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Sprachförderung in Kitas: Wie Kinder Sprache richtig entdecken

Früh übt sich: Kinder in der Kita Sonnenblume lernen den Umgang mit der Sprache.

Früh übt sich: Kinder in der Kita Sonnenblume lernen den Umgang mit der Sprache.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Doritt Schädlich ist eine zupackende Frau, die gerne mit Menschen spricht. Da trifft es sich hervorragend, dass sie beruflich stellvertretende Leiterin der Weddinger Kita „Sonnenblume“ ist. Denn mit den Kindern in ihrer Kita-Gruppe soll sie ohnehin den ganzen Tag kommunizieren. Diese Kinder stammen zu 85 Prozent aus nichtdeutschen Familien und sollen in der Kita auch Sprachförderung erhalten. Denn ohne Sprachfähigkeit wird es nicht so gut laufen im Leben.

"Wir sind eigentlich die ganze Zeit dabei, mit den Kindern zu sprechen“, sagt Schädlich. Sprachförderung soll in den über 2000 Berliner Kitas vor allem „alltagsintegriert“ verlaufen. So steht es im Berliner Bildungsprogramm, dessen zehnjähriges Jubiläum in der vergangenen Woche gefeiert wurde und das rechtzeitig zu diesem Anlass überarbeitet worden ist.

Im Alltag lernen

Was aber heißt Sprachförderung konkret? Doritt Schädlich und die anderen Erzieherinnen beschreiben möglichst alles, was sie in der Kita machen. Wenn es darum geht, den Tisch einzudecken, fragt sie, wie viele Teller die Gruppe braucht. So lernen die Kinder, mit Zahlen umzugehen. Wenn sie sich die Jacken anziehen, um draußen auf dem Hinterhof zu spielen, fragt sie, welche Farbe die Jacke hat.

Blau zum Beispiel. Auf diese Weise lernen die Kinder ihre Umwelt zu benennen, denn nicht selten wird zu Hause wenig gesprochen, läuft vor allem der Fernseher, gibt es keine Familienausflüge in andere Gegenden. Bei den Einschulungsuntersuchungen zeigte sich zuletzt, dass 44 Prozent der Migrantenkinder Sprachdefizite haben. Bei den deutschstämmigen Berliner Vierjährigen waren es insgesamt acht Prozent. Wer länger als drei Jahre eine Kita besucht, hat weniger Sprachprobleme, auch wenn Spracharmut im Elternhaus nie ganz ausgeglichen werden kann. Das Bildungsprogramm empfiehlt den Erzieherinnen auch „Fehlerfreundlichkeit“. Schädlich korrigiert sprachliche Fehler der Kinder nicht streng, sagt stattdessen Sätze wie: „Ach, du meinst so und so“.

Alle Kita-Erzieherinnen müssen seit 2007 für jedes Kind ein Sprachlerntagebuch führen. In dem querformatigen Ringbuch werden die familiären Hintergründe des Kindes genauso festgehalten wie die Fortschritte beim Sprechen. Sogar Bildungsinterviews führen die Erzieherinnen mit den Kindern.

Kritik am Sprachlerntagebuch

Neuerdings wird ein kleiner Teil dieses Buches an die Grundschulen weitergereicht, um die Lehrer dort möglichst früh über den Förderbedarf zu informieren. Aber die nahe Grundschule wollte die Bücher gar nicht haben, berichtet Belgin Fidan, Leiterin der Sonnenblume-Kita etwas verärgert. Schon lange gibt es die Kritik, dass gerade die Sprache des Sprachlerntagebuches zu hochgestochen sei für viele Kinder.

Christa Preissing vom Kita-Institut für Qualitätsentwicklung will aus solcher Kritik Konsequenzen ziehen. Sie ist die Verantwortliche für das Bildungsprogramm und kündigt an, dass es eine neue Version des Sprachlerntagebuches geben wird, in der auch die Tagesmütter und -väter, die Kindergruppen zu Hause betreuen, berücksichtigt sind. Spätestens zum Sommer 2016 soll es erscheinen und dann hochformatig sein, wie vielfach gefordert, das sei handlicher.

Multikulturelles Lernen ist ebenfalls Bestandteil des Bildungsprogramms. Das wird auch in der Kita „Sonnenblume“ groß geschrieben. „Wir feiern die verschiedenen religiösen Feiertage“, sagt Kita-Leiterin Fidan. Sie kann mit Eltern auch Türkisch sprechen, Doritt Schädlich kann noch aus DDR-Zeiten Russisch. Damals gab es übrigens auch schon etwas, das an das Bildungsprogramm erinnerte. Bildungsplan hieß das.

Mehr Personal nötig

Unzufrieden sind viele Kita-Leiterinnen damit, dass sie gerade bei den Unter-Dreijährigen die ambitionierten Ziele der frühkindlichen Bildung nicht umsetzen können, weil nicht genug Personal da sei. Tatsächlich verweist auch die Bertelsmann-Stiftung darauf, dass dafür ein Erzieher auf drei Kleinkinder kommen müsste. Wie zum Beispiel in Bremen. In Berlin sind es aber tatsächlich gut doppelt so viele Kinder. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) machte nun klar, dass es hier Verbesserungen geben müsste, falls der Senat auch die Krippenbetreuung gebührenfrei stellen würde, was SPD-Fraktionschef Raed Saleh ins Gespräch gebracht hat.


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