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Berliner Zeitung | Surfen in Berlin: Wellenreiten auf dem Tempelhofer Feld
15. January 2013
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Surfen in Berlin: Wellenreiten auf dem Tempelhofer Feld

Der brasilianische Profi-Surfer Miguel Pupo testet im Baskenland den Prototypen der Wellen-Anlage, die Berlin zur Surf-Stadt machen soll.

Der brasilianische Profi-Surfer Miguel Pupo testet im Baskenland den Prototypen der Wellen-Anlage, die Berlin zur Surf-Stadt machen soll.

Foto:

Javier Munoz

Berlin -

Berlin soll etwas mehr wie Kalifornien werden: Schon in zwei Jahren könnte man hier Wellenreiter sehen, die über mehr als hundert Meter auf einer schulterhohen Woge entlanggleiten. Nur, dass die Welle über ein Gewässer auf dem Tempelhofer Feld rollt anstatt über den Pazifik.

Das ehemalige Flughafengelände sei der Traumstandort für das Wellen-Gewässer, sagt Arnd Wiener. Der in Potsdam lebende Junioren-Nationaltrainer des deutschen Wellenreitverbandes will gemeinsam mit dem Berliner Sportmarketing-Manager Falko Nadol das Wellenreiten von Hawaii in die Hauptstadt bringen. Herzstück ihrer Wellen-Anlage soll ein langgezogener See werden, etwa so breit wie ein Fußballfeld und so lang wie zwei. Auf Knopfdruck wird sich dann dort eine Welle formen, die perfekt brechend über das Gewässer rollt. Perfekt, zumindest nach Surfer-Maßstäben: gleichmäßig nämlich, so dass Ritte über mehr als hundert Meter möglich wären.

Möglich macht das Wellenreiten abseits des Ozeans eine neue Technik, die im Baskenland in der Nähe von San Sebastian entwickelt wurde. Unter der Oberfläche schiebt sich dabei auf einer Schiene eine Art Walze durch das Wasser, die das Wasser vor sich aufbäumt. Da der Seeboden so gestaltet wird, dass er sich langsam anhebt, beginnt die Welle wie in einem echten Ozean zu brechen. „Eine Technik, die das Wellenreiten revolutionieren wird“, sagt Junioren-Nationaltrainer Arnd Wiener. „Es wird so erstmals auch im Landesinneren möglich.“

Fahrt durch die Wellen-Röhre

Ein erster Prototyp der sogenannten Wavegarden-Technik wurde mit Innovationspreisen überhäuft, Profisurfer aus der ganzen Welt sind ins Baskenland gereist, um die Welle zu testen. Nun wird in den nächsten Wochen der Nachfolger vorgestellt, der erstmals Wellen in Schulterhöhe ermöglicht. Diese Technik soll auch in Berlin zum Einsatz kommen. Sie soll es Surfern sogar ermöglichen, Tubes zu fahren – also durch die Röhre zu surfen, die die brechende Welle formt.




Mindestens vier Millionen Euro soll der Bau der Anlage kosten. Junioren-Nationaltrainer Arnd Wiener ist überzeugt, dass in Berlin die Nachfrage stark genug wäre, damit sich die Investitionen rentieren. „Es gibt hier eine starke Wellenreiter-Szene, vielleicht die Größte in Deutschland“, sagt Wiener. „Hinzu kommen die Touristen aus Ländern, in denen es echte Wellen gibt.“

Dass es in Berlin fast die Hälfte des Jahres kalt und regnerisch ist, ist für Wiener kein Problem. „In Irland ist es jetzt genauso kalt, und das Wasser ist voll, weil die Winterstürme nun die besten Wellen bringen.“ Er selbst war gerade mit seinem Brett zum Paddel-Training im Sacrower See. „Ein Problem gibt es eigentlich nur bei Eis.“

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Zwischen zehn und zwanzig Euro soll eine Stunde Wellenreiten nach den Berechnungen der beiden Surfer kosten. Für sozial schwache Gruppen und Schulen in der Umgebung soll es aber kostenfreie Angebote geben.

Mehrere sehr interessierte Investoren gebe es bereits, sagt Falko Nadol, der neun Jahre lang für Red Bull im Marketing arbeitete und dort Extremsportevents organisierte. Doch bisher gestalte sich die Flächensuche schwierig. Denn damit sich die Wellen-Anlage rentiert, müsse sie möglichst zentral liegen. Und es ist nicht einfach, den städtischen Behörden die perfekte Welle zu vermitteln. Als Nadol und Wiener, um einen Gesprächstermin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung baten, schrieb die Behörde zurück, für „das Projekt W-Lan Berlin“ nicht zuständig zu sein.

Die Behörden prüfen

Bei der Tempelhof Projekt GmbH, die für die Gesamtentwicklung des ehemaligen Flugfelds zuständig ist, heißt es, man halte die Wellenanlage durchaus für „eine gute Nutzung“. Da es sich bei dem Wavegarden-Projekt aber um eine langfristige Investition und Nutzung handelt, könne man dafür im Moment aber keine Zusage geben. Zudem sei man skeptisch, dass angesichts der geplanten Wohnbebauungen ausreichend Platz zur Verfügung stehen werde.

Auch die Senatsverwaltung für Sport prüft das Wellenreit-Projekt derzeit. Sie ist unter anderem für das Olympiaparkgelände zuständig. „Das wäre als Standort eine Alternative,“ sagt Nadol. Die beiden Surfer werden jedenfalls nicht so schnell mit ihrem Vorhaben aufgeben, das Wellenreiten nach Berlin zu bringen: „Fünf Jahre haben wir uns gegeben, um das Projekt zu realisieren“, sagt Nadol. Er ist überzeugt: „Mit Welle wäre Berlin perfekt.“