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Stadtentwicklung: Jetzt wird die Zukunft geplant

Stadtentwicklungssenator Müller entwirft ein neues Konzept, damit Berlin das Bevölkerungswachstum stemmen kann, das in den nächsten 16 Jahren auf die Stadt zukommt.

Stadtentwicklungssenator Müller entwirft ein neues Konzept, damit Berlin das Bevölkerungswachstum stemmen kann, das in den nächsten 16 Jahren auf die Stadt zukommt.

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dpa

Die Zahlen sind dramatisch. Berlin wächst laut der jüngsten Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2030 um rund 250.000 Einwohner. Das entspricht der Größe einer Stadt wie Braunschweig. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) bastelt jetzt an einem Konzept, um Berlin auf die Zukunft vorzubereiten. Es muss nicht nur neue Wohnungen geben, sondern zugleich mehr Schulen, Straßen und bessere Verkehrsverbindungen.

„Stadtentwicklungskonzept 2030“ heißt der Plan, der den Weg in diese Zukunft weisen soll. An diesem Freitag beginnen die Beratungen dazu bei einem Stadtforum im Deutschen Technikmuseum, im nächsten Jahr soll der Plan fertig sein. „Es ist der Versuch, ein ressortübergreifendes Leitbild zu entwerfen“, sagte Müller am Mittwoch zur Berliner Zeitung.

Soziale Durchmischung erhalten

Ziel des Stadtentwicklungssenators ist es, zum einen „bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die soziale Durchmischung langfristig zu erhalten“. Zum anderen will er auf das veränderte Mobilitätsverhalten reagieren und den Fuß- und Radverkehr sowie den öffentlichen Nahverkehr stärken. Denn der Anteil des Autoverkehrs geht zurück. Schließlich gehe es aber auch darum, über ein eigenes Stadtwerk für eine bezahlbare Energieversorgung zu sorgen, sagte Müller.

Auf den notwendigen Wohnungsneubau ist Berlin schon mal gut vorbereitet. In der Stadt gibt es Flächen für den Bau von rund 210.000 Wohnungen, wie aus einem Papier hervor geht, das Müller auf der Senatsklausur am Montag präsentierte. Nach Ansicht des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) ist der Bau von mindestens 150.000 Wohnungen notwendig, um den erwarteten Bevölkerungszuwachs zu bewältigen.

Das größte Flächenpotenzial findet sich auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof, auf dem rund 4 700 Wohnungen gebaut werden können. Auch der ehemalige Truppenübungsplatz der Amerikaner in Lichterfelde Süd, der Pankower Ortsteil Buch und das Gebiet der oberen Spree gehören zu den großen Flächenreserven.

Damit nicht nur neue Wohnungen für Besserverdienende gebaut werden, will Müller eine neue Wohnungsbauförderung einführen. Damit soll jährlich der Bau von 1 000 Wohnungen unterstützt werden. Ziel ist es, die Mieten auf einen Quadratmeterpreis von sechs Euro monatlich (kalt) zu drücken. Ohne Förderung kosten Neubauwohnungen zurzeit in der Regel mindestens acht bis zehn Euro je Quadratmeter (kalt). Die neue Wohnungsbauförderung, die als Baudarlehen mit 15-jähriger Laufzeit vergeben werden soll, würde nach Müllers Berechnungen für 1 000 Wohnungen 50 Millionen Euro kosten. Weitere 15 Millionen Euro, verteilt über 20 Jahre, wären für die 1 000 Wohnungen nötig, um die Miete auf sechs Euro je Quadratmeter zu drücken.

Abgestimmt wurde auf der Senatsklausur darüber noch nicht. Die Landesregierung diskutierte jedoch die Frage, ob die Förderung noch zielgerichteter sein kann – etwa für Studenten. Jetzt soll noch mal genauer geklärt werden, für wen die Wohnungsbauförderung gedacht ist und auf welche Gebiete sie konzentriert werden soll.

Arbeitsplätze schaffen

Die Bevölkerungsprognose sagt einen starken Einwohnerzuwachs vor allem in den östlichen Bezirken voraus. So soll die Zahl der Einwohner in Pankow bis zum Jahr 2030 um gut 16 Prozent wachsen, in Friedrichshain-Kreuzberg um 8,6 Prozent und in Mitte um 8,5 Prozent. Mehr Grundschulplätze müssen vor allem in Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Pankow geschaffen werden. Dort, wo neue Stadtquartiere entstehen – etwa in Tegel und Tempelhof – muss nach Einschätzung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Erschließung durch den öffentlichen Nahverkehr deutlich verbessert werden.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen drängt darauf, dass das Stadtentwicklungskonzept 2030 möglichst schnell kommt. Das neue Konzept müsse „für die entsprechenden Planungen rasch die planerischen Grundlagen liefern“, sagt BBU-Chefin Maren Kern. Das sei für die Entscheidungen von Bauherren von großer Bedeutung.

An der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes 2030 wird auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) teilnehmen. Die IHK mahnt, die Interessen der Wirtschaft nicht zu vergessen. „Lebensqualität bedeutet nicht nur, in einer schönen Stadt zu leben, sondern auch, dass die Menschen dort Arbeit haben“, sagt der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter. Es müsse bei stadtentwicklungspolitischen Entscheidung immer auch gefragt werden, ob diese Entscheidung Arbeitsplätze für die Menschen schaffe oder verhindere.

„Wir erarbeiten das Konzept in einem öffentlichen Diskurs“, verspricht Stadtentwicklungssenator Michael Müller. Bis März 2014 sind insgesamt zwölf Veranstaltungen zum künftigen Leitbild der Bundeshauptstadt geplant. Am Ende soll der Senat darüber entscheiden. Müller: „Es geht darum, ein Leitbild für ein gutes soziales Zusammenleben zu finden.“