blz_logo12,9

Technikprobleme bei der BVG: Berlins peinlichste Busse sollen wieder fahren

Bisher zumeist ein Werkstatthüter: der Elektrobus der BVG.

Bisher zumeist ein Werkstatthüter: der Elektrobus der BVG.

Foto:

imago/Jürgen Heinrich

Wochenlang herrschte Ratlosigkeit. Und manch einem Beteiligten war das Ganze auch ziemlich peinlich: Die neuen Elektrobusse, die in Berlin einen Vorgeschmack auf die Zukunft geben sollen, können wegen eines Defekts nicht eingesetzt werden – ohne dass klar ist, wie es dazu gekommen ist. Doch nun zeigen sich die Techniker, die seit September an dem Problem tüfteln, so zuversichtlich wie noch nie. „Wir sind der Lösung des Problems näher gekommen“, teilte Andreas Dienemann, Sprecher von Bombardier Transportation, auf Anfrage mit. Wenn es weiter so gut laufe, könnten die Elektrobusse in der zweiten Novemberhälfte wieder für den Betrieb freigegeben werden.

Eigentlich sollen sie im 20-Minuten-Takt auf der Linie 204 zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Südkreuz pendeln. Fast lautlos, abgasfrei und als gutes Beispiel dafür, wie der Nahverkehr in Zukunft aussehen könnte. 6,1 Kilometer hin, 6,1 Kilometer zurück, unterbrochen vom schnellen kabellosen Aufladen an den Endstationen.

Zukunftkonzept als Rohrkrepierer

Der elektrische Busbetrieb auf der Strecke im Westen der Stadt ist eines der Projekte, mit dem Berlin und Brandenburg diese Region zu einem Schaufenster für Elektromobilität machen wollen. So weit die schöne Theorie. Doch das vermeintliche Zukunftskonzept erwies sich in Berlin als Rohrkrepierer.

Während der monatelangen Testphase wurden keine Mängel gemeldet, die Beteiligten waren zufrieden. Das änderte sich allerdings, nachdem am 31. August dieses Jahres die Fahrgastbeförderung begonnen hatte. Immer wieder mussten Dieselbusse als Ersatz geholt werden, weil Stromfahrzeuge ausfielen.

Entnervt rechneten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vor: Lediglich an sieben Tagen waren alle vier Elektrobusse vom Typ Solaris Urbino 12 electric jeweils von Betriebsbeginn bis Betriebsende im Einsatz, zuletzt am 12. September.

Strombetrieb im September ausgesetzt

Ein stabiler Betrieb sieht anders aus. Darum hatte das Landesunternehmen noch im September genug. Es beendete erst mal den Strombetrieb und schickte die vier Busse in die Werkstatt, nicht nur die beiden defekten Fahrzeuge. „Im Interesse unserer Fahrgäste, die sich auf den Fahrplan verlassen, können wir keine Kompromisse eingehen“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Für einen zuverlässigen Betrieb brauchen wir alle vier Busse. Zwei Fahrzeuge reichen da nicht aus.“

Rasch fanden die Techniker heraus: Bei den defekten Bussen ist die Batterie beschädigt. Sie wurde offenbar überlastet, hieß es bei der BVG. Es gab Fehler im Hochvoltsystem, teilte Bombardier mit. Von diesem Unternehmen kommen die Batterien und das Ladesystem Primove, das ohne Kabel funktioniert.

Allerdings seien die Bus-Batterien nicht die Quelle des Problems – das stamme von woanders im „Gesamtsystem Bus“. „Externe Faktoren haben zu der Abschaltung geführt“, berichtete Dienemann. So wurden auch die anderen Beteiligten an den Tisch geholt. Das polnische Unternehmen Solaris hat die Busse produziert. Die Antriebssysteme kommen von Vossloh-Kiepe.

Woanders gibt es keine Ausfälle

„Das Problem hat sich als komplexer erwiesen als zunächst erwartet“, sagte Dienemann. Rätselhaft ist, warum bislang nur Berliner Busse mit einer so gravierenden Störung aufgefallen sind. Aus Mannheim, wo das Primove-System ebenfalls im Einsatz ist, seien keine Schäden dieser Art gemeldet worden, hieß es.

Das gilt auch für die Braunschweiger Verkehrs-GmbH, bei der fünf Busse mit der Technik rollen – unter dem Spitznamen „emil“ (Elektrobusse mit induktiver Ladetechnik). Prokurist Frank Brandt: „Bei uns sind keine vergleichbaren Fälle aufgetreten.“ Es gab nur Probleme bei der Batterie-Klimatisierung. Anlagen wurden getauscht, nun gibt es keine Schwierigkeiten mehr. Die Emils rollen problemlos.