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Tempelhof: Der Norden kommt zum Schluss

Abendrot in Tempelhof: Bis die großen Pläne zur Umgestaltung des ehemaligen Flughafens umgesetzt werden, dauert es sicher noch viele Jahre.

Abendrot in Tempelhof: Bis die großen Pläne zur Umgestaltung des ehemaligen Flughafens umgesetzt werden, dauert es sicher noch viele Jahre.

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dapd

Berlin -

Die Gestaltung des Tempelhofer Feldes wird sich sehr viel länger hinziehen als bisher gedacht. Zwar sollen die Arbeiten für die Zentral- und Landesbibliothek am Tempelhofer Damm bereits im Jahr 2016 starten, doch der Bau des Columbia-Quartiers am nördlichen Rand des Tempelhofer Feldes soll erst nach dem Jahr 2025 in Angriff genommen werden. Dies teilte die Tempelhof Projekt GmbH am Freitag mit, die für die Entwicklung des Areals verantwortlich ist. Ursprünglich sollte das Columbia-Quartier das erste von vier neuen Stadtvierteln werden. Nun wird es zum Schluss realisiert.

Auch nach der geplanten Bebauung am Rand des Tempelhofer Feldes werde eine große Fläche in der Mitte des Areals frei bleiben, versicherte Gerhard W. Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. „Die Mitte bleibt grün“, sagte er und verteidigte damit die Planung gegen Kritik der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“, die jegliche Bebauung des Wiesenmeers verhindern will und dies mit einem Volksbegehren durchsetzen möchte.

Während die Bürgerinitiative finanziell ein Minus in Millionenhöhe bei der Neugestaltung des stillgelegten Flugfeldes erwartet, geht Steindorf davon aus, die Ausgaben aus den Verkäufen der Grundstücke an bauwillige Investoren wieder einzuspielen. „Wir werden einen Überschuss erwirtschaften, so dass die Kosten gedeckt sind“, sagte er. Einzelheiten der inzwischen aktualisierten Kosten- und Finanzplanung nannte Steindorf nicht. Die Planung müsse zunächst mit den zuständigen Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Finanzen abgestimmt und dann dem Parlament vorgelegt werden. Ob die Bürger noch rechtzeitig vor dem Volksbegehren über die anfallenden Kosten informiert werden, ist unklar.

Irgendwo muss gebaut werden

Sehr viel schneller war die Tempelhof Projekt GmbH indes mit der Berechnung jener Kosten, die anfallen, falls die Bebauung des ehemaligen Flugfeldes scheitern sollte. Rund 300 Millionen Euro würde ein solcher Verzicht volkswirtschaftlich kosten, ermittelte das Empirica-Institut. Die Ausgaben fallen an, weil die Wohnungen und Gewerbeflächen dann an weniger zentral gelegenen Orten Berlins gebaut werden müssten und dadurch mehr Verkehr, mehr Stau, mehr Unfälle und mehr Schadstoffe entstünden – berechnet auf 50 Jahre.

Harald Simons vom Empirica-Institut verteidigte das Gutachten am Freitag und warb für die Bebauung des Tempelhofer Feldes. „Da Berlin wächst, muss irgendwo gebaut werden“, sagte er. Allein im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der Einwohner in der Hauptstadt um 41.000 erhöht.

Als eines der ersten neuen Bauwerke soll im Süden des Flughafenareals eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger errichtet werden, die die Oberlandstraße über die S-Bahngleise mit dem stillgelegten Flughafen verbindet. Der Bau der Brücke sei unter anderem notwendig, um darüber später die Baustelle für die Zentral- und Landesbibliothek am Tempelhofer Damm zu versorgen, sagte Steindorf. Bis zum Jahr 2016 soll die Brücke fertig sein. Die Kosten für das Bauwerk belaufen sich auf 4,2 Millionen Euro. Neben der Brücke ist ein neuer S-Bahnhof geplant.

Die ersten Grundstücke in Tempelhof sollen nach Angaben von Steindorf in den Jahren 2016/17 verkauft werden. Danach sollen auch die Arbeiten im Süden und im Osten beginnen. Im Süden wird eine Fläche für einen zentralen Omnibusbahnhof freigehalten. Ob er dort errichtet wird, ist aber offen. Wie berichtet, kritisieren die Grünen den Bau der Brücke. Sie warnen davor, Tatsachen zu schaffen, bevor über das Gesamtkonzept entschieden wurde.