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Tempelhofer Feld: Eilantrag gegen das Wasserbecken

Idylle pur? Das Tempelhofer Feld ist immer wieder Streitpunkt der Stadtpolitik.

Idylle pur? Das Tempelhofer Feld ist immer wieder Streitpunkt der Stadtpolitik.

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Kay Nietfeld/dpa

Berlin -

Während Umweltschützer noch gegen das geplante Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld protestieren, laufen bereits die Vorbereitungen für die Bauarbeiten. Voraussichtlich in der nächsten Woche solle der Bauzaun aufgestellt werden, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein, am Dienstag. Der Erdaushub solle in der kalten Jahreszeit beginnen, um die Besucher möglichst wenig zu stören.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert den geplanten Eingriff in die Natur und will die Arbeiten in letzter Sekunde stoppen – notfalls per Eilantrag. BUND-Rechtsanwalt Karsten Sommer sagte am Dienstag, die Baugenehmigung verstoße „gegen das geltende Umwelt- und Planungsrecht“. So habe es beispielsweise keine Umweltverträglichkeitsprüfung mitsamt der nötigen Öffentlichkeitsbeteiligung gegeben. Der BUND hat deswegen bereits Klage eingereicht.

Wasserbecken für Regenwasser

Wie berichtet, will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das rund 30 000 Quadratmeter große Wasserbecken errichten, um das Regenwasser aufzufangen, das auf dem Areal anfällt und bislang über ein Auffangbecken ungeklärt in den Landwehrkanal geleitet wird. Bis 2015 soll es fertig sein. Außerdem sind ein neuer Rundweg und ein knapp zwei Meter flacher Hügel vorgesehen. Die Umgestaltung kostet rund elf Millionen Euro. Sie gehört zur Parkplanung für das Tempelhofer Feld.

Der BUND kritisiert, dass „Teile der offenen Wiesenlandschaft“ zerstört werden. Allein von den 163 Brutrevieren der nach EU-Recht streng geschützten Feldlerche würden zirka 35 Brutreviere beseitigt.„Es ist ein Skandal, dass ausgerechnet die Oberste Naturschutzbehörde mit ihrer Parkplanung Natur vernichtet statt zu schützen“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser. „Besonders perfide ist, dass der Eingriff in Natur und Landschaft auch noch als Ausgleich für die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes dienen soll“, so Heuser. Damit entziehe sich die Behörde „trickreich der Auflage, einen wirklichen Natur-Ausgleich dafür vorzunehmen“.

Die Stadtentwicklungsbehörde weist die Vorwürfe zurück. Staatssekretär Christian Gaebler sagte: „Das Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld ist nicht nur ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, sondern vor allem von vielen Bürgern, die das Tempelhofer Feld nutzen, explizit gewünscht.“ Laut der Behörde ist die gesamte Parklandschaft als Ausgleich für die Randbebauung gedacht – inklusive des Wasserbeckens.