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Berliner Zeitung | Stadtbild zu sexistischer Werbung: Verbotene Hausfrauen
29. January 2014
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Stadtbild zu sexistischer Werbung: Verbotene Hausfrauen

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

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Foto:

Paulus Ponizak

Berlin -

Verbieten ist eigentlich im Moment streng verboten bei den Grünen (wg. Veggie-Day). In dem Antrag gegen „frauenfeindliche Außenwerbung“, den die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg jetzt in der BVV mit einbrachten, wimmelt es dagegen von Verbotsverben wie „untersagen“, „zurückweisen“, „verpflichten“ und „ausschließen“. Der heilige Furor fußt auf dem Besitz absoluter Wahrheit, denn die Antragsteller wissen genau, welche Geschlechter-Stereotypen „nachweislich falsch sind“.

Auf dieser Grundlage soll dann die Gleichstellungsstelle des Bezirks künftig entscheiden, welche Werbung als geschlechterpolitisch „abwertend“ einzustufen ist und untersagt wird. Dabei geht es nicht nur um Nacktheit auf Plakaten, sondern allen Ernstes auch um die Frage, ob die Darstellung einer Hausfrau eine untersagungswürdige Diskriminierung darstellt. So ähnlich geht es auch bei den Taliban zu oder in der päpstlichen Glaubenskongregation.

Dass Linke und Piraten und sogar die bezirkliche SPD, die gerade anlässlich des 150. Geburtstages der Partei über den Wert der Freiheit in einer Gesellschaft nachgedacht haben sollte, den Antrag unterstützen, macht die Zwangsbeglückung nicht besser. Dabei ist die Debatte über fragwürdige männliche und weibliche Rollenklischees längst weiter, als es aus Sicht des Kreuzberger Kiezes erscheint, wenn auch nicht aus genderpolitischen, sondern aus demographischen Gründen.

Die Männer werden knapp, deshalb versuchen Industrie, Mittelstand und Wissenschaft schon seit Jahren verzweifelt, Mädchen den Friseusen - oder Tierpflegerinnen-Traum auszureden und sie in die Technikfächer zu locken. Was kaum gelingt, weil es in den Spielwarenabteilungen weiter eine pinkfarbene Abteilung für Mädchen (Barbie, Pferde) und eine blaue (Technik, Abenteuer) für Jungs gibt. Das ist misslich, es kann aber nicht alles verboten werden. Deshalb empfiehlt sich eine dialogorientierte Politik. Die ist mühsamer, aber nachhaltiger.


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