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Berliner Zeitung | Streit um Uni-Reform: HU-Präsident drohte mit Rücktritt
05. December 2013
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Streit um Uni-Reform: HU-Präsident drohte mit Rücktritt

HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz (l.) will Fakultäten zusammenlegen.

HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz (l.) will Fakultäten zusammenlegen.

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dpa

Berlin -

Dramatisches hat sich am Mittwoch in der Sitzung des Akademischen Senats der Humboldt-Universität (HU) Berlin abgespielt. „Ich lege mein Amt nieder“, erklärte Jan-Hendrik Olbertz, seit 2010 Präsident der Universität in der Mitte der Stadt, Unter den Linden. Vorausgegangen war ein heftiger Streit um die umstrittene Fakultätsreform.

Diese Reform sieht vor, einen Teil der gegenwärtig zehn Fakultäten der HU zusammenzulegen. So sollen etwa Biologen, Psychologen und die Landwirtschaftler bereits 2014 zu einer Lebenswissenschaftlichen Fakultät auf dem Campus Nord nahe der Charité zusammengefasst werden. Mathematik und Naturwissenschaften sollen eine große Fakultät in Adlershof bilden. Weitere Fusionen folgen. Für Personal und Umzüge sind 2014 und 2015 jeweils 1,35 Millionen Euro veranschlagt.

Durch die Reform werde die Uni schlagkräftiger, hofft das HU-Präsidium. „Es gibt im Moment kaum Querverbindungen zu benachbarten Fächern“, sagte Olbertz. Institute arbeiteten nur ungenügend zusammen. Das Ziel der Reform sei es, „schneller, flexibler und dynamischer neue Entwicklungen in der Wissenschaft aufgreifen und mitbestimmen zu können“. Dazu müsse man auch den organisatorischen Aufwand bündeln.

„Eisesstarre im Senatssaal“

Dennoch gab es eine Reihe von Einwänden – ob die neuen Fakultäten nicht zu groß seien, ob die Mitarbeiter und Studenten nicht Kürzungen tragen müssten, weil das Geld für die Reform ja irgendwo aufgebracht werden müsse, und anderes mehr. Nach endlosen Sitzungen fand die Reform am Mittwoch nun endlich eine Mehrheit im Akademischen Senat. Doch die Studentenvertreter legten geschlossen ihr Gruppenveto ein – mit der Folge, dass die Entscheidung wieder hätte vertagt werden müssen.

Daraufhin erklärte Olbertz, dass er das jetzt nicht mehr mitmache, und legte sein Amt nieder. „Es herrschte eine Eisesstarre im Senatssaal“, sagt ein Mitarbeiter. Olbertz sagte, dass er und viele andere ihre Kraft und ihr Privatleben für die Universitätsreform geopfert hätten. Nun müsse man sie endlich einmal beschließen.

Die Gruppe der Professoren bat ihn daraufhin, seine Rücktrittsentscheidung zurückzunehmen. „Wir brauchen Sie“, sagte ein Dekan. In der folgenden Pause sprachen Professoren und Olbertz intensiv mit den Studenten, die daraufhin erklärten, ihr Gruppenveto zurückziehen. Den Rücktritt des Präsidenten wollten sie offenbar doch nicht verantworten. „Herr Olbertz hat eine integrative Kraft an dieser Universität, die dann auch reichte, dass die Studenten ihre Position aufgegeben haben“, erklärte ein Mitarbeiter. „Damit ist die Fakultätsreform nun endlich durch.“

Immer wieder Rücktrittsdrohungen

Ein Rücktritt des Präsidenten, so heißt es aus der Uni, wäre nur dann rechtlich wirksam gewesen, wenn Olbertz ihn schriftlich gegenüber dem HU-Kuratorium erklärt hätte.

„Herr Olbertz operiert schon seit ein paar Monaten mehr oder weniger offen mit Rücktrittsdrohungen“, sagt Enno Hinz, Referent für Hochschulpolitik im RefRat, der HU-Studentenvertretung. Dadurch habe er eine grundlegende Diskussion über die Reform hintertrieben. Hinz befürchtet eine Entfremdung zwischen dem Lehrbetrieb und der Leitungsebene in den künftigen riesigen Fakultäten. Zum Argument, die Uni müsse strategiefähiger werden, sagte er: „Uns ist unklar, wie eine Fakultät mit zehn Instituten eine inhaltliche Strategie entwickeln soll.“ Die Studenten befürchteten eher, dass kleinere Institute in der neuen Struktur untergehen.


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