23.02.2012

Spielfilm „Die Angsthasen“: Alle sind so traurig

Von Stefan Strauss
Wer bin ich, wer will ich sein? Diese und andere Fragen des  Lebens stellt sich Nora  in dem Episodenfilm „Die Angsthasen“. Antworten sind nicht in Sicht.
Wer bin ich, wer will ich sein? Diese und andere Fragen des Lebens stellt sich Nora in dem Episodenfilm „Die Angsthasen“. Antworten sind nicht in Sicht.
Foto: Laura Hegewald
Berlin –  

Wer sind wir, wer wollen wir sein? Der 20-jährige Max Hegewald hat seinen zweiten Film produziert. Die Jugendlichen darin haben Angst vor dem Erwachsenwerden.

Es gibt eine Szene, die ist krass. Die Mutter kommt morgens ins Bad, sie sieht völlig zerstört aus, will nicht zur Arbeit, nimmt Tabletten, wird sich gleich wieder hinlegen. Neben ihr steht ihre Tochter und schminkt sich. Ein Streit beginnt, es geht um Geld. Mutter: „Du hast doch alles, was du brauchst, oder?“ Tochter: „Eltern wären vielleicht nicht schlecht.“ Mutter: „Du warst sowieso nicht geplant. Kleiner Kalkulationsfehler.“ Tochter: „Schlaf gut, Mama.“

Im Spielfilm „Die Angsthasen“ gibt es einige solcher Dialoge. Sie zeigen das gestörte Verhältnis zwischen heranwachsenden Jugendlichen und ihren Eltern. Es ist ein klassischer Generationskonflikt, den die Jugendlichen da mit ihren 40- bis 50-jährigen Eltern auskämpfen oder, besser gesagt, oft gesprächslos und distanziert aushalten. So etwas kennt man schon aus anderen Filmen. Doch dass die Erwachsenen in diesem Episodenfilm dermaßen schlecht wegkommen, als hilflose und bemitleidenswerte Wesen im Umgang mit ihren Kindern dagestellt werden, liegt vor allem an den Schauspielern und ihrem Regisseur Max Hegewald.

Max Hegewald, Regisseur.
Max Hegewald, Regisseur.
Foto: Laura Hegewald

Sie alle waren 17 und 18 Jahre alt, als sie vor zwei Jahren mit den Dreharbeiten begannen, sich gemeinsam Szene für Szene erarbeiteten, allein, ohne Einfluss von Erwachsenen, ohne Filmförderung. Regisseur Hegewald engagierte Schauspieler für die Rollen der Eltern, doch eine intakte Familie kommt in dem Film nicht vor, es gibt nur entweder Mutter oder Vater. Es ist ein Film über das Erwachsenwerden, ein trauriger.

Wer sind wir? Wer wollen wir sein?

„Im Stück geht es um die Ängste und Probleme der Heranwachsenden, die um die Fragen kreisen: Wer sind wir, wer wollen wir sein? Was macht unsere Generation aus, und wovor habe ich Angst?“, sagt Regisseur Max Hegewald. Er war 16 Jahre, als er sein Theaterstück „Die Angsthasen“ zum ersten Mal aufführte. Schauspieler waren Freunde und Klassenkameraden vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Prenzlauer Berg.

Nach den Aufführungen hatten sie die Idee, dem Theaterstück einen Film folgen zu lassen. Nach der Schule drehte Max Hegewald, er benutzte nur eine Handkamera. Die jungen Schauspieler entwickelten ihre Rolle eigenständig weiter, eine Mischung aus eigenem Erleben und ihrer Gedankenwelt. Angst, Zweifel und Misstrauen sind immer präsent. „Es ist die Furcht unserer Generation zu versagen, die Anforderungen der Erwachsenen nicht zu erfüllen, nichts zu erreichen“, sagt Max Hegewald.

Doch selbst untereinander fühlen sich die Jugendlichen unverstanden. „Wir haben so viele Meinungen in unserer Generation und keiner glaubt, was der andere glaubt. Wir sind uns so uneinig untereinander“, sagt Joanna im Film. Max Hegewald nennt das „radikalen Individualismus.“

Etwa 9.000 Euro hat seine Low-Budget-Produktion gekostet. Das Geld dafür verdient der 20-Jährige als Schauspieler in Filmen und Serien. 2010 produzierte er seinen ersten Film „Goldfische fliegen nicht“, 2011 erhielt er die Goldene Kamera als bester Nachwuchsschauspieler in dem Film „Der Mauerschütze.“ Max Hegewald sagt, seine Eltern hätten ihn immer unterstützt. Die Mutter ist Grafikerin, der Vater Maler. Der Film „Die Angsthasen“ hat noch keinen Kinoverleih, wird in diesem Jahr aber sicherlich auf einigen Filmfestivals zu sehen sein.

Premiere am 26. Februar, 20 Uhr, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Karten (8, erm. 6 Euro) unter 24 06 57 77

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