07.12.2011

Stadtbild: Viel zu tun für den neuen Senator

Berlin –  

Unser Autor Ulrich Paulsorgt sich um den sozialen Zusammenhalt der Stadt.

Eine bessere Vorlage für den neuen Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hätte es kaum geben können. Der am Dienstag vorgestellte Marktmonitor des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen beschreibt auf 185 Seiten recht treffend, wo die aktuellen Probleme der Stadt liegen. Eines der größten ist, dass der soziale Zusammenhalt der Stadt auf dem Spiel steht. Die Mieten in begehrten Wohnlagen steigen immer weiter an, ohne dass die Einkommen der dort lebenden Bewohner damit Schritt halten. Das führt zu Verdrängung. Manch ein Vertreter der Wohnungswirtschaft mag das böse Wort kaum in den Mund nehmen. Aber damit ist niemandem geholfen. Lösungen sind gefragt.

Mietrichtwerte erhöhen!

Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass sich Haushalte mit geringen Einkommen in bestimmten Gebieten Berlins konzentrieren. Zum Beispiel in Wedding, Moabit, in Teilen von Reinickendorf, Neukölln, Charlottenburg-Nord sowie in den Großsiedlungen in Spandau und in Marzahn-Hellersdorf. Nötig ist eine Strategie, um zu verhindern, dass hier soziale Ghettos entstehen.

Am sinnvollsten ist, zunächst dafür zu sorgen, dass die Nachschubwege für die Problemgebiete abgeschnitten werden. Es gilt deswegen alles Erdenkliche dafür zu tun, um Haushalte mit niedrigen Einkommen in ihren bisherigen Wohngebieten zu halten. Etwa dadurch, dass der Senat endlich die Mietrichtwerte für Haushalte erhöht, die Arbeitslosengeld 2 beziehen. Das würde immerhin verhindern, dass sich Mieter eine neue Wohnung suchen müssen, nur weil die Richtwerte nicht an die Mietsteigerungen angepasst wurden. Das kostet Geld, aber dieses Geld ist gut angelegt. Es ist am Ende sehr viel teurer, wenn die Allgemeinheit für die sozialen Folgekosten einstehen muss.

Friedrichshain-Kreuzberg
Die Mieten

Die Mieten in beliebten Wohnvierteln steigen immer mehr, wie der Marktmonitor 2011 des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) zeigt. Beim Abschluss neuer Verträge kassieren die Vermieter in Berlin im Schnitt 5,48 Euro je Quadratmeter (kalt). Charlottenburg-Wilmersdorf ist mit 6,21 Euro je Quadratmeter am teuersten. Auf Platz zwei folgt schon Friedrichshain-Kreuzberg mit einer Neuvertragsmiete von durchschnittlich 6 Euro je Quadratmeter. Am preisgünstigsten ist es noch in Marzahn-Hellersdorf, wo 4,78 Euro je Quadratmeter verlangt werden.

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