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Stadion An der Alten Försterei: Einmal Unioner, immer Unioner

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Vor gut 30 Jahren half Dirk Thieme beim Aufschütten der Zuschauerränge im Stadion An der Alten Försterei. Heute ist der 50-jährige Bauingenieur der Chef der Stadionbetriebs-AG und somit verantwortlich für das Funktionieren des Stadions. Jetzt leitet er den Bau der neuen Haupttribüne.

An sein erstes Union-Spiel erinnert er sich noch genau: „Das war 1969, ich war sieben und Union gewann fünf zu null gegen Magdeburg“, sagt Dirk Thieme. Zehn Jahre später gehörte er zu jenen Unionfans, die im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick die Stehtribünen aufschütteten, so dass mehr Zuschauer Platz fanden. 2008/2009 war Thieme einer von gut 2000 Stadionbauern, die alle drei Stehplatzränge komplett neu errichteten.

Dirk Thieme war da der Fan-Vertreter im Aufsichtsrat des Vereins. Heute ist der 50-jährige Bauingenieur der Chef der Stadionbetriebs-AG und somit verantwortlich für das Funktionieren des Stadions. Seit Mitte 2012 leitet er dort auch den Bau der neuen Haupttribüne. Einmal Unioner, immer Unioner, dieser Satz passt in seinem Fall haargenau.

Der Chef Dirk Thieme vor einem der beheizbaren Ledersessel, die dann vor den VIP-Logen aufgestellt werden.
Der Chef Dirk Thieme vor einem der beheizbaren Ledersessel, die dann vor den VIP-Logen aufgestellt werden.
 Foto: BLZ/Markus Wächter

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die sich so gut auskennen im Stadion wie Dirk Thieme. Wo liegt die Gasleitung? Der hochgewachsene Thieme zeichnet spontan den Verlauf auf. Wohin müssen die Kabel? Thieme weist auf eine Stelle, die noch betoniert werden muss. Welches Fenster kommt wohin? Thieme erklärt den Weg. Er ist kein Typ, der schnell hektisch wird.

Ruhig versucht er, den Überblick zu behalten. Gerade jetzt, wo Bauleute aus sechs Gewerken herumwuseln. Ganz oben werden gerade die letzten sechs der insgesamt zwölf Dachträger montiert, zwei Etagen darunter schleppen Arbeiter Elemente von riesigen Fenstern in den Logen-Bereich. Im Erdgeschoss kauern Experten um schier unübersichtliche Kabelstränge herum.

„Der Rohbau liegt in den letzten Zügen, jetzt beginnen wir zeitgleich mit dem Innenausbau“, sagt Dirk Thieme. Dach und Fenster sind die sichtbaren Zeichen dafür, dass es vorangeht mit der Haupttribüne. Schon in diesem Sommer, nach nur einjähriger Bauzeit, soll alles fertig sein. Auf vier Etagen wird es dann 3557 Sitzplätze geben.

Dazu endlich moderne Umkleiden und sanitäre sowie medizinische Einrichtungen für die Fußballteams sowie ausreichend Arbeitsplätze für Schiedsrichter, Journalisten und Ordnungskräfte. Und natürlich angemessene Plätze für die VIPs und Sponsoren, ohne die heute kein Profiverein existieren kann. Für sie sind rund 1800 Sitzplätze reserviert.

Vor die 21 Logen, die für jeweils zehn Personen ausgestattet werden, kommen sogar beheizte Ledersessel. Beim Fußball sitzen und dann noch beheizt? Für Unioner, die Stehplätze zum unverzichtbaren Heiligtum erklären, ein Anachronismus. Thieme: „Die Fans verstehen, dass wir mit der Haupttribüne auch Geld verdienen müssen. Und wer viel Geld für eine Loge bezahlt, soll es dort auch schön haben.“ Wie viel Geld jährlich für so eine schicke Loge fällig wird, will er öffentlich nicht sagen. Man kann aber getrost vom Wert eines gut ausgestatteten BMW oder Mercedes ausgehen.

Die roten Klappsitze für die Tribüne werden in diesen Tagen geliefert. Arbeiter der Herstellerfirmen aus Polen und Nordrhein-Westfalen haben bereits rund 10.000 Löcher in die Betonstufen gebohrt, an denen sie dann alles befestigen. Das muss zügig gehen, denn zum Beginn der Zweitliga-Rückrunde Anfang Februar sollen auf der neuen Tribüne Zuschauer sitzen. Vorzeitige Inbetriebnahme heißt dies im Amtsdeutsch.

Die Sitze sind aber nur das eine, sagt Dirk Thieme: „Um das Okay vom Bauamt zu kriegen, müssen auch die Rettungswege beleuchtet, die Beschallung funktionstüchtig und die Geländer dran sein.“ So ruhig wie er alles aufzählt, was noch zu tun ist, kann man ziemlich sicher sein, dass es klappt.

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