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SPD-Chef Jan Stöß: Olympische Spiele nicht um jeden Preis

Im Urlaub hat Jan Stöß unter anderem Marseille besucht. Auch in Südfrankreich schwärmen alle von Berlin, sagt der SPD-Chef.

Im Urlaub hat Jan Stöß unter anderem Marseille besucht. Auch in Südfrankreich schwärmen alle von Berlin, sagt der SPD-Chef.

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Berliner Zeitung/Christian Schulz

Als sein Gast das Vorsitzendenbüro in der Müllerstraße betritt, blättert Jan Stöß gerade in einer Boulevardzeitung. Die hat sich einen Spaß erlaubt und ihn in einer viel zu weiten Jeans mit Hosenträgern abgebildet. Der SPD-Chef lächelt etwas gequält, etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Schließlich hat er die Karikatur selber verursacht. Auf die Frage, was er 2014 noch vorhabe, hatte Stöß geantwortet: Abnehmen! Diesmal soll es eher um sein politisches Gewicht gehen, etwa um die Frage, ob er Nachfolger des Regierenden Bürgermeisters werden will. Das Verhältnis zu Klaus Wowereit gilt als schwierig, seit Stöß Mitte 2012 dessen langjährigen Vertrauten Michael Müller aus dem Amt jagte.

Herr Stöß, die SPD steckt seit Monaten im Umfragetief. Woran liegt das?

Es wird Sie nicht wundern, dass ich die SPD für unterbewertet halte. Wir sind es, die in der Stadt die Akzente setzen. Deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass es bald wieder aufwärts geht.

Wie wollen Sie das schaffen?

Mit den besten Ideen für die Stadt. Wir wollen die Berlinerinnen und Berliner von unserer Politik überzeugen.

Beim Tempelhof-Volksentscheid ist das misslungen.

Das stimmt leider, und deshalb haben wir uns auch Gedanken darüber gemacht, warum es so gekommen ist.

Und?

Offenkundig empfinden viele das Wachstum der Stadt noch nicht als Chance, sondern als Bedrohung. Wir wollen dafür sorgen und das auch deutlich vermitteln, dass alle Berliner etwas von der positiven Entwicklung haben. Wir müssen auch Politik für jene machen, die schon hier sind, also stärker in die soziale Infrastruktur und die Lebensqualität investieren und für stabile Bestandsmieten sorgen.

Im Senat gab es zuletzt viel Streit, die CDU distanziert sich zunehmend vom Koalitionspartner. Hat die SPD ein Profilierungsproblem?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dies die richtige Koalition zu richtigen Zeit ist. Wir sind angetreten, das Wachstum der Stadt sozial zu gestalten, durch die Schaffung von mehr Wohnraum und mehr Arbeitsplätzen. Das Gemeinsame muss und wird nach der Sommerpause wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Die CDU hat kein Problem damit, die SPD offen zu kritisieren. Von Ihnen hört man da wenig. Sind Sie mit CDU-Chef Frank Henkel zufrieden?

Mir ist vor allem wichtig, dass die Erfolge der Koalition sich sehen lassen können: Wir haben das stärkste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer, wir haben Haushaltsüberschüsse, wir tilgen Schulden – das alles ist doch nichts, wofür man sich entschuldigen müsste. Im Gegenteil, darauf kann man stolz sein. Dass Berlin gut dasteht, ist das Ergebnis harter Arbeit der Menschen, die hier leben und auch von der richtigen Politik. Politik der SPD.

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