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Berliner Zeitung | Tempelhofer Feld: Picknickkörbe zum Ausleihen
20. August 2014
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Tempelhofer Feld: Picknickkörbe zum Ausleihen

Picknick auf dem Tempelhofer Feld

Picknick auf dem Tempelhofer Feld

Foto:

Markus Wächter

Sie sind oval oder eckig, aus weißem oder hellbraunem Bast geflochten, werden an Henkeln getragen oder mit Lederriemen verschlossen. Jeder der Picknickkörbe, den Lena Wenckebach am Tempelhofer Feld verleiht, ist ein Einzelstück, von ihr gesucht und gefunden auf Ebay, Flohmärkten und im Requisitenverleih der Eltern. Seit Mai diesen Jahres betreibt Wenckebach in einer rot-weiß längsgestreiften Hütte am Eingang Oderstraße den ersten professionellen Vor-Ort-Picknickkorbverleih Berlins.

Von Dienstag bis Sonntag bestückt sie die Saison über täglich ihre Körbe mit Porzellantellern, Besteck, einer Decke und einer Zeitung. Einweggeschirr kam für sie wegen der Nachhaltigkeit und der Ästhetik nicht infrage. „Dazu bekommt man noch ein Spiel dazu, Schläger und Ball für Speedminton zum Beispiel, einer Berliner Erfindung zwischen Badminton und Squash“, sagt sie.

Thymian-Butter und Brezeln

Zu dieser Grundausstattung können ihre Kunden dann noch Getränke und Speisen kaufen. „Es gibt zum Beispiel Brezeln, Tomaten-Thymian-Butter“, Lena Wenckebach, „und schwäbischen Kartoffelsalat.“ Ihr kulinarisches Angebot bezieht sie von einem Caterer, in ihrem Häuschen kann sie nicht selbst kochen. An die Gäste, die selbst aktiv werden möchten, verleiht sie einen kleinen Grill.

Einige Meter vor Lena Wenckebachs Picknickstation haben es sich Jule Stracke und Nico von Brück in der Abendsonne bequem gemacht. „Wir nutzen das Angebot zum ersten Mal und nun kleben wir hier auf unserer Decke“, sagt Nico von Brück, „wir waren schon ein paar Mal Nachschub holen.“ Die beiden sind begeistert von dem Angebot. „Es ist total entspannt“, sagt Jule Stracke, die aus Thüringen zu Besuch ist. „Man geht einfach zum Stand, sucht sich aus, was man möchte, und picknickt. Das ist Urlaub für mich.“

„Die Idee, Picknickkörbe zu verleihen hatte ich schon vor vier Jahren“, sagt Lena Wenckebach. Mit Freunden traf sie sich damals im Biergarten auf dem ehemaligen Flughafengelände. „Dann hielt ich auf einmal dieses Infoblatt mit einer Ausschreibung für Umnutzungsmöglichkeiten in der Hand.“ Sie war kurz zuvor in England im Urlaub und hatte die dortige Picknickkultur kennengelernt. „Draußen sein an sich ist schon so schön, dazu noch gut essen und trinken“, sagt sie, „das bedeutet für mich Freisein.“

Lena Wenckebach begann zu recherchieren und stellte fest, dass es nur wenige Betriebe in Berlin gab, die Picknickkörbe verliehen. „Und das auch nur auf Vorbestellung. Also habe ich mich mit meiner Idee für das Tempelhofer Feld beworben.“ Da 2010 allerdings keine gastronomischen Lizenzen vergeben wurden, verlief ihre Idee zunächst im Sande.

Bis die Grün Berlin GmbH, die die Nutzung des Felds verantwortet, im vergangenen Jahr wieder auf sie zukam. Also reichte sie ihr Konzept noch mal ein. Jetzt ist sie hauptberuflich Picknickverleiherin.

Lena Wenckebachs Telefon klingelt alle paar Minuten. Immer wieder rufen Leute an, die einen Korb vorbestellen möchten. Ihre Kundschaft sei ein Querschnitt aus der ganzen Bevölkerung. „Es kommen Junge und Alte, stylische, schicke und ganz normale Leute“, sagt Lena Wenckebach. Auch viele Engländer, Amerikaner und Australier stellen sich bei ihr ein spontanes Freiluft-Menü zusammen. „Die Berliner rufen eher vorher an, um auf Nummer sicher zu gehen.“ Auch größere Gruppen versorgt sie vor Ort, Geburtstags- oder Hochzeitsgesellschaften etwa.

Ein Stück Stadtkultur

Für Wenckebach ist Picknicken ein Teil der Stadtkultur. Noch bis Oktober will sie ihren Service anbieten. „Ich hoffe auf einen schönen Spätsommer“, sagt sie. Bisher war das Wetter auf ihrer Seite. Doch dreißig Grad und Sonnenschein sind für sie nicht die Grundvoraussetzung für das Essen in der Natur. „Ich könnte mir ein Weihnachtspicknick vorstellen, wenn Schnee liegt“, sagt Lena Wenckebach. Auch für die nächste Saison hat sie bereits eine mündliche Zusage erhalten. Offiziell ist sie bereits Pächterin der kleinen Hütte, die man wegen ihres bunten Anstrichs weder im Sommer noch Winter lange suchen muss.

Picnic Berlin, Picknickkorbleih auf dem Tempelhofer Feld, Eingang Oderstraße.

Di-So bei gutem Wetter ab 12 Uhr bis Sonnenuntergang.

Grundpreis für einen Picknickkorb für zwei Personen: 10 Euro, zusätzlich Speisen und alkoholfreie Getränke jeweils zwei bis drei Euro, Wein und Cremant (ganze Flaschen) ab 12 Euro.


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