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Studiengang Jüdische Theologie in Potsdam: „Zu 160 Prozent ausgelastet“

Am 19. November 2013 wurde die „School of Jewish Theology“ eröffnet.

Am 19. November 2013 wurde die „School of Jewish Theology“ eröffnet.

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dpa/Ralf Hirschberger

Potsdam -

Knapp 70 Studentinnen und Studenten haben sich zum Wintersemester für das Bachelor-Studium Jüdische Theologie an der Universität Potsdam eingeschrieben, 20 mehr als im Gründungsjahr. „Das ist atemberaubend“, sagt Walter Homolka, geschäftsführender Direktor des Instituts. „Damit sind wir zu 160 Prozent ausgelastet.“ Der Bachelor-Studiengang ist auch europaweit einzigartig und steht Studierenden unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit offen.

Jüdische Studierende können zudem mit einer Ausbildung am Berliner Abraham Geiger Kolleg für die liberale Glaubensrichtung oder am konservativ ausgerichteten Zacharias Frankel College Rabbiner oder Kantor werden. Diese Ausbildung nutzen derzeit 25 Männer und Frauen unter den insgesamt 113 Studierenden. Dort lernen sie die jüdischen Gesetze und Abläufe des alltäglichen Gemeindelebens, etwa der Gottesdienste, Beerdigungen oder Hochzeitszeremonien.

„Das Tolle ist, dass wir schon ab dem zweiten Studienjahr in den Gemeinden eingesetzt werden“, sagt Natalia Verzhbovska, eine der ersten Studentinnen im Master-Studiengang, der zum Sommersemester startete. Die 45-Jährige stammt aus der Ukraine und will Rabbinerin werden. Am liebsten in Deutschland, um insbesondere ihren Landsleuten zu helfen. „Inzwischen sind hier bis zu 90 Prozent der Gemeindemitglieder Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion“, sagt die 45-Jährige. Die erste Generation sei zwar in den jüdischen Gemeinden aktiv, habe aber oft wegen mangelnder Sprachkenntnisse noch Schwierigkeiten, sich zu integrieren. „Die zweite Generation lebt bereits in der deutschen Gesellschaft“, sagt Verzhbovska. „Bei ihnen geht es darum, das Interesse am Gemeindeleben wach zu halten.“

Anita Kántor aus Budapest ist vor einem Jahr eigens für das Studium an der Uni Potsdam nach Berlin gezogen. „In Ungarn kann ich als Frau keine Ausbildung zur Rabbinerin machen“, sagt die 42-Jährige. Dort arbeitete sie als Lehrerin für jüdische Studien. Wenn sie mit dem Studium fertig ist, kann sie sich durchaus eine Rückkehr in die Heimat vorstellen. „Inzwischen gibt es eine erste Rabbinerin in Ungarn“, sagt Kántor. „Vielleicht kann ich ja die zweite werden.“ (dpa)



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