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Taxi Berlin: Höfliche Taxifahrer als Premiumangebot

Immer wieder warten die Fahrer auf Kundschaft, die stundenlang nicht kommt. Eines von rund 7 500 Taxis in Berlin steht an einem Halteplatz.

Immer wieder warten die Fahrer auf Kundschaft, die stundenlang nicht kommt. Eines von rund 7 500 Taxis in Berlin steht an einem Halteplatz.

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dpa

Berlins Taxi-Unternehmer stehen unter Druck. Chauffeurdienste und Mietwagenfirmen machen ihnen Konkurrenz, viele Kunden fahren lieber in einer Limousine als im Taxi vor. Diesem Trend möchte die gebeutelte Branche jetzt ein neues Qualitätsangebot entgegensetzen: Premium-Taxis. „Im November wollen wir einen Testlauf starten“, sagte Hermann Waldner von Taxi Berlin, der größten Funkzentrale in Deutschland. Das Besondere sind nicht die Fahrzeuge, deren Zahl mittelfristig auf 600 bis 800 steigen soll. Es handelt sich um ganz normale Taxis, die aber noch relativ neu sein müssen. Entscheidend sind die Fahrer: Sie müssen eine umfangreiche Ausbildung absolvieren, damit sie einen besseren Service bieten können als andere.

„Uns geht es um mehr Qualität im Taxigewerbe“, sagte Waldner. In der kommenden Woche soll ein erster Probekurs beginnen. Die Fahrer lernen, wie man sich gegenüber Fahrgästen verhält und frischen ihre Kenntnisse in Sachen Gesetze sowie Verkehrsregeln auf. Weitere Themen sind Sauberkeit im Taxi und die angemessene Fahrweise. Eigentlich sind das alles Selbstverständlichkeiten, doch Fahrgastbeschwerden zeigen, dass es daran häufig hapert.

Anzeige gegen Finanzsenator

Nur wer den Kurs erfolgreich absolviert, darf ein Premium-Taxi fahren und kann im Gegenzug damit rechnen, dass er mehr Aufträge erhält. Er muss aber an Auffrischungskursen teilnehmen. Es gibt auch Kontrollen – zum Beispiel durch Testkunden, die inkognito unterwegs sind.

Allerdings: So wie nicht jeder Chauffeur Premium-Fahrer werden darf, kann anfangs auch nicht jeder Fahrgast Premium-Fahrgast werden. „Zunächst wollen wir unseren neuen Service ausgewählten Premiumkunden anbieten – zum Beispiel Fünf-Sterne-Hotels, großen Unternehmen, Botschaften und Konsulaten“, sagte Waldner. Wenn jemand von dort bei der Zentrale anruft, erkennt die Technik das und hält nach einem Premium-Taxi Ausschau.

Falls sich das neue Konzept bewährt, könnte es 2014 ausgeweitet werden. Dann werde geprüft, ob sich auch Privatkunden registrieren und das Angebot nutzen dürfen.

Kassiert werden die regulären Taxi-Fahrpreise. Allerdings können die Kunden darauf vertrauen, dass sie auch bargeldlos mit Karte zahlen können – was längst nicht in jedem der 7 500 Berliner Taxis möglich ist.

Mit seinem Plan steht Waldner, dessen Zentrale (Telefon 20 20 20/ 44 33 22) Zugriff auf rund 5 300 Taxis hat, nicht allein. Auch im übrigen Gewerbe gibt es Unterstützung. Mit der „Elitetruppe“ werde es möglich, Hotel- und Businesskunden eine gleichbleibend hohe Qualität zu bieten, sagte Detlev Freutel vom Taxi Verband Berlin Brandenburg. „Alle ziehen an einem Strang.“ Uwe Gawehn, Erster Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes, zeigte sich skeptischer. „Wir verweigern uns nicht, wenn es um mehr Qualität geht“, sagte er. Doch zunächst werde sich der Vorstand mit Details auseinandersetzen, zum Beispiel mit den Kosten der Ausbildung. Gawehn: „Unsere Mitglieder sind in dieser Frage sehr sensibel.“

Die Initiative soll nicht nur den Fahrgästen, sondern auch der Taxibranche dienen, entgegnete Waldner. „Sie soll ein Zeichen setzen angesichts des fehlenden Willens der Landespolitik, unser Gewerbe zu unterstützen“, so Freutel. Er kritisierte, dass es in Berlin keine Zuschüsse für Fiskaltaxameter gibt – anders als in Hamburg. Bei diesen Taxametern handelt es sich um Fahrpreisanzeiger, die Manipulationen unlöschbar registrieren – und so Steuerhinterziehung eindämmen.

Doch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) will kein Geld lockermachen. Auch verweist der Senat darauf, dass die fälschungssicheren Taxameter ab 2016 Pflicht sind. „Zu spät. Dann wird es keine ehrlichen Taxibetriebe mehr geben“, so Freutel. Er lässt jetzt von seinen Anwälten eine Strafanzeige gegen den Finanzsenator prüfen – weil Nußbaum durch Unterlassung die Steuerhinterziehung fördere.



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