29.12.2011

Telekom: Ärger ohne Ende

Von Christine Dankbar
Wer dubiose Rechnungen erhält, kann schon mal die Nerven verlieren, wenn er versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.
Wer dubiose Rechnungen erhält, kann schon mal die Nerven verlieren, wenn er versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.
Foto: Imago

Betrügerische Firmen buchen heimlich Beiträge über die Telefonrechnung ab. Wer sein Geld zurück will, stößt auf viel Widerstand bei der Telekom.

Wer von dubiosen Firmen im Internet abgezockt wird, hat nicht nur finanzielle Verluste, sondern auch eine Menge Ärger. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle aufgeschrieben, wie sich Geschäftemacher monatelang an mir bereichert haben, ohne dass ich es gemerkt habe. Seit Mai standen auf der Mobilfunkrechnung der Telekom immer noch zwei andere kleinere Beträge – 29,95 Euro oder 19,96 Euro gingen an die Firmen Guerilla Mobile und In-Telegence, ohne dass ich dafür eine Leistung bekommen hätte. Eine Nachfrage bei Guerilla Mobile ergab, dass ich dort als Abonnentin eines wöchentlichen Intelligenztests geführt wurde, die Firma In-Telegence wusste beim ersten Telefonat nichts mit mir anzufangen.
Insgesamt hatten mich beide Firmen um knapp 300 Euro gebracht. Sicher, das bedeutete nicht meinen Ruin, aber die Summe war groß genug, um die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Ich wollte mein Geld wiederhaben. Und damit fing der nächste Ärger an.

Die Bank: Wem ungerechtfertigt Geld abgebucht wurde, der kann es sich problemlos wiederholen. So verspricht es jede Bank und wirklich, es klappt. Mit kleinen Einschränkungen. Am Halloween-Abend habe ich von den Abzockereien Kenntnis erhalten, am nächsten Morgen stehe ich vor dem Schalter in meiner Bank und zeige dem Sachbearbeiter meine Telefonrechnung und die Beträge der beiden Firmen, die ich zurückbuchen lassen möchte. Das geht nicht . „Sie müssen die gesamte Telefonrechnung zurückbuchen lassen“, erklärt der Mitarbeiter. Den unstrittigen Betrag für die Telekom könnte ich ja dann auf deren Konto überweisen. Ich lasse das Geld für die Mobilfunkrechnungen von September und Oktober zurück auf mein Girokonto buchen. Weiter zurück als sechs Wochen klappt das nicht, sagt der Bankmitarbeiter. Was er nicht sagt: Die Transaktion, die am Computer zwei Minuten dauert, kostet zweimal 7,50 Euro Bankgebühren.

Die Telekom: Weil ich nicht auch noch Ärger mit meinem Mobilfunkanbieter kriegen möchte, rufe ich gleich nach dem Bankbesuch die Hotline der Telekom an. Erst habe ich eine Sachbearbeiterin am Telefon, die mir erklärt, dass das ja leider gar nicht gehe. „Die Telefonrechnung müssen sie komplett bezahlen“, ermahnt sie mich freundlich, aber unnachgiebig. Als ich zu einer langen Erklärung ansetze, verbindet sie mich mit einem Kollegen, der nun für mich zuständig sei. Er ist vermutlich psychologisch besonders geschult. Jedenfalls hört er mich geduldig an und bittet mich, dass ich ihm das alles noch mal in einem Brief aufschreiben soll und eine Kopie der Anzeige, die ich bei der Polizei erstattet habe, beilege. Dafür würde er in meinem Mobilfunkkonto eine Mahnungssperre hinterlegen.

Zwei Tage später habe ich eine Mahnung der Telekom im Briefkasten. Sie möchte die zurückgebuchten Beträge zurückhaben. Plus der sogenannten Rücklastschriftkosten von zweimal 7,50 Euro. Man werde noch einmal versuchen, die Kosten von meinem Konto abzubuchen. Sollte das nicht klappen, werde man die Bankverbindung aus den Kundendaten löschen und meinen Mobilfunkanschluss sperren.

Der Verbraucherschutzanwalt: „Das darf die Telekom gar nicht“, sagt Verbraucherschutzanwalt Thomas Hollweck. Ich habe ihn angerufen, weil ich mittlerweile ratlos bin. Hollwecks Auskunft beruhigt mich etwas. Solange ich die unstrittige Summe an die Telekom überweise, darf sie mir nicht den Anschluss sperren – und eigentlich auch nicht auf der Zahlung des Betrages beharren, die die Gauner-Firmen mir unrechtmäßig abgebucht haben.

Die Telekom: Ich rufe wieder bei der Telekom an und frage den Sachbearbeiter, warum ich eine Mahnung erhalten habe, obwohl man mir versprochen habe, keine Mahnung zu schicken. Er erklärt mir, dass ich gar keine Mahnung bekommen habe. Ich lese ihm die Überschrift des Anschreibens vor: „Nicht erfolgter Bankeinzug/Telekom Mobilfunk-Mahnung“. Im Kundenkonto sei eine Mahnsperre vermerkt, sagt der Berater. „Wir werden Ihnen den Anschluss erst mal nicht sperren“, fügt er hinzu. Erst mal? „Den Betrag müssen Sie natürlich bezahlen.“ Wieder erkläre ich alles. Der Telekom-Mitarbeiter heute ist allerdings etwas ungeduldiger als sein Kollege vor einigen Tagen. Das sei ja wohl klar, dass die Telekom ihr Geld haben wolle und auch die 15 Euro für die Rücklastschriftkosten, raunzt er mich an. „Wir gehen bei den Firmen ja schließlich in Vorkasse.“ Ich werde jetzt auch pampig und frage ihn, warum mich das interessieren soll, wenn die Telekom bei Gaunerfirmen in Vorkasse gehe. Ich lege entnervt auf.

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