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Streit um Flüchtlingshilfe: Neue Initiative „Die Basis“ macht „Moabit hilft“ Konkurrenz

Victoria Baxter gehört zu den Initiatoren der Organisation „Die Basis“.

Victoria Baxter gehört zu den Initiatoren der Organisation „Die Basis“.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Noch vor wenigen Monaten war die Initiative „Moabit hilft“ ein kleines Nachbarschaftsnetzwerk, inzwischen ist sie mit Hunderten Freiwilligen eine der bedeutendsten Flüchtlingshilfsorganisationen der Stadt – und definitiv die mit der größten medialen Präsenz. Doch möglicherweise kommt bald eine weitere Organisation hinzu. An diesem Sonntag stellt sich der Verein „Die Basis“ der Öffentlichkeit vor, der ebenfalls auf dem Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) an der Turmstraße in Moabit tätig werden will und außerdem zum Ziel hat, ein Netzwerk über die ganze Stadt zu spannen.

Anlass für die Neugründung ist ein massives Zerwürfnis bei „Moabit hilft“. Initiatorin Victoria Baxter war bislang eine der zentralen Figuren der Initiative. Doch nach Auseinandersetzungen mit der Vereinsvorsitzenden von „Moabit hilft“, Diana Henniges, hat sie ihre Mitarbeit dort eingestellt. „,Moabit hilft’ agiert politisch, aber ihre Rolle am Lageso ist nicht konstruktiv“, sagt sie.

Verhältnis zu Lageso-Akteuren ist angespannt

Was aus ihrer Sicht bei „Moabit hilft“ falsch läuft, wollen sie und ihre sieben Mitgründer im neuen Verein nun besser machen. „Wir wollen zusammenarbeiten – mit allen“, sagt Baxter und meint damit vor allem die Leitung des Lageso und die Wachleute der Firma Gegenbauer. Das Verhältnis von „Moabit hilft“ zu den anderen Akteuren auf dem Lageso-Gelände ist seit Monaten angespannt.

Mit Demonstrationen und scharf formulierten Erklärungen hatte die Initiative mehrfach auf den humanitären Notstand vor der Behörde hingewiesen, wo es im Sommer keine ärztliche Betreuung und noch nicht einmal eine Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser gab. Mit den Interventionen entstand politischer Druck. Aber die Arbeit vor Ort sei erschwert worden, sagt Victoria Baxter. Vor allem die Gegenbauer-Wächter stünden „Moabit hilft“ seither ablehnend gegenüber. Leidtragende dieses Konflikts seien die Flüchtlinge.

In den nächsten Wochen hofft sie, bis zu 300 Freiwillige unter dem Dach der „Basis“ zu organisieren. Nach ihrer Vorstellung soll der Verein die Flüchtlinge umfassend betreuen: sowohl bei der provisorischen Erstregistrierung auf dem Lageso-Gelände als auch in den Notunterkünften.

Seit Monaten opfert die 37-Jährige Mutter zweier Kinder fast ihre gesamte Zeit für die Arbeit am Lageso. Nebenbei gründet sie ein Unternehmen, sie will Unternehmen helfen, Kontakte in ihr Heimatland Ghana aufzubauen. Während des Gesprächs hantiert sie mit zwei Handys, die ständig klingeln – viele Anrufer sind Freiwillige aus anderen Stadtteilen. Mal geht es um Unterkunftsplätze, die fehlen, mal um Kleider oder Hygieneartikel.

Betteln gehen bei Unternehmen

Es gebe so viel zu tun, sagt Baxter. Den dreckigen Fußboden in dem Erstaufnahmezelt, auf dem auch Kinder spielen und schlafen, würde sie am liebsten sofort schrubben. Eigentlich gibt es dafür bezahlte Kräfte, und „Moabit hilft“-Chefin Henniges pocht darauf, dass Freiwillige nicht deren Arbeit übernehmen. „Aber wo sind die bezahlten Kräfte?“, fragt Baxter.

Sie will nicht, dass es Grenzen gibt für die Freiwilligenarbeit. „Die Flüchtlinge sind unsere neuen Nachbarn. Wir können so viele Probleme in der Zukunft vermeiden, wenn wir uns jetzt gut um sie kümmern“, sagt sie. Und dazu gehöre eben ein sauberer Fußboden genauso wie die Begleitung bei Behördengängen, die Betreuung der Kinder oder die Versorgung mit den nötigsten Hygieneartikeln in den Notunterkünften, die bis heute nicht klappt.

Woher das Geld für die Arbeit kommen soll? „Ich werde betteln gehen bei Unternehmen“, sagt sie. Das habe sie auch vorher schon gemacht. Und bei „Moabit hilft“ habe es in den letzten Wochen im Übrigen auch kein Geld für Einkäufe gegeben – ein Vorwurf, den die Vorsitzende Diana Henniges zurückweist. „Wir haben ein Spendenaufkommen von mehreren tausend Euro pro Woche und geben jeden Tag mehr als tausend Euro aus“, sagt sie. Die Gründung von „Die Basis“ sieht sie als eine „persönliche Fehde“. „Aber diesen Krieg werde ich nicht führen.“