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Straßenstrich: Zwischen 4 und 20 Uhr soll käuflicher Sex verboten werden

Straßenstrich.

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Tempelhof-Schönebergs Ordnungsdienste-Stadtrat Oliver Schworck (SPD) will die Prostitution im Kiez an der Kurfürstenstraße erschweren. Er schlägt vor, Prostitution in der Zeit von 4 bis 20 Uhr zu untersagen. „Viele Anwohner und Gewerbetreibende ärgern sich darüber, dass auf dem Straßenstrich die Frauen schon tagsüber stehen“, sagt er. Auch in den Seitenstraßen bis hin zur Bülowstraße habe sich das käufliche Gewerbe ausgebreitet – wer Kinder zu Kindergärten oder Schulen im Dreh bringe oder mit ihnen auf den Spielplatz gehe, müsse an den meist freizügig posierenden und häufig aggressiv werbenden Frauen vorbei.

Bei der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am kommenden Mittwoch soll über das Thema debattiert werden – die CDU hat einen Antrag eingebracht. Darin heißt es: „Die BVV empfiehlt dem Bezirksamt, sich bei den zuständigen Stellen... dafür einzusetzen.“ Die Sperrzeit solle auch in Kooperation mit dem Bezirk Mitte erwirkt werden. Die Grenze zum Nachbarbezirk verläuft mitten durch die Kurfürstenstraße.

Bekommt der Antrag die erforderliche Mehrheit, geht er zur Senatsinnenverwaltung. Diese könnte dann die zeitliche Sperre verhängen. Schworck sagt, er sei realistisch: „Ganz wird man die Prostitution rund um die Kurfürstenstraße nicht abschaffen können, die gibt es seit mehr als 100 Jahren.“ Mit seinem Vorschlag wolle er aber die Diskussion um die Begrenzung des Gewerbes voranbringen: „Ich möchte Möglichkeiten ausloten, was geht an Maßnahmen und was nicht.“

Die Kurfürstenstraße ist die älteste Rotlichtmeile Berlins. Dort stand vor mehr als 30 Jahren schon Christiane F. („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“). Seit einigen Jahren kommen vermehrt Prostituierte aus Osteuropa, haben andere in den Bereich Magdeburger Platz in Tiergarten-Süd verdrängt.

Bereits vor einigen Jahren gab es Ärger im Kiez wegen der zunehmenden Anzahl von Prostituierten. Der damalige Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) hatte deshalb im Jahr 2009 sogar einen Sperrbezirk ins Gespräch gebracht. Bisher gibt es solche Gebiete, wo Prostitution generell verboten ist, in der Hauptstadt nicht. Denn nach Einschätzung von Experten wird damit die Prostitution nur verdrängt, die Kriminalität steigt. Band scheiterte mit seinem Vorstoß, der auch in der eigenen Partei umstritten war.

Erfolg hatte der Bezirk allerdings mit dem Verbot eines sogenannten Laufhauses an der Potsdamer/Ecke Kurfürstenstraße, in das sich selbstständig arbeitende Prostituierte einmieten sollten. Weil Tempelhof-Schöneberg mit Verweis auf die sozial belastete Situation im Kiez die Baugenehmigung dazu versagte, zogen die Investoren vor Gericht. Doch sowohl die erste als auch die zweite Instanz wiesen 2010 beziehungsweise 2012 die Klage ab.

Auch mit baulichen Veränderungen ging das Bezirksamt gegen das Rotlichtgewerbe im Kiez vor. So wurden vor einigen Jahren in der Frobenstraße Gebüsche gerodet beziehungsweise beschnitten, um den Prostituierten und ihren Freiern den Sichtschutz zu nehmen und diese dadurch zu verdrängen. Auch Straßensperrungen, veränderte Parkordnungen, häufigere Polizeistreifen und Sozialarbeit gab es. „Das hat zwar etwas mehr Ordnung dort gebracht, aber nicht weniger Gewerbe“, sagt Schworck.“