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Stadtbild: Potemkin baut in Tegel

Es ist verwunderlich, wie viel Geld für das Provisorium Flughafen Tegel da ist, findet Gerold Büchner.

Es ist verwunderlich, wie viel Geld für das Provisorium Flughafen Tegel da ist, findet Gerold Büchner.

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dpa

Berlin -

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Torunn Akersveen Lied hat Pech gehabt. Für einen Augenblick nur durfte sich die Studentin aus Norwegen wichtig fühlen. Dazu reichte es, Ende 2012 in ein Flugzeug nach Oslo zu steigen: Die Norwegerin war im vorigen Jahr der 25-millionste Passagier am Himmel über Berlin. Ein Rekord und, na klar, „ein historischer Moment“, wie der damalige Chef aller Hauptstadtflughäfen stolz bemerkte.

Der Chef ist nun weg, Frau Akersveen Lied bekommt einen Freiflug, aber über ihren Rekord mag sich niemand mehr freuen. Denn der Flughafen Tegel, der die Hauptlast der BER-Verzögerung tragen muss, bricht darunter fast zusammen. Allein hier flogen 2012 mehr als 18 Millionen Menschen ab oder kamen an, dreimal so viele wie beim Bau vorgesehen. Dass Sanierungsarbeiten in Erwartung des nahen Endes unterblieben, macht sich überall bemerkbar. In Tegel zu investieren, ist daher weder Luxus noch Geldverschwendung, sondern schiere Notwendigkeit.

Dennoch bleibt angesichts der geplanten Maßnahmen und der Kosten ein bitterer Beigeschmack. Denn nicht die Sicherheit der Fluggäste wird verbessert – obwohl sie wegen der Überlastung akut gefährdet ist, wie eine leichte Kollision von zwei Maschinen auf dem Rollfeld kürzlich zeigte. Auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten spielen bei der Teilsanierung eine untergeordnete Rolle. Tegel soll vielmehr herausgeputzt werden: Neue Toiletten, geschrubbte Böden, etwas frische Farbe. Pure Kosmetik also – Berlin stellt Kulissen auf, um die Flughafen-Schmach zu verdecken.

Das kostet bis zu 50 Millionen Euro. Wenig vielleicht, wenn man die am BER vergeudeten Beträge zum Maßstab nimmt. Aber doch viel Geld für ein Provisorium, das wegen der Unfähigkeit von Planern und Bauherren in die Verlängerung muss. Für Straßensanierung stellt Berlin dieses Jahr gerade halb so viel bereit. Statt die eigene Sparsamkeit zu loben, sollte der Senat überlegen, ob er die Prioritäten richtig setzt. Der Norwegerin Torunn Akersveen Lied dürfte es egal sein, wie es bei ihrem Freiflug um den Sanitärbereich bestellt ist.


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