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Stadtentwicklung: Sozialwohnungen oder Luxus am Mauerpark

So ähnlich will der Investor Klaus Groth am Mauerpark bauen. Zur Architektur plant er noch einen Wettbewerb, fünf Architekten sollen die Häuser gestalten.

So ähnlich will der Investor Klaus Groth am Mauerpark bauen. Zur Architektur plant er noch einen Wettbewerb, fünf Architekten sollen die Häuser gestalten.

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Groth Gruppe

Der Berliner Bauunternehmer Klaus Groth hat am Freitag sein Konzept für ein neues Wohnviertel vorgestellt, das er am Rand des Mauerparks zwischen Prenzlauer Berg und Wedding errichten will. Statt bislang etwa 600 geplanten Wohnungen sieht er jetzt auf dem Gelände nördlich des Gleimtunnels den Neubau von etwa 520 bis 530 Wohnungen vor. „Im Vergleich zur ursprünglichen Planung verzichten wir auf einzelne Gebäude, um ein attraktives Wohnquartier zu entwickeln, das über eine hohe Qualität verfügt“, sagt Klaus Groth. Die Bebauung sei lockerer, es werden Wege für Fußgänger und Radfahrer und neue Verbindungen in den Mauerpark entstehen.

Quartiersplatz und Kita

Außer den vier- bis siebengeschossigen Wohngebäuden plant Groth den Bau einer Kita mit 40 Plätzen. Zudem soll ein Quartiersplatz entstehen, in angrenzenden Gebäuden sollen Läden eingerichtet werden. Neben dem Gleimtunnel ist der Bau einer neuen Straße vorgesehen, die zum höher liegenden Wohnviertel hinaufführt. „Grundsätzlich können wir von der ursprünglichen Planung nicht abweichen, denn sie ist in einem städtebaulichen Vertrag vereinbart“, betont Groth.

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Diesen Vertrag hatte das Land Berlin gegen den massiven Widerstand von Anwohnern und Bürgerinitiativen im vergangenen Jahr mit dem Immobilienunternehmen CA Immo vereinbart. Er beinhaltet einen Grundstücksdeal: Das Land Berlin erhält für die Erweiterung des Mauerparks fünf Hektar Privatgelände, im Gegenzug sichert Berlin dem Investor Baurecht für das neue Wohnviertel zu. Groth hat das Gelände gekauft und ist dem Vertrag im Dezember 2012 beigetreten.

Sozial gemischtes Wohnquartier

Wie der Unternehmer sagt, sollen je zur Hälfte Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. Während die Kaufpreise bei durchschnittlich 3500 Euro pro Quadratmeter liegen sollen, rechnet Groth mit Kaltmieten von 11,50 Euro pro Quadratmeter. Das ist sehr teuer. Laut Vertrag soll jedoch ein sozial gemischtes Wohnviertel entstehen – Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und Baugruppen sollen zum Zuge kommen. Trotz vieler Gespräche gibt es laut Groth derzeit keine städtische Gesellschaft oder Genossenschaft, die sich am Mauerpark engagieren will. „Um Mietpreise von 9 Euro und darunter zu ermöglichen, braucht es eine städtische Förderung.“ Zum Beispiel durch zinsgünstige Kredite der Investitionsbank Berlin, die derzeit auf Landesebene diskutiert werden. „Wir sind bereit, solche Kredite in Anspruch zu nehmen und uns einer Mietpreisbindung zu unterwerfen“, sagt Groth. Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sieht jetzt das Land in der Pflicht, durch Fördermaßnahmen dafür zu sorgen, dass am Mauerpark ein sozial gemischtes Wohnquartier entstehen kann.

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Dass Groth weniger Wohnungen als möglich bauen will, reicht den Bürgerinitiativen als Zugeständnis nicht. „Wir sehen nach einem Sondierungsgespräch in dem Konzept nur marginale Veränderungen. Wir lehnen es weiter ab“, sagt Rainer Krüger von der Bürgerwerkstatt Mauerpark. Die Forderung nach einem 25 Meter breiten grünen Band zwischen Häusern und Bezirksgrenze werde nicht erfüllt. Die Bebauung sei zu massiv. „Ob es jemals eine soziale Durchmischung geben wird, bezweifeln wir. Es entstehen hochpreisige Luxuswohnungen.“ Krüger kündigte deshalb im Namen der Anwohner die Zusammenarbeit mit Groth auf. „Es ist nicht sinnvoll, weitere Gespräche zu führen.“ Man werde nun auf demokratischem Wege gegen die Nordbebauung mobilisieren, damit das Luxus-Bauprojekt nicht realisiert wird.

Im Gleimtunnel brennen Autos

Ob ein Brandanschlag im Gleimtunnel am Freitag mit der umstrittenen Bebauung im Zusammenhang steht, konnten auch die Bürgerinitiativen nicht sagen. Um 3.20 Uhr brannte unter der Gleimbrücke ein Mercedes, die Flammen griffen auch auf einen Fiat über. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

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Groth bedauert, dass die Gespräche mit den Bürgerinitiativen gescheitert sind, er hält an seinem Konzept aber fest. Etwa 150 Millionen Euro wird der Bau des Viertels kosten, der Baubeginn ist für Herbst 2014 vorgesehen.


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