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Berliner Zeitung | Stiftung Humboldt Forum: Wer ist Chef im Schloss?
13. January 2016
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Stiftung Humboldt Forum: Wer ist Chef im Schloss?

Manfred Rettig hat sich aus dem Vorstand der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum verabschiedet.

Manfred Rettig hat sich aus dem Vorstand der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum verabschiedet.

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dpa

Der Weggang des obersten Schlossbau-Managers Manfred Rettig ist am Mittwoch überwiegend mit Bedauern aufgenommen worden. Zugleich wurde die Besorgnis laut, dass nach Rettigs Abgang als Vorstandsmitglied der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss die Kosten des Projekts steigen könnten.

„Ich bin betroffen und bestürzt, dass Manfred Rettig aufhört“, sagte der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der Mitglied des Stiftungsrats ist. „Rettig war der Garant dafür, dass das Projekt im Zeit- und Kostenplan bleibt“, so Thierse. „Für mich kam die Entscheidung völlig überraschend.“ Rettig, 63 Jahre alt, hatte am Dienstag erklärt, er höre aus freien Stücken zum 1. März 2016 auf und wolle sich künftig unter anderem um seine eigenen Immobilien kümmern.

„Nicht mehr Herr des Verfahrens“

„Ich vermute, dass auch noch ungeklärte Kompetenz-Verhältnisse eine Rolle gespielt haben“, sagte Thierse. Zum einen sei offen, wer im Stiftungsvorstand das Sagen habe, da dieser künftig mit einem dritten Vorstandsmitglied besetzt werde. Zum anderen sei das Verhältnis zwischen dem Stiftungsvorstand und der Gründungsintendanz des Humboldt-Forums nicht geklärt. „Ich nehme an, dass Manfred Rettig das Gefühl hatte, dass er künftig nicht mehr Herr des Verfahrens ist“, sagte Thierse.

Bisher amtierte Rettig als einer von zwei Vorstandsmitgliedern der Stiftung, war aber als Vorstandssprecher der unangefochtene Chef. Dadurch, dass mit dem Beschluss des Stiftungsrats vom Dienstag nun ein drittes Vorstandsmitglied für den Bereich Kultur hinzu kommt, verringert sich sein Einfluss. Zugleich verschieben sich die Machtverhältnisse in Richtung des Kultursektors mit der Arbeitsaufnahme der Gründungsintendanz des Humboldt-Forums.

Der Brite Neil MacGregor, ehemaliger Direktor des British Museum, ist in dem dreiköpfigen Gremium der Star. Ihm steht ab Februar Paul Spies zur Seite, der die Leitung des Stadtmuseums übernimmt und Berlins Auftritt im Humboldt-Forum kuratiert. Gut möglich, dass die Pläne der Kultur-Mächtigen mit dem Bestreben Rettigs kollidieren, Änderungswünsche abzuwehren, um den Kosten- und Zeitplan einzuhalten. Rettig hatte immer wieder erklärt, nachträgliche Änderungen seien mit ihm nicht zu machen.

Sein Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt sei gut gewählt, heißt es aus Planerkreisen. Das 590 Millionen Euro teure Projekt sei im Zeit- und Kostenplan. 2019 soll das Schloss als Humboldt-Forum eröffnen. „Bevor es doch noch Probleme geben könnte, geht er.“ Denkbar sind Änderungswünsche unter anderem, weil das Land Berlin seine Flächen nicht mehr durch die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) nutzen lassen will, sondern dort eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt präsentieren möchte. Dort wurden bereits im Rohbau Stahlkonstruktionen für Sprachkabinen eingebaut. Ob sie noch verwendet werden können, ist fraglich.

Dem Vorsitzenden des Bauausschusses im Abgeordnetenhaus, Andreas Otto (Grüne), schwant Böses. „Wenn jetzt auch am Humboldt-Forum Wünsche der Nutzer und der Intendanz zu Änderungen im Raumprogramm oder der technischen Ausstattung führen, dann droht ein weiteres Kostengrab“, sagte er. Jede Änderung führe zu Problemen. Die Stiftung versuchte am Mittwoch zu beschwichtigen. Aktuell gebe es keine Wünsche, die „als Forderung“ an sie herangetragen worden seien, teilte sie mit. Auf der nächsten Sitzung des Stiftungsrats im März soll ein Nachfolger für Rettig bestimmt werden.