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Streikbrecher: Hells Angels an der Charité

Mitglieder Rockerband Hells Angels sollen angeblich als Streikbrecher engagiert worden sein.

Mitglieder Rockerband Hells Angels sollen angeblich als Streikbrecher engagiert worden sein.

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dpa

Berlin -

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr streiken die Mitarbeiter der Charité-Tochter CFM für mehr Geld. Der gegenwärtige Ausstand geht nun schon in die achte Woche – ohne dass es auch nur einen vagen Hinweis auf eine Einigung gibt. Im Gegenteil: Die Stimmung zwischen Beschäftigten – die für nichtmedizinische Aufgaben wie Technik, Reinigung oder Verköstigung zuständig sind – und dem Arbeitgeber wird immer feindseliger.

So wirft Verdi der Geschäftsführung vor, Leiharbeiter als Streikbrecher einzusetzen. Ziemlich ungewöhnlich daran ist, dass nach Informationen der Berliner Zeitung wohl auch Mitglieder der im kriminellen Milieu agierenden Motorradrockergang Hells Angels an der Charité im Einsatz sind. Sie arbeiten bei einer privaten Sicherheitsfirma, wie die Polizei auf Anfrage bestätigte, die von der CFM für den Gebäudeschutz engagiert wurde.

Plakate abgerissen

Diese Sicherheitsleute, die anfangs in Harley-Jacken aufgetaucht sein sollen, gehen offenbar recht rabiat vor. „Sie reißen Streikplakate ab und hindern Gewerkschafter daran, die Klinik zu betreten“, sagt Verdi-Sekretär Uwe Ostendorff. Dass einige von ihnen offenbar den Hells Angels angehören, hält er für einen „Skandal“. „Ich fordere den Senat auf, Rechtstaatlichkeit herzustellen“, sagt Ostendorff. Schließlich ist die CFM zu 51 Prozent in landeseigenem Besitz, als Minderheitsgesellschafter fungiert ein Konsortium, bestehend aus den Firmen Dussmann, Vamed und Hellmann. Auch die Gehälter der 2 500 CFM-Beschäftigten dürfte ein Senat mit SPD-Beteiligung eigentlich nicht akzeptieren. Zwar wurden nach dem ersten Streik im Mai die Stundenlöhne für manche Berufsgruppen erhöht, im Sicherheitsdienst etwa von 6,55 auf 7,50 Euro. Doch das ist immer noch weitaus weniger als der von der SPD geforderte Mindestlohn von 8,50 Euro.

Verdi verlangt Tarifverträge für alle Beschäftigten sowie 168 Euro mehr im Monat. Das würde Burkhard Zeh schon weiterhelfen. Seit acht Jahren ist er für den Krankentransport an der Charité zuständig. „Ich habe monatlich 1.100 Euro netto. Das ist nicht viel, wenn man 400 Euro Miete bezahlen muss“, sagt er. Einige Kollegen seien auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen.

Doch CFM-Geschäftsführer Toralf Giebe sagt, die Gehälter seien branchenüblich, die Forderungen nicht bezahlbar. Dass Mitglieder der Hells Angels als Leiharbeiter tätig sein sollen, sei der CFM nicht bekannt. Um die medizinische Versorgung nicht zu beeinträchtigen, würden Gewerkschafter am Betreten der Stationen gehindert. Grundsätzlich sei der Einsatz von Leiharbeitern notwendig, um den Betrieb sicherzustellen. Auch finanziell sei dies kein Problem, da die Streikenden ihr Gehalt von Verdi beziehen. Nach deren Angaben ist die Streikkasse gut gefüllt. So kann der Ausstand noch eine Weile weitergehen.


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