25.01.2012

Teamsport Bridge: Kein Spiel für Omas

Von Stefan Strauss

Etwa 40 Leute sitzen an diesem Abend an den Tischen in drei Räumen: Im Vorderraum üben die Anfänger, die meisten von ihnen kennen nur Rommé, Skat und Mau Mau. Im Raum daneben lernen die Fortgeschrittenen, im Hinterzimmer die Erfahrenen.

Der Anfängerkurs findet jeden Montag statt, zehn Wochen lang lernen die Neulinge die Grundlagen des Spiels mit 52 Karten. Rosa Ehmann, freie Grafikerin aus Kreuzberg, ist zum ersten Mal dabei. Sie sagt, sie spiele „unheimlich gern“. „Bridge ist zwar sehr mit Vorurteilen behaftet, aber es regt den Geist an“, sagt sie. Sie will es künftig im „unkonventionellen Stil“ spielen.

        

Sucht Nachwuchs für Bridge: Michael Frühling leitet die Neuköllner Kurse.
Sucht Nachwuchs für Bridge: Michael Frühling leitet die Neuköllner Kurse.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

Ricarda Bormann, Rechtsanwältin in Wilmersdorf, sagt, sie sei ausgelacht worden, als sie Freunden vom Bridge-Kurs erzählt habe. Sie will es trotzdem lernen. „Bridge ist kein Glücksspiel, das ist Gehirntraining“, sagt sie. Eine Volkswirtschaftlerin, die an der Humboldt-Uni lehrt, erzählt, sie habe gelesen, führende Manager einer amerikanischen Bank hätten in Las Vegas Bridge gespielt, währenddessen sei ihre Bank Pleite gegangen. „Bridge muss also schon sehr spannend sein“, sagt die Dozentin. Promis loben das Spiel. Schauspieler Omar Sharif nennt es die „zweitschönste Nebensache der Welt“, Microsoft-Gründer Bill Gates nennt es „ein fantastisches Spiel, weil es von Strategie und Partnerschafts-Vertrauen lebt“.

Michael Frühling beginnt den Anfängerkurs mit einem Vortrag. Er sagt, es gebe 635 Milliarden Verteilungsmöglichkeiten der Karten. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man zweimal im Leben die gleichen Karten bekommt.“ Und: Der Wert der Karten sei egal. „Es ist wichtig, was man aus den Karten macht.“ Bridge sei ein Teamsport. „Niemand spielt für sich allein.“ Es geht um Bieten, Reizen und Passen, um Abwerfen und Stechen. Man kann die Regeln auch als Lebensweisheiten verstehen.

Spieler gründen eigenen Club

Mittlerweile leitet Michael Frühling den fünften Anfängerkurs. Manche Teilnehmer spielen anschließend weiter, sie wollen mehr lernen, Tricks und Spieltechniken beherrschen. Im Hinterzimmer zeichnet Wolfgang Lass Kartenkombinationen und Spielzüge an, sie sehen aus wie komplizierte Matheaufgaben. Wolfgang Lass spielt seit zehn Jahren Bridge. Er sagt, in jüngster Zeit kämen immer mehr jüngere Spieler zu den Kursen. „Da entwickelt sich eine Gegenbewegung zum Computerspiel.“

Jetzt haben die Neuköllner Bridge-Spieler ihren eigenen Club gegründet, den „BC Gegenspiel Neukölln“. Sie spielen bei Turnieren und Meisterschaften. Aber was ist daran nur so reizvoll? „Bridge ist spannender als Poker, Skat und Schach zusammen“, sagen sie. „Man kann lebenslänglich dazulernen.“

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