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Berliner Zeitung | Stadtbild: Laut sein lohnt sich doch
21. December 2012
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Stadtbild: Laut sein lohnt sich doch

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

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Paulus Ponizak

Berlin -

Ein Trend ist das noch nicht. Eine Angst geht um in Berlin. Die Angst, sich seine Wohnung nicht mehr leisten zu können. Die Angst, aus dem angestammten Kiez rauszumüssen, weil sich dieser rasend verändert. Je attraktiver Berlin für Investoren wird, desto teurer wird es. Das schien wie ein Naturgesetz, Kritik daran galt als unzeitgemäß.

Jahrelang hat der Senat die Entwicklung befördert und die Risiken ignoriert. Stattdessen wurde stets auf Negativ-Beispiele wie München oder Hamburg verwiesen, wo die Verdrängung noch krasser sein mag.

Doch mittlerweile tut sich was. Der Bausenator setzt sich für die Neuauflage des sozialen Wohnungsbaus ein, mit dem Ziel, auch bei Neubauten die Mieten im Rahmen des Mietspiegels zu halten. Die liegt bei neuen Wohnungen im 2011er-Mietspiegel bei 6,52 bis 8,19 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Angesichts der heute häufig aufgerufenen zehn Euro wäre dies immerhin ein Anfang.

Der Bezirk Pankow versucht der Luxussanierung von Altbauwohnungen einen Riegel vorzuschieben. So ist der Einbau eines zweiten Bades in Mietwohnungen verboten. Auf diese Weise sollen absurde Preissprünge verhindert – und die Alt-Bewohner vor gierigem Gewinnstreben geschützt werden. Auch was der Berliner Immobilien-Großunternehmer Klaus Groth mit seinem Bauvorhaben am Mauerpark plant, klingt interessant. Er will die Standards reduzieren und so die Mieten zwischen 7 und 8,50 Euro nettokalt halten.

Nun sollte niemand glauben, das alles sei schon die Trendwende. Die Beispiele sind aber Anzeichen dafür, dass es sich manchmal doch lohnt, sich aufzuregen. Aufzuregen über Entwicklungen, die vermeintlich naturgegeben sind.