder Bus und vielleicht sogar eine Apotheke sollten in der Nähe sein.

Im Ergebnis erfüllt nicht jedes Grundstück alle Kriterien, wie wir uns das gewünscht haben. Am Osteweg in Lichterfelde etwa gibt es in der Nähe ein kleineres Flüchtlingsheim mit 250 Plätzen. Das ist auch in Treptow-Köpenick ähnlich. Die neuen Unterkünfte müssen aber in einem Wohn- oder Mischgebiet stehen, denn Anbindung an die Infrastruktur ist wichtig. Wir haben das im Übrigen nicht allein entschieden, auch Mitarbeiter der Senatsstadtentwicklungsverwaltung und des Liegenschaftsfonds waren beteiligt.

Wie schwer war es, die Liegenschaften zu beschaffen?

Seit Ende des Jahres 2011 haben wir in Berlin 35 Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen. Die ohnehin angespannte Situation auf dem Immobilienmarkt macht es immer schwieriger, landeseigene Grundstücke zu finden, die erschlossen sind und die genannten Kriterien erfüllen.

Haben die Bezirke Sie unterstützt?

Ja. Vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf haben wir beispielsweise ein Grundstück am Ostpreußendamm in Lichterfelde angeboten bekommen.

Das ist ja nicht so viel.

Moment. Die Bezirke können hier nicht aus dem Vollen schöpfen, da sie in den letzten Jahren viele freie Grundstücke an den Liegenschaftsfonds übertragen haben. Dazu kommt, dass natürlich auch die Bezirke direkt mit den Sorgen und Ängsten der Anwohner konfrontiert werden. Diese Sorgen lassen sich aber durch eine transparente Darstellung der nächsten Schritte ausräumen. Mit den Containerdörfern eröffnen wir erstmals nicht nur eine Einrichtung, sondern sechs Standorte in kürzester Zeit. Eine professionelle Öffentlichkeits- und Bürgerarbeit ist daher besonders wichtig.

Uns ist bewusst, dass die Wohncontainer Fragen, aber auch Befürchtungen auslösen können. Wir haben den Stadtteilzentren in der Umgebung daher zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, damit diese Fragen frühzeitig transparent beantwortet und die Anwohner zeitnah informiert werden, aber auch das ehrenamtliche Engagement gut koordiniert wird. Mit diesen Mitteln kann auch eine Willkommenskultur entwickelt werden.

Wie sieht es mit der Einschulung der Flüchtlingskinder aus?

Wir sind in enger Abstimmung mit der Bildungsverwaltung, um Willkommensklassen für Flüchtlingskinder einzurichten. Wenn das in den Schulen zunächst nicht möglich ist, kann Unterricht auch in den Gemeinschaftsräumen der Unterkünfte erteilt werden. Auch der Besuch einer Kita oder die medizinische Versorgung sind Herausforderungen, die im Wohnumfeld gelöst werden müssen.

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