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Sozialwohnungen in Friedrichshain: Deal im Szenekiez

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Im Karree zwischen Boxhagener Straße, Holtei- und Weserstraße in Friedrichshain entsteht ein neues Wohnquartier.
Im Karree zwischen Boxhagener Straße, Holtei- und Weserstraße in Friedrichshain entsteht ein neues Wohnquartier.
Foto: dapd
Berlin –  

In Friedrichshain zwischen Boxhagener Straße, Holtei- und Weserstraße entsteht ein Quartier mit 550 Wohnungen. Als Eigentum und zur Miete. Dazu zwei Stadtplätze, Läden und Cafés. Ein Teil ist für sozial Schwache reserviert.

Das gab es so noch nicht in Berlin. Dass ein Investor Sozialwohnungen baut, ohne jede staatliche Subvention. Was für ihn nichts anderes bedeutet als Verzicht auf Gewinn, denn Sozialwohnungen erbringen erheblich weniger Miete und damit Gewinn als andere. Doch so ganz freiwillig macht das Unternehmen Bauwert das nicht.

Bauwert entwickelt im Karree zwischen Boxhagener Straße, Holtei- und Weserstraße in Friedrichshain ein neues Wohnquartier. Auf einem Areal, auf dem bis vor kurzem noch Spezialdichtungen für die Autoindustrie gefertigt wurden, sollen etwa 550 Wohnungen entstehen. Als Eigentum und zur Miete. Dazu zwei Stadtplätze, Läden und Cafés. Ein Grundstück für eine Kita überlässt der Investor dem Bezirk kostenlos.

Zehn Prozent der Mietwohnungen sind für Haushalte mit geringem Einkommen reserviert. 5,50 Euro pro Quadratmeter beträgt dort die Miete, etwa die Hälfte dessen, was in den anderen Wohnungen verlangt wird. Und was notwendig ist, um wirtschaftlich zu bauen, sagt Bauwert-Chef Jürgen Leibfried: „Billiger bauen ist unmöglich.“

Der Bezirk, so Leibfried, habe ihn derart bearbeitet, „das war nicht normal“. Leibfried klingt, als sei er noch immer erstaunt über seine Zustimmung. Immerhin verlöre er so etwa vier Millionen Euro. Sein Unternehmen wird es verschmerzen. Bauwert ist an vielen Orten in der Stadt tätig. Meist mit noblen Projekten. Die Rosengärten in Wilmersdorf oder die luxuriösen Kronprinzengärten in Mitte sind Bauwert-Projekte.

Was hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg also getan, um dem Investor die Subventionierung preiswerter Wohnungen schmackhaft zu machen? Bürgermeister Franz Schulz von den Grünen spricht ungern von Zwang. Das sei ein hässliches Wort, sagt er. Man habe dem Investor klargemacht, dass er „kein Anrecht auf die von ihm gewünschte Art der Bebauung“ habe.

Denn für das Grundstück, das Bauwert vor zwei Jahren kaufte, gab es schon eine Planung. Ein kleines Einkaufszentrum mit Parkplatz und einige Wohnungen waren dort vorgesehen. Bauwert wollte aber etwas Schöneres: „Wir wollen den Kiez weiterentwickeln und aufwerten.“ Jetzt soll es ausschließlich Wohnungen geben und viel Grün. Ein Einkaufszentrum sei dort nicht nötig.

Grafik: Rita Böttcher/Berliner Zeitung

Preiswerte Wohnungen werden dort dringend benötigt. Friedrichshain-Kreuzberg ist nach Pankow der am stärksten wachsende Bezirk in Berlin. Rund um den Traveplatz und das Ostkreuz hat sich die Einwohnerschaft seit 1995 verdreifacht. „Normalverdiener können sich dort kaum noch Wohnungen leisten“, sagt Rolf Tramp vom örtlichen Bürgerverein. Familien und Alleinerziehende fänden längst nichts Bezahlbares mehr. Tramp: „Zehn Prozent preiswerte Wohnungen sind da ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immer noch besser als wie bisher jede Lücke nur mit teuren Eigentumswohnungen zuzubauen.“

Bürgermeister Schulz kündigte an, die preiswerten Wohnungen übers Wohnungsamt des Bezirks zu vergeben. „Die Mieten müssen dauerhaft niedrig bleiben, sodass auch Hartz-IV-Bezieher Anspruch auf die Wohnungen haben.“ Schulz will ab sofort bei allen Bauherren diese Zehn-Prozent-Regel erreichen.

Auch in anderen Bezirken wird das Wohnungsproblem angegangen. In Lichtenberg hat das Bezirksamt ein Bündnis mit acht Wohnungsunternehmen geschlossen, nach dem ebenfalls zehn Prozent der neuen Wohnungen für sozial Schwache vorgesehen sind. Ähnliches ist auch in Mitte geplant.

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