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Streit um Luxusneubau an der Friedrichstraße: Bewohner von Luxuswohnungen sperren Spielplatz ab

Ein massiver Zaun grenzt den privaten Spielplatz von den öffentlichen Wegen ab. Im Neubau dahinter sind die ersten Wohnungen bezogen. Seit Sommer gibt es in dem Gebäude auch ein Vier-Sterne-Hotel der israelischen Fattal-Gruppe mit 309 Zimmern sowie Büroflächen.

Ein massiver Zaun grenzt den privaten Spielplatz von den öffentlichen Wegen ab. Im Neubau dahinter sind die ersten Wohnungen bezogen. Seit Sommer gibt es in dem Gebäude auch ein Vier-Sterne-Hotel der israelischen Fattal-Gruppe mit 309 Zimmern sowie Büroflächen.

Foto:

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Berlin -

Die Peach Property Group aus der Schweiz hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihr Neubau Am Zirkus 1 nahe des Bahnhofs Friedrichstraße eine Luxusimmobilie ist: 95 teure Wohnungen neben dem Berliner Ensemble, mit eigenem Wellnessbereich inklusive Pool. Die teuerste Wohnung soll mehr als fünf Millionen Euro kosten.

Zu dem Luxusprojekt gehört aber auch ein kleiner Spielplatz neben dem Haus, der von öffentlichen Wegen eingegrenzt wird. Der sorgt nun für Missstimmung im Viertel und bringt die Anrainer gegen die meist hinzugezogenen Bewohner des edlen Wohnhauses auf: Denn die schließen die Pforten zum Spielplatz ab. „Luxus muss man wohl mit geschlossener Gesellschaft gleichsetzen“, sagt ein Anwohner.

Weißer Sand ohne Kinder

Kaum 150 Quadratmeter ist der Spielplatz groß. Der neue Sand im Buddelkasten ist fast weiß. Darin stehen vier große Metallzylinder. Vielleicht sollen Kinder von dort in den Sand hüpfen? Wie man damit spielen soll, wissen auch die Männer nicht, die gerade das Laub vom Sand harken. „Wenn wir fertig sind, müssen wir wieder abschließen“, sagen sie. Vier Schwing-Stangen gibt es noch, zwei Schaukeln und zwei Bänke. Familien mit Kindern sind aber noch nicht in das Haus eingezogen.

„Der Spielplatz sieht traurig aus. Mein vierjähriger Sohn würde aber schon mal gern dort schaukeln“, sagt Anwohnerin Susanne Wündisch. Doch das geht nicht. Zutritt nur für Eigentümer, die laut Peach Property einen Schlüssel zu den Pforten haben. Ihre Kinder dürfen dort spielen, auch die von Gästen und Freunden. Nur nicht die aus dem Viertel. „Die Neubewohner wirken dadurch nicht gerade sympathisch“, sagt Susanne Wündisch, „das sorgt für Unfrieden.“ Auch Kinder, die in der benachbarten Turnhalle Sport treiben, hätten schon am Zaun gestanden und sehnsüchtig zu den Schaukeln geblickt.

Platz muss für Kinder öffentlich sein

Den Trend, dass sich Eigentümer teurer Wohnungen von der Stadt abschotten, gibt es schon länger, etwa im Diplomatenpark in Tiergarten und in Prenzlauer Berg. In Mitte wollten auch Eigentümer von Häusern an der Krausnickstraße erreichen, dass der Hof samt Park der Öffentlichkeit entzogen wird und Tore abgeschlossen werden. Der Bezirk widersetzte sich, gestaltete den Park um, er ist tagsüber zugängig.

Am Bertolt-Brecht-Platz befindet sich neben dem verschlossenen Spielplatz die Fairplay Kita Albrechtstraße. Deren Spielplatz ist groß, mit Holzspielgeräten und Klettermöglichkeiten. „Wir benötigen den Nachbarspielplatz nicht. Doch wenn am Neubau ein Spielgelände entsteht, dann muss es öffentlich sein“, sagt Kita-Leiterin Kerstin Rückheim. Es sei nie die Rede davon gewesen, dass der Spielplatz abgeschlossen werde.

Derartige Zusagen habe es nie gegeben, sagt dagegen Hans Peter Koopmann, Sprecher von Peach Property. „Es ist ein privater Spielplatz auf einem privaten Grundstück. Es hat nichts damit zu tun, jemanden auszuschließen. Es ist eine Haftungsfrage, sollte sich ein Kind dort beim Spielen verletzen.“ Der Spielplatz sei eine Auflage des Bezirks gewesen. Für die Öffentlichkeit seien zum Beispiel der Bertolt-Brecht-Platz für 300 000 Euro neu gestaltet sowie neue Durchgangswege angelegt worden. Und die Kita habe neue Spielgeräte erhalten, so Koopmann.



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