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Steglitz-Zehlendorf: Pendler dürfen kostenlos E-Bike fahren

Lieber mit Helm auf Tour: Ein Pedelec schafft 25 Kilometer in der Stunde.

Lieber mit Helm auf Tour: Ein Pedelec schafft 25 Kilometer in der Stunde.

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Berliner Zeitung/ Markus Wächter

Es kommt nicht so oft vor, dass der Bezirk Steglitz-Zehlendorf deutschlandweit im Blickpunkt steht. Doch nun ist es so weit: Still und leise hat im Südwesten Berlins ein Modellprojekt des Senats begonnen, das von Verkehrsplanern und Forschern aufmerksam beobachtet wird. Rund 60 Arbeitnehmer fahren jetzt dort mit kostenlos überlassenen Elektrofahrrädern zur Arbeit. „Wir wollen ihnen die Pedelecs als Alternative zum Auto schmackhaft machen“, sagt Burkhard Horn, oberster Verkehrsplaner des Senats. Dafür werden Wege ausgebaut und Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen geschaffen. Von dem Test erhoffen sich die Experten Aufschluss darüber, wie Straßen Pedelec-freundlicher werden können.

Pedelecs sind Elektrofahrräder, bei denen Motoren die Fahrer beim Treten unterstützen. Senioren, aber auch andere Radler lassen sich gern von ihnen in Schwung bringen – Tempo 25 ist ohne zu schwitzen möglich. Im vergangenen Jahr waren anderthalb Millionen Pedelecs in Deutschland im Einsatz, Tendenz steigend.

Nachfrage größer als das Angebot

Bislang werden sie allerdings meist im Urlaub oder während der Freizeit gefahren, als Spaß-Vehikel. In großen Städten und auf Alltagswegen sind Pedelecs selten unterwegs. Damit sich das ändert, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ein Projekt angeregt, bei dem nun die Pilotphase begonnen hat. Es gehört zum „Schaufenster Elektromobilität“, mit dem sich die Region auf diesem Feld profilieren will, und soll bis Ende des kommenden Jahres dauern. Berlin hat 1,33 Millionen Euro eingeplant.

Der Start war viel versprechend. Fahrradhersteller erklärten sich bereit, Zweiräder gratis zur Verfügung zu stellen. Fehlten nur noch die Testpersonen: Berufstätige in Steglitz-Zehlendorf, Teltow, Kleinmachnow oder Stahnsdorf. Auch sie zu finden war nicht schwierig, erzählt Horn: „Die Nachfrage war viel größer als das Angebot an Fahrrädern.“

Dem Vernehmen nach sind in der ersten Phase sechs Unternehmen und Institutionen beteiligt. Das Krankenhaus Waldfriede und die Freie Universität gehören dazu.

Parkboxen und bessere Wege

Bei dem Projekt geht es nicht nur darum, Pedelecs als Pendlerfahrzeuge zu erproben. „Thema ist auch, wie die Verkehrsanlagen angepasst werden müssen“, berichtet Horn. Wer für ein E-Bike viel Geld bezahlt hat, parkt es nicht gern an der nächstbesten Ecke. Darum entstehen im Frühjahr 2015 sichere Abstellmöglichkeiten, zu denen abschließbare Boxen gehören. Im Gespräch sind die S-Bahnhöfe Wannsee, Mexikoplatz und Zehlendorf sowie der U-Bahnhof Krumme Lanke.

Eine zweite Frage ist: Wie müssen Straßen beschaffen sein, damit die schnellen Pedelecs sicher vorankommen? Manch einer hatte schon vermutet, dass in Steglitz-Zehlendorf Fahrradautobahnen entstehen. Der offizielle Projektname Pedelec-Korridor legt diesen Schluss nahe. Horn widerspricht: „Es geht um kleinteilige Verbesserungen.“ Radfahrstreifen müssen markiert, Hindernisse entfernt, Kurven entschärft werden. An der Benschallee geht es um eine neue Verkehrsführung.

„Der neue Pedelec-Korridor wird mit vollem Einsatz und vielen Beteiligten, unter anderem dem Bezirk, auf den Weg gebracht. Wir haben uns im Schaufenster Elektromobilität viel vorgenommen, und der Elektro-Fahrräder-Korridor ist ein wichtiger Baustein“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Am 13. September gibt er mit Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) den offiziellen Startschuss.