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Sterbehilfe: Legale Todescocktails

Die Frage, ob Ärzte Patienten beim Suizid assistieren dürfen, bleibt auch nach dem Gerichtsurteil umstritten.

Die Frage, ob Ärzte Patienten beim Suizid assistieren dürfen, bleibt auch nach dem Gerichtsurteil umstritten.

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dpa

Nach dem Urteil zur Sterbehilfe prüft die Berliner Ärztekammer, ob sie Berufung einlegt. Wie berichtet, hat das Verwaltungsgericht Berlin eine 2007 erlassene Verfügung der Ärztekammer gegen den Berliner Urologen und Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold aufgehoben. Darin hatte die Kammer dem Arzt unter Androhung von 50.000 Euro Strafe verboten, Patienten Medikamente zum Suizid zu überlassen. Anlass war der Fall einer kranken Frau aus Bayern, die sich an Arnold gewandt hatte, weil sie sich mit Tabletten das Leben nehmen wollte. Ihre Angehörigen schritten ein, die Kammer ging gegen Arnold vor.

In ihrem Urteil vom Montag haben die Richter diese Form der Sterbehilfe nicht uneingeschränkt verboten. Sie sei jedoch nur in Ausnahmefällen zu rechtfertigen – zum Beispiel, wenn eine langjährige persönliche Beziehung zwischen dem Arzt und seinem Patienten besteht.

Für Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas aktiv

Der 67-jährige Arnold, der bis vor wenigen Jahren für die umstrittene Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas aktiv war, spricht von einem Grundsatzurteil. Dagegen weist Ärztekammerpräsident Günther Jonitz darauf hin, dass die richterliche Entscheidung nur wenige Menschen betrifft. So gehe es in dem Rechtsstreit nicht um die passive Sterbehilfe. „Sterbenskranke Patienten dürfen dem Arzt sagen, dass sie keine lebensverlängernden Maßnahmen wollen, sie nicht künstlich beatmet werden wollen“, sagt Jonitz. Ärzte könnten auch Morphium geben, obwohl das starke Schmerzmittel lebensverkürzend wirken kann. Die Linderung des Leidens habe bei unheilbar Kranken Vorrang. „Das ist klar gesetzlich geregelt und der Wunsch des Patienten ist für den Arzt bindend“, so der Kammerpräsident.

Gestritten wird um die Frage, ob Ärzte Beihilfe zum Suizid leisten dürfen, in dem sie ihren Patienten tödliche Medikamente geben. Strafrechtlich wird Beihilfe zum Suizid, auch wenn sie von Angehörigen geleistet wird, nicht verfolgt. Doch Jonitz meint, dass das bei Medizinern aus ethischen Gründen berufsrechtliche Konsequenzen wie den Verlust der Approbation oder Geldstrafen nach sich ziehen muss. „Wenn ein Patient beschließt zu sterben, dann kann der Arzt nicht derjenige sein, der das vollzieht.“ Viele dieser Menschen, die sich an Sterbehilfeorganisationen wie die Schweizer Dignitas wenden, seien zudem nicht lebensbedrohlich erkrankt, sondern würden unter psychischen Problemen leiden. „Ihnen muss man helfen“, sagt Jonitz.http://www.berliner-zeitung.de/berlin/gerichtsurteil-arzt-darf-todbringendes-medikament-ueberlassen,10809148,14638974.html

„Bevor wir ihnen Medikamente geben, führen wir mehrere Gespräche“

Dagegen argumentiert Arnold, dass sich Menschen, die nicht mehr leben wollen, ihren Entschluss gut überlegen würden. „Bevor wir ihnen Medikamente geben, führen wir mehrere Gespräche“, sagt er. Außerdem seien die meisten Mitglieder von Organisationen wie Dignitas nicht lebensmüde. „Sie wissen aber, dass sie unsere Hilfe in Anspruch nehmen könnten. Das gibt ihnen die Sicherheit, jederzeit frei über ihr Leben zu entscheiden.“

Arnold ist einer der wohl prominentesten Sterbehelfer in Deutschland. 2007 wollte er in Berlin eine Dependance von Dignitas gründen und suchte in der Region öffentlich nach Sterbewilligen, um ihnen mit Hilfe eines Giftcocktails beim Suizid zu assistieren. Zeitungen aus ganz Deutschland berichteten darüber, Politiker forderten ein Verbot der Sterbebegleitung, also der Beihilfe zum Suizid, die im Gegensatz zur aktiven Sterbehilfe in Deutschland nicht unter Strafe steht. Die Dignitas-Filiale wurde nicht gegründet. „Aber es haben sich einige Menschen gemeldet, die ich beim Sterben begleitet habe“, sagt der Pensionär. „Die Pillen haben sie selbst eingenommen, ich habe ihnen nichts in den Mund gesteckt.“


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