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Berliner Zeitung | Stadtbild zum Kiehlsteg-Abriss: Zuhören, vom Kiehlsteg bis nach Tempelhof
18. March 2014
http://www.berliner-zeitung.de/3269640
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Stadtbild zum Kiehlsteg-Abriss: Zuhören, vom Kiehlsteg bis nach Tempelhof

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

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Paulus Ponizak

Wie sehr sollen sich die Berliner einmischen in die Entwicklung der Stadt? So sehr wie im äußersten Nordosten von Neukölln offenbar nicht. Dort kämpft seit voriger Woche eine Bürgerinitiative gegen den Abriss des Kiehlstegs einer kleinen Fußgängerbrücke über den Neuköllner Schiffahrtskanal. Der Steg, ein Provisorium aus Mauerzeiten, ist für sie sehr praktisch, sie kommen so schneller in den Park am südlichen Kanalufer.

Doch die Anwohner protestieren nicht nur, sie haben auch nachgerechnet – und kommen auf eine viel niedrigere Summe für die notwendige Sanierung als von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veranschlagt. Am Montag besetzten sie den Steg. Am Dienstag ließ die Senatsverwaltung sie von der Polizei wegtragen und die Zugänge zu der Brücke verschweißen.

Gut möglich, dass die Bürger falsch liegen mit ihrer Rechnung. Dennoch zeigt der Vorgang, wie die Behörde von Senator Michael Müller (SPD) tickt. Ob man vor der Räumung versucht habe, mit der Initiative ins Gespräch zu kommen? „Wir können den Kollegen nicht zumuten, sich mit den Bürgern auseinanderzusetzen“, lautet die Antwort von Sprecherin Petra Rohland.

Ende Mai stimmen die Berliner über die Zukunft des Tempelhofer Feldes ab. Es geht um die Frage, ob am Rand der riesigen Fläche gebaut werden soll. Es geht aber auch darum, wie die Menschen in dieser Stadt eingebunden werden, wenn es um wichtige Zukunftsfragen geht. Linke, Grüne und Piraten haben sich für mehr Bürgerbeteiligung bei der Planung eingesetzt – eine angemessene Forderung immerhin haben mehr als 185 000 Menschen für das Volksbegehren unterschrieben. CDU und SPD gingen bislang dennoch kaum darauf ein. Sie wollen sich nicht auseinandersetzen mit den Bürgern. Dafür könnten sie am 25. Mai die Quittung erhalten.