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Studie der GEK: Ein Drittel der Berliner hat ein Seelenleiden

Jeder dritte Erwerbstätige in Berlin leidet unter einer psychischen Störung.

Jeder dritte Erwerbstätige in Berlin leidet unter einer psychischen Störung.

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imago stock&people

Jeder dritte Erwerbstätige in Berlin leidet unter einer psychischen Störung. Zu diesem Ergebnis gelangt der Gesundheitsreport der Barmer GEK. 3,6 Millionen Versicherte der Ersatzkasse wurden im Jahr 2012 in Deutschland befragt, darunter 163 000 Berliner. Der bundesweite Durchschnitt beläuft sich auf 29,7 Prozent, die Brandenburger liegen mit 28,8 Prozent leicht darunter.

Doch obwohl bei 34,4 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Berlin ein psychisches Leiden diagnostiziert wird, werden lediglich 7,4 Prozent von ihnen krankgemeldet. Diese Diskrepanz hat die Barmer festgestellt, als sie die Zahl der Krankschreibungen mit den Rezepten verglich, die für weit mehr Versicherte ausgestellt wurden. Das heißt: Oftmals verschreiben Ärzte Medikamente wie Psychopharmaka, während die Beschäftigten weiter zur Arbeit gehen. Ob dies auf Wunsch der Patienten geschieht oder der Arzt es nicht für nötig hält, dass sie zu Hause bleiben, ist unklar. Wer krankgeschrieben wird, fällt durchschnittlich 52 Tage im Job aus. „Es ist notwendig, psychische Erkrankungen weiter zu entstigmatisieren“, sagt die Landeschefin der Barmer, Claudia Korf. Führungskräfte müssten eine offene Kommunikation mit ihren Mitarbeitern anstreben.

Hamburg ist negativer Spitzenreiter

Dass die Berliner ein höheres Risiko tragen, an einer psychischen Störung zu erkranken, ist keine neue Entwicklung. Das gilt auch für andere Ballungsräume. So ist Hamburg mit einem Anteil von 34,7 Prozent negativer Spitzenreiter. Experten können nicht mit Sicherheit sagen, woran das liegt. Vielleicht ist der Stress, den das Leben in einer lauten und schnellen Stadt mit sich bringt, ein Grund hierfür. Vielleicht aber schafft erst das Angebot die Nachfrage. 1 600 Psychologische Psychotherapeuten gibt es in Berlin gegenüber lediglich 242 im Land Brandenburg.

Auch über die Ursachen der generell sehr hohen Zahl psychischer Leiden kann nur spekuliert werden. Möglicherweise sind Allgemeinärzte inzwischen sensibilisiert und erkennen leichter eine Depression, Angststörung oder Suchterkrankung. Und während sich in früheren Jahren die Betroffenen für diese Krankheit oft schämten und ihren Arzt baten, stattdessen etwa die Diagnose Rückenleiden auszustellen, stehen sie heute vermutlich eher zu einem psychischen Leiden.

Besonders gefährdet sind Menschen, die in sozialen Berufen, in der Seelsorge oder als Erzieher tätig sind. Hier könnte die emotionale Belastung ein Auslöser sein. Auch Beschäftigte in der Textil-, Leder- und Bekleidungsbranche erkranken überdurchschnittlich häufig, was auf schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen zurückzuführen sein könnte.

Am schlechtesten dran sind jedoch die Arbeitslosen, wie eine andere Studie der Barmer ergab. 41,7 Prozent von ihnen leiden unter einer psychischen Erkrankung.



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