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Stadtbild: Ein Kürzel geht um die Welt

Berlin -

Nicht auszudenken, wenn der Großflughafen BER pünktlich eröffnet worden wäre. Natürlich hätten die Berliner in Tegel dann schon zwei ruhige Sommer hinter sich, weil der Stadtflughafen in ihrem Bezirk dann ja Geschichte wäre. In Schönefeld würden seit Ende Oktober 2011 (ja, das war tatsächlich der erste geplante Starttermin des BER) Flugzeuge landen und starten wie an jedem anderen Großflughafen auch.

Im Terminal würden die Flugpassagiere mal länger und mal kürzer anstehen und ab und zu gäbe es mal Ärger mit dem Gepäck. Aber sonst? Alles langweilig, alles normal. Die gewissenhaften Deutschen hätten ein weiteres Großprojekt abgehakt. Musterschüler. Spaßverderber. Europa-Streber. Gott sei Dank ist es so weit nicht gekommen. Seit einem guten Jahr ist das Kürzel BER Projektionsfläche für Karikaturisten, Romanschreiber, Kabarettisten oder ganz normale Spaßvögel in und außerhalb des Internets.

Den amerikanischen Journalisten Tom Christie hat die neue deutsche Langsamkeit dazu veranlasst, ein Filmplakat etwas umzugestalten und daraus Postkarten zu machen, die er auf eigene Kosten drucken ließ. Der Krimi-Autor Jan Bergrath wollte eigentlich über Gentrifizierung schreiben. Dann kamen die Flughafen-Skandale und er siedelte seine Morde auf dem BER an. Sein Buch heißt „Fiktion.

Ein Roman über Mord, Sex und Literatur“ und ist im Berliner LZ-Verlag erschienen. Man muss gar nicht mal die früher übliche großspurige Berliner Art an den Tag legen, um zu behaupten, dass BER der berühmteste Flughafen der Welt ist. Jedenfalls unter den nicht eröffneten.

Jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit den Kosten. Die Eurokrise ist mindestens so teuer und macht viel weniger Spaß.