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Berliner Zeitung | Spreebogen Berlin: Platte am Schiffbauerdamm kommt weg
14. March 2014
http://www.berliner-zeitung.de/1544450
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Spreebogen Berlin: Platte am Schiffbauerdamm kommt weg

Wenn dieser lange Block weg ist, kann die Bebauung am Spreebogen komplettiert und das Band des Bundes endlich vollendet werden.

Wenn dieser lange Block weg ist, kann die Bebauung am Spreebogen komplettiert und das Band des Bundes endlich vollendet werden.

Foto:

Kaufhold Reinhard

Vor dem Neubau kommt der Abriss. Nachdem bereits vor fünf Jahren ein Wettbewerb für den östlichen Luisenblock am Schiffbauerdamm entschieden wurde, nehmen Bund und Land jetzt die Gestaltung dieses Bereichs im Parlaments- und Regierungsviertel in Mitte in Angriff. Damit will der Bund die Bebauung am Spreebogen komplettieren und sein Band des Bundes mit Kanzleramt und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus vollenden. Um Platz zu machen, werden jetzt nach Informationen der Berliner Zeitung große Teile eines DDR-Plattenbaus am Schiffbauerdamm abgerissen.

Baubeginn ist 2016

Die meisten Büros von Bundesbehörden aber auch Filmproduktionsfirmen, Anwälten und Initiativen in den Plattenbauten sind verwaist. Auf den langen Fluren stehen die innen mit Leder verkleideten Türen offen. Neben einem altertümlich wirkenden Fahrstuhl im DDR-Design hat jemand eine vertrocknete Palme abgestellt. Kein Zweifel – das Haus ist abrissreif. Wie Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sagt, seien beim Bezirk im Februar insgesamt vier Abbruchanzeigen des Bundes eingegangen. Außer dem DDR-Plattenbau sollen auch mehrere Häuser entlang der S-Bahntrasse abgerissen werden.

Der riesige DDR-Plattenbau mit seiner Waschbetonfassade und den markanten, beigen und braunen Kacheln verschwindet aber nicht auf einen Schlag: Nur die Häuser Nummer 13 und 15 werden zunächst abgebrochen. Haus Nummer 17 bleibt vorerst stehen, es wird von der Verwaltung des Bundestages weiter genutzt. „Der Abriss ist jetzt erforderlich, weil der Senat eine neue Straße vom Schiffbauerdamm an der S-Bahntrasse entlang baut“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Für die Abbrucharbeiten, die im August beginnen sollen, ist auch noch das kommende Jahr vorgesehen. Erst 2016 und 2017 soll die Straße gebaut werden.

Zugleich wird der Schiffbauerdamm im Bereich der Luisenstraße wieder seinen historischen Straßenverlauf an der Spree erhalten. Dafür wurde bereits ein Relikt der Berliner Mauer beseitigt: In den vergangenen Wochen wurde das ehemalige Abfertigungsgebäude der DDR-Wasser-Grenzübergangsstelle an der Marschallbrücke abgerissen.

Während westlich der Luisenstraße schon das Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses für den Bundestag erweitert wird und der Rohbau steht, wird es auf dem angrenzenden Luisenblock noch ein paar Jahre dauern, bis dort neue Häuser errichtet werden. „Wir erarbeiten dafür jetzt den Bebauungsplan“, sagt Sprecherin Petra Rohland. Grundlage dafür sei die Planung von 2009.

Damals hatte das Berliner Architekturbüro Kusus + Kusus einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal gewonnen. Außer einem Neubau für die Bundestagsverwaltung mit einer anspruchsvollen, geschwungenen Form sollen entlang des Stadtbahnviadukts auch Wohnungen, Restaurants, Cafés sowie Büros entstehen. Also ein neues Viertel mit großzügigen Plätzen und breiten Wegen zwischen den Gebäuden. Bereits 1998 hatte der Bund das Gelände, das sich zwischen Luisenstraße und Bahnhof Friedrichstraße erstreckt, als Erweiterungsfläche für den Bundestag erworben.

Ursprünglich war das Areal die Zentralstation IV der Berliner Elektricitäts-Werke. Die erhaltenen, historischen Backsteingebäude mit Kesselhaus und Maschinenhalle werden langfristig vom TV-Sender RTL sowie der Nachrichtenagentur Reuters genutzt. Auch der Nachrichtensender n-tv produziert dort seine Hauptstadtsendungen. Von der Kusus-Planung ist der Medienstandort nicht betroffen, die Architekten haben die roten Gebäude in ihre Planung integriert.